Markus Lanz: Wie schwul ist der Vatikan?

Ich hab noch einen! Andreas Englisch und Krzysztof Charamsa im Wettkampf um die besten Priester Anekdoten.

„Fünfzig Prozent der Priester im Vatikan sind schwul“, sagt Krzysztof Charamsa. Er selbst war einer davon. Wie lebt sich das so?

Eigentlich war diese Sendung ein wilder Haufen Anekdoten. Ich hab hier noch ne Story! Von nem Priester und nem Stricher. Aus dem Beichtstuhl. Vom grabbelnden Kardinal. Wie schwul ist eigentlich der Vatikan? Diese Frage stand gestern bei Markus Lanz im Raum. Diskutiert wurde sie unter anderem von Papstexperten Andreas Englisch und dem Theologen Krzysztof Charamsa.

Charamsa ist eine coole Socke. Sie erinnern sich: 2015 machte der hochrangige Priester in einer Pressekonferenz im Vatikan seine Homosexualität öffentlich. Daraufhin wurde er suspendiert. Bei Lanz sprach er über die Heuchelei in der katholischen Kirche und ein neues Leben als Autor, Freelancer und scheinbar extrem glücklicher Mensch. Das ist schön, denn glückliche Menschen sehen wir gerne im Fernsehen.

 „Fünfzig Prozent der Priester sind auf jeden Fall schwul.“

Krzysztof Charamsa, gebürtiger Pole, sagt: „Fünfzig Prozent der Priester sind auf jeden Fall schwul.“ Woher er das weiß? Aus dem Beichtstuhl vielleicht. Vielleicht hat er auch einen extrem guten Gaydar. Recherchieren durfte er das ganze natürlich nie, da Homosexualität sicherlich eines der bestgeschützten Geheimnisse der katholischen Kirche ist.

Priester, sagt er, dürften ihre Sexualität einfach nie zur Kenntnis nehmen. „Die sind wie behindert, innerlich.“ Dass er selber das tat, auch wenn der Vatikan ihn daraufhin aus dem Priesteramt suspendierte, zeugt von ordentlich Cojones. Charamsa erzählt von seiner inzwischen sehr glücklichen Beziehung und scheint mit sich im Reinen. Kämen aus der Kirche öfter mal so schöne Geschichten, man könnte sich fast überlegen, mal wieder hinzugehen.

Hauptsache besser als der Islamische Staat

Papstexperte Andreas Englisch kloppt eine Schwuler-Priester-Anekdote nach der anderen raus. Journalist Hajo Schumacher ist sich sicher, all das sei eine Sache der Projektion. So wie wenn man die eigenen Kinder nötigt, das Zimmer aufzuräumen, weil man selber seit Jahren nicht mehr durch das eigene Schreibtisch-Chaos steigt.

Englisch beendet schließlich die Diskussionsrunde mit einer sehr fragwürdigen These: „Der islamische Staat bringt Homosexuelle in weiten Teilen der Welt auf mörderische Art und Weise um.“ Nicht etwa auf die feine englische Art, wohlgemerkt. „Wir sind Christen. Und wir glauben an die Barmherzigkeit.“ Deswegen dürften wir das, was Charamsa passiert ist, nicht zulassen. Weil, Hauptsache besser als der IS?! Ein eigenwilliger Maßstab von Werten ist das.

In unseren Augen besteht da noch Redebedarf. Lanz geht lieber zu Schumachers Spinatkotze Anekdoten, aus dem Leben eines Vaters über. (ah)

Foto: Screenshot/ZDF

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