Markus Lanz: Komm, wir retten Afrika

Erst plauderten sie über Softpornos und deutsche Urängste, dann wurde die Sendung zur Benefizgala. Ein typischer Abend bei Markus Lanz.

Gestern Abend zu Gast bei Lanz: Politologe Albrecht von Lucke, Schauspielerin Michaela May, Ex-Stasi-Häftling Mario Röllig und Journalist Olaf Sundermeyer.

Lanz’ bunte Talk-Runde: Schauspielerin Michaela May, Journalist Olaf Sundermeyer, Zeitzeuge Mario Röllig und Politologe Albrecht von Lucke

Es war ein typisches Lanz-Setting. Albrecht von Lucke analysierte an der saarländischen Schulz-Zug-Bremse herum und Olaf Sundermeyer stellte sein Buch zu Banden-Kriminalität in Deutschland vor. Mario Röllig berichtete von gescheiterten Fluchtversuchen aus der DDR und Michaela May erinnerte sich an Rollenangebote für Filme mit klangvollem Namen, wie „Grimms Märchen für lüsterne Pärchen“. Dann plauderten alle gemeinsam ein wenig über deutsche Urängste und die sogenannten No-Go-Areas in kriminellen Ballungszentren.

Wenn aus der Talk-Runde eine Benefizgala wird 

Die Angst, die gute alte Angst. Sie ist in Deutschland immer wieder ein dankbares Thema. Man möchte meinen, dass nirgends sonst den Menschen beim Gedanken ans Leben mehr die Knie schlotterten, als hierzulande. Ganz charmant weist Markus Lanz Studiogast Michaela May auf ihr Alter hin. „Frau May, Sie sind gerade 65 geworden. Im Vergleich, geht man da sorgenfreier oder ängstlicher durchs Leben, wenn man älter wird?“

Michaela May zitiert darauf einen etwas holprigen John Lennon: „Wenn du auf das wartest, was du geplant hast, ist das Leben das, was in der Zwischenzeit mit dir passiert“. Angst ist also ein unnützes Gefühl, das zudem noch viel Zeit in Anspruch nimmt. Außerdem kennt Frau May ein Land, in dem es noch viel schlimmer zugeht als in Deutschland – und das ist Afrika.

Schauspielerin Michaela May rettet nebenberuflich Afrika

An diesem Punkt wird die Talk-Runde ganz unverblümt zur Charity-Gala. Frau May hat ein paar Videos mitgebracht, in denen sie, der rettende Engel aus dem Abendland, farbigen Frauen die Hand schüttelt. Sie lobt das innige Miteinander in „Afrika“ und beklagt die Dürre. Sie sagt: „Es gibt da einen guten Spruch. Jeder Mensch hat ein Recht auf Nahrung.“ Und erklärt sogleich, dass wir für nur 15 Euro im Monat alle unseren Teil beitragen können, um einer armen afrikanischen Familie Samen und ein Schaufelgerät zu kaufen.

Wir stimmen all dem zu. Niemand sollte hungern müssen. Dürre ist ein globales Problem. Aber braucht es eine derart privilegierte, weiße Schauspielerin, die nun das Leid des Landes Afrika beklagt? Lanz’ Sendung erinnerte an diesen furchtbaren Song von USA for Africa, aus dem Jahre 1985: We are the world.

Wie singt Diana Ross am Ende des Lieds so schön:

There’s a choice we’re making

We’re saving our own lives

 It’s true we’ll make a better day

Just you and me

Auch wir treffen an dieser Stelle die Entscheidung, unsere eigenen Hintern zu retten und finden die Aus-Taste. (ah)

Fotos: Screenshots/ZDF

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