Markus Lanz: So schlimm steht es um die Pflege in deutschen Kliniken

Über die dramatische Situation in der Pflege ging es unter anderem bei Markus Lanz. (Bild: ZDF/Screenshot)

Pflegenotstand war gestern, inzwischen hat sich die Situation in den Klinken und Krankenhäusern zu einer wahren Pflegekatastrophe ausgeweitet. Bei Markus Lanz diskutierten Menschen aus dem Gesundheitssystem über den dramatischen Alltag in Deutschlands Medizineinrichtungen.

In Deutschland gibt es einen immer eklatanteren Pflegemangel. Die Zeit, einen schwer kranken Patienten zu füttern, hat da niemand mehr. Die einfache Lösung: Magensonde. Wer zu langsam trinkt, bekommt eine Infusion. Und weil es so wenige Pflegerinnen und Pfleger gibt, hat das Krankenhauspersonal keine Zeit, einen Patienten aufs Klo zu bringen. Stattdessen: Blasenkatheter.

„Das zeigt, wie man eine schlechtere Qualität hat durch Personalmangel“, sagte der Wissenschaftsjournalist und frühere Arzt Werner Bartens in der Sendung. Für menschliche Nähe und Zuwendung bleibe im hektischen, kaputtgesparten und technisierten Pflegeberuf so gut wie keine Zeit. Einer der Gründe laut Bartens: „Viele Krankenhäuser sind Teile von Aktienfonds, da geht es um Shareholder-Value und nicht um Patienten-Value.“

Journalist und Buchautor Werner Bartens schilderte, woran es im Gesundheitswesen krankt. (Bild: ZDF/Screenshot)

Neben der Privatisierung des Gesundheitswesens gibt es noch andere Gründe für den Pflegenotstand. „In Städten wie München, in großen Ballungszentren wie Berlin, wie Hamburg, wie Köln, wie Frankfurt, wo die hohen Mietpreise da sind, da findet man einfach nicht das Personal“, sagte Bartens. Weil Pflegekräfte mit ihrem oftmals geringen Einkommen keine bezahlbaren Wohnungen in diesen Gegenden finden. Es sei laut Bartens ein Skandal, dass ein so wohlhabendes Land wie Deutschland so versage. „Das ist eigentlich nicht hinzunehmen.“

Bartens spricht von „Krankenwagen-Tourismus“

Bartens berichtete auch von Fällen, wo Kliniken Schwerverletzte abweisen müssen, weil ihnen die notwendigen Pflegekapazitäten fehlen würden. „Krankenwagen-Tourismus“ nennt er das. Es werde dann „zwischen den Kliniken hin- und hergeschachert“, wer den Patienten nehmen könne und wer nicht. Die Politik habe die Pflege systematisch vernachlässigt, stattdessen habe man für Millionenbeträge Protonenzentren oder molekularbiologische Forschungsinstitute errichtet.

Man wisse inzwischen aus vielen Untersuchungen, worauf es ankomme, wenn man krank ist. Nicht nur auf die richtige Medizin, so Bartels. Sondern auch „auf Trost, auf eine helfende Hand … auf Zeit oder so etwas Altmodisches wie Barmherzigkeit.“ Wenn all das fehlt, habe dies dramatische Auswirkungen.