Markus Lanz: Im ZDF ist die Welt noch gut

Dieser Tage reden alle über Giftgasangriffe und Vergeltungsschläge. Schön ist das nicht. Markus Lanz, der alte Hippie, macht sich die Welt, wie sie ihm gefällt.

Ein wenig ist Markus Lanz wie diese alte Tante auf der Familienfeier, auf der man über Krebs redet. „Nicht doch Hermann!“, sagt sie dann. „Du versaust allen den Abend!“ Um dann von ihrem Apfelkuchen-Rezept zu schwärmen. Böse Zungen würden das verblendet nennen. Dabei ist es erholsam!

Giftgas kann jeder. Lanz turnt lieber.

Zu Gast bei Markus Lanz: Politologe Prof. Christian Hacke, Moderator Frank Elstner, Präventivmediziner Prof. Gerd Schnack, Stadtimkerin Erika Mayr und Musiker Marian Gold, von Alphaville.

Da er die politische Realität ja nicht ganz außen vorlassen kann, hakt er den Realo-Punkt auf der Spaß-Agenda schnell ab: „Lassen Sie uns direkt über die unschöneren Dinge sprechen: Kim Jong Un ist zu jeder Art von Krieg bereit, China verlegt 100 000 Soldaten und Putin sagt, er werde jede Aggression beantworten. Wie schaut da ein Polit-Profi auf die Welt, Herr Hacke?“

Nicht nur twittern – auch mal schießen!

Prof. Hacke ist der Meinung, wir dürften nicht nur twittern, wir müssten auch mal schießen. Außerdem steht kurzzeitig die Frage im Raum: Geht es noch mit Assad? Oder nur ohne? Dann ist der Gute-Laune-Killer aber auch vorbei – man geht über zu den seichteren Dingen des Lebens.

Frank Elstner steht mit 75 in der Blüte seines Lebens und erzählt beschwingt, er würde heute viel mehr meditieren, außerdem sei sein Lampenfieber endlich auf dem Rückzug. Sein persönlicher Anti-Arthrose-Guru Prof. Gerd Schnack lümmelt im Stuhl, wie ein pubertierender Teenie am Abendbrottisch und nennt das logarithmisches Sitzen.

Dann macht der 86-jährige ein paar Turnübungen mit Lanz und fordert: „Zu jedem Computer ein Trampolin.“ Uns gefällt das. Wer will denn bitte kein Trampolin? So kann man dem Ernst des Lebens und etwaigen Bandscheibenvorfällen einfach mal davonhüpfen.

Erika Mayr erzählt schöne Geschichten aus dem Leben einer Stadtimkerin.

Marian Gold erzählt etwas wehleidig von Alphavilles besseren Tagen und gibt zu, dass sie nicht nur nie „Big in Japan“ waren, sondern tatsächlich not at all in Japan gewesen sind. Noch nie. Ein Schock. Fast droht die Stimmung zu kippen – aber dann kommt die wunderbar charmante Erika Mayr, die Geschichten von ihrem Bienenvolk über den Dächern Berlins mitgebracht hat.

Honigschleudern – das Meditieren der Städter

Für Lanz „ein Herzensthema“ denn – wussten Sie’s? – auch er ist Imker, zu Hause in Südtirol. Warum auch nicht: Honigschleudern sei schließlich wie Meditation, sagt Mayr. Dann berichtet Lanz in voller Länge, wie sich letzten Sommer unerhörterweise eine temperamentvolle sizilianische Drohne in sein Bienenvolk einschlich, und ihm die grundentspannten Südtiroler-Dolomiten-Bienen ganz wuschig machte.

Am Ende gab es noch eine grandiose Musikeinlage. Forever Young!

Es ist so herrlich banal, wir zerfließen wie Wildblütenhonig. Frank Elstner tut das auch: „Ich hätte nie geglaubt, dass man sich über Bienen so nett unterhalten kann.“ Dann schließt die nette Unterhaltung: Manchmal, wissen Lanz und Mayr, müsse man zum Erhalt des Bienenvolkes die Königin töten. Da wären wir wieder beim Thema. (ah)

Fotos: Screenshots/ZDF

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