Markus Lanz diskutiert über Bayernsieg und mit Nazi-Jäger

König Fußball regierte auch „Markus Lanz“. (Bild: Screenshot/ZDF)

Der Sieg des FC Bayern München in der Champions League dominierte am Mittwochabend die anschließende Ausgabe der Talkshow von Markus Lanz. Ganz am Schluss wagte der ehemalige Nazi-Jäger Kurt Schrimm eine gewagte These: Müssen wir bald darüber nachdenken, Mord wieder verjähren zu lassen?

Es war nicht mal eine halbe Minute Sendezeit verstrichen, da hatte Lanz seinem Kollegen Marcel Reif bereits so viel Lob entgegen gebracht, dass selbst dieser ganz beschämt guckte. Reif sei jemand, der „in diesem ganzen Fußballzirkus irgendwie echt fehlt“, meinte Lanz. Ex-Fußballprofi Michael Rummenigge wurde sogleich kumpelhaft geduzt und der Nachname der Sportmoderatorin und FC-Bayern-Kennerin Andrea Kaiser musste natürlich für allerlei royale Referenzen herhalten. Es war unübersehbar: Dieser Abend stand ganz im Zeichen des unter Jupp Heynckes frisch erblühten FC Bayern München.

Selbst Sänger Thomas Anders, seines Zeichens laut Lanz „Ritter der Ballonseide“, ist nach Ansicht des Moderators „ein Mann, der perfekt in eine Champions-League-Sendung passt – denn in seiner Biografie auf Seite 78 steht der schöne Satz ‚Wahre Künstler spielen keinen Fußball’“. Das war jedoch nur ironisch gemeint. Ebenso Anders’ Selbsteinschätzung, dass er daheim in der Familienhierarchie gleich hinter dem Meerschweinchen kommt.

Ganz am Rand platziert und als letzter Gast vorgestellt: Kurt Schrimm, ehemaliger Staatsanwalt und Nazi-Jäger. „Wir werden uns die Zeit nehmen, das Thema heute sehr angemessen zu behandeln“, versprach Lanz und warf aber zunächst „einen kurzen Blick“ auf König Fußball. Eine halbe Stunde später fachsimpelte das Quartett auf der linken Seite immer noch über die Bayern, „obszöne“ Transfersummen und das angeblich drohende Ende der Fankultur.

Lanz, Reif, Kaiser und Rummenigge (v.l.n.r.) diskutierten die Lage beim FC Bayern München. (Bild: Screenshot/ZDF)

Sportmoderatorin Kaiser erklärte Thomas Müller zum „Gute-Laune-Fußballer“. „Der muss sich wohlfühlen“, analysierte sie den Umstand, dass der Nationalspieler unter Heynckes so richtig aufgeblüht ist. „Wenn du versuchst, Thomas Müller in irgendein Korsett zu zwingen, bringt er der Mannschaft nichts und er selbst leidet wie ein Hund“, meinte auch Reif, während Ex-Fußballspieler Rummenigge irgendwie verdächtig schmunzelte. Hatte sein Bruder, der FC-Bayern-Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge, da etwa aus dem Nähkästchen geplaudert? Dann lobte Rummenigge Heynckes Sieg nach dem 3:0-Sieg über Celtic Glasgow aber doch: „Er hat alles wieder ins Fahrwasser gebracht.“

Da wollte auch Lanz nicht mit seinem ironischen Fachwissen hinterm Berg halten und meinte mit Blick auf den nächsten FC-Gegner: „HSV: Das wird eine ganz, ganz enge Kiste. Das sage ich an dieser Stelle einfach mal voraus. Ganz enge Kiste.“ Das Publikum klatschte begeistert. Anschließend durfte endlich Anders eine Viertelstunde lang über seine Musikkarriere reden. Am Ende kam die Rede dann natürlich noch auf sein Kochbuch: „Ich koche leidenschaftlich gerne.“ „Heute kochen die Männer. Kochst du, Andrea?“, fragte Lanz.

Kurt Schrimm brachte NS-Verbrecher hinter Gitter. (Bild: Screenshot/ZDF)

Zum Schluss war dann Schrimm an der Reihe. „Leiter der zentralen Stelle der Landesjustizverwaltung zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen – was für’n Wahnsinnstitel“, stellte Lanz seinen Gast vor. Der hatte NS-Verbrecher wie Josef Schwammberger und John Demjanjuk vor Gericht gebracht. Lanz’ Auftaktfrage „Finden Sie es richtig, dass Mord nicht verjährt?“ erschien seltsam unspezifisch, führte aber zu einem interessanten Thema.

Schrimm wies darauf hin, dass Mord in der Bundesrepublik noch bis 1979 nach zunächst 20, dann nach 30 Jahren verjährte. Das war auch Lanz – trotz seiner Frage – neu. Der Grund: Es wurde damals klar, dass die Nazi-Verbrecher innerhalb der vom Gesetz vorgesehen Zeitspanne nicht mehr alle zur Rechenschaft gezogen werden konnten. „Wird sich das möglicherweise wieder ändern?“, wollte Lanz wissen. „Man muss zumindest drüber nachdenken“, entgegnete der ehemalige Staatsanwalt. Zum einen werde es von Jahr zu Jahr schwieriger, ein Verbrechen aufzuklären. Damit steige die Gefahr, einen Unschuldigen zu verurteilen.

Nach Ansicht Schrimms ein weiteres gewichtiges Argument für eine mögliche Verjährung von Mord: Im Rechtsstaat soll Rechtssicherheit bestehen. „Auch der Mörder soll eines Tages nicht mehr damit rechnen müssen, dass es nachts an der Haustür klopft und er von der Polizei abgeholt wird.“ Diese These wurde leider nicht weiter diskutiert. „Interessant. Wieder etwas dazu gelernt“, meinte Lanz nur.

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