Markus Lanz: Inside Wildgans

Wildgänse, trotzige Teenies und eine Runde Islamkritik – wie immer eine ausgewogene Mischung bei Markus Lanz.

Constantin Schreiber und Imam Husamuddin Meyer

Mit einer erfrischenden Portion Selbstreflektion begann Markus Lanz die gestrige Talk-Runde: „Willkommen in einer Sendung, in der wir heute thematisch viel vorhaben“

Das stimmt. Michael Quetting ist zu Gast, der Laborleiter ist erst kürzlich „Vater“ junger Gänse geworden und erzählt ganz putzig aus seinem gefiederten Alltag. Aber Lanz wäre ja nicht Lanz, schaffte er nicht die Überleitung zum nächsten Gast: Kinder- und Jugendpsychiater Professor Michael Schulte-Markwort. Wie das? Ganz einfach: „Auch Gänse kommen irgendwann in die Pubertät.“ Joa. Auch Constantin Schreiber wird nachgesagt, er habe einen Vogel –  somit passt er bestens in die Runde. Dann ist da noch Husamuddin Meyer, Imam und Islamwissenschaftler mit wunderbar kauzigem Hessisch. Genug der Geflügelwitze.

Inside Islam: Constantin Schreiber erntet Kritik. Auch von Markus Lanz

Es geht um den Moschee-Report den Schreiber kürzlich veröffentlichte, sowie um sein Buch mit dem Killer-Titel: Inside-Islam – Was in Deutschlands Moscheen gepredigt wird. Und zwar in allen 13. Gäbe es das menschgewordene Fähnchen im Wind, es wäre wohl Constantin Schreiber. Er dreht und wendet sich unter Lanz’ Kritik. Nach Sätzen wie: „Es ist eine Schwelle die nur wenige Deutsche überschreiten“ und „Es ist kalt, ich würde lieber die Schuhe anbehalten“, findet Schreiber nun, sein Buch würde oft falsch interpretiert. „Es zeigt wie sensibel alles ist, wie man sich da ausdrückt“, sagt er und scheint darüber verwundert.

Imam Husamuddin Meyer ist im hessischen Großbieberau geboren

Lanz geht ihn für lanzsche Verhältnisse hart an: „Sie sehen ja jetzt nicht aus wie jemand, der im Süd-Jemen aufgewachsen ist, sondern eher in Nordschweden. Trotzdem konnten Sie in diese Moscheen gehen und sich alles ansehen. Das spricht für mich eher für die Toleranz derjenigen, die dort beten.“ Schreiber bejaht das und rudert im Laufe der Sendung immer mehr zurück: „Meine Erlebnisse haben nicht den Anspruch, repräsentativ zu sein.“

Du sollst keine Sonnenblumenkerne essen

Lanz geht auf verschiedene Passagen des Buches ein, wie den Besuch einer türkischen Predigt nach dem Anschlag in Berlin, kurz vor Weihnachten. Dort sei viel von der „Weihnachtsgefahr“ die Rede gewesen, sagt Schreiber und semi-zitiert einen Hadith: „Du darfst nicht die Symbole eines Stammes übernehmen, sonst wirst du ein Teil dieses Stammes.“ Symbole eines Stammes, derer man sich nicht annehmen möge, seien unter anderem: Weihnachten, Sylvester und Sonnenblumenkerne. Wer schon einmal auf einer türkischen Parkbank saß, weiß demnach: Das ist ein Volk von Ungläubigen.

Constantin Schreiber: Einst ein Star in der arabischen Welt – jetzt erntet er Kritik

Beinahe tut er einem Leid, der Ralph Lauren-Poster-Boy, wie er da neben dem bärtigen Imam mit Misbaha sitzt, und sich irgendwie aus der Affäre ziehen will. Am Ende stellt Lanz Schreiber noch eine „professionell-persönliche Frage“: „Wenn man Ihr Buch liest, dann liest sich das anders als das, was wir heute Abend hier hören. Haben Sie da zu pauschal eingehauen auf eine Religion, oder ist das der Respekt vor der Reaktion, die dann zurückkam?“ Schreiber räumt ein: Die Kritik am Cover könne er nachvollziehen (zur Orientierung: Das ist dieses Homeland-Cover. Blasser Geheimagent vor Minaretten aus Froschperspektive.) – zum Inhalt des Buches würde er aber stehen. Kurz vorher sagte er bereits, er würde das nächste Buch vielleicht anders handhaben. Puh.

Harter Tobak sei all das gewesen, resümiert Lanz, „Jetzt mal ein bisschen durchatmen, ein bisschen Luft unter die Flügel kriegen – deswegen ist es gut, dass Herr Quetting bei uns ist.“ Ein Lanzscher Übergang wie er im Buche steht. (ah)

Fotos: Screenshots/ZDF

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