„Markus Lanz“: So wird das deutsche Pflegesystem ausgenommen

In der Runde von Markus Lanz ging es unter anderem um organisierte Kriminalität. (Bild: ZDF/Screenshot)

Mit Fake-Kranken wird in Deutschland ein Milliardengeschäft betrieben. Dahinter sollen russische und osteuropäische Pflegedienste stecken. Der Gewinn dient oftmals zum Waschen von Geldern aus Drogenhandel und Waffenschmuggel.

Sie kommen aus Russland, Bulgarien, Rumänien und der Ukraine – und haben laut dem Landeskriminalamt NRW ein „hochkomplexes Gebilde“ erschaffen, das sich kaum durchdringen lässt. Bei „Markus Lanz“ ging es in der ersten Sendung im neuen Jahr unter anderem um dieses hochbrisante Thema, dem Politik wie Polizei machtlos gegenüberstehen.

Über das desolate und korrupte Pflegesystem sprach der Moderator mit der Journalistin Anette Dowideit von der Tageszeitung „Die Welt“ sowie mit Sebastian Fröse, seines Zeichens Rechtsanwalt und stellvertretender Geschäftsführer des Bundesverbandes Ambulante Dienste. Außerdem waren die beiden Schauspieler Maren Kroymann und Heiner Lauterbach zu Gast.

Es läuft über Announcen und Zeitschriften

Journalistin Anette Dowideit erklärte, wie die Pflege-Mafia in Deutschland arbeitet: Menschen aus der „russisch-eurasischen Community“ betreiben Pflegedienste in Deutschland. Über Annoncen in russischsprachigen Zeitschriften, die hierzulande erhältlich sind, würden diese Dienste Leute akquirieren, die sie von Ärzten als Pflegefälle einstufen lassen.

Man habe da „eine geschlossene Gruppe“, sagte Dowideit, „die sprechen Russisch oder Ukrainisch miteinander“. Ärzte, Pflegedienste und die vermeintlichen Patienten würden für den Betrug eng zusammenarbeiten. Bei den meisten Beteiligten handelt es sich um Russlanddeutsche oder Kontingentflüchtlinge, die hier ein Aufenthaltsrecht genießen.

 

Eine vorwiegend russische Community betreibe in Deutschland ein Pflege-Mafia-System, so Journalistin Dowideit. (Bild: ZDF/Screenshot)

Rund 230 mafiöse Pflegedienste sollen in Deutschland existieren. Sie verrechnen Leistungen wie etwa Verbandswechsel oder Körperpflege, die sie nicht erbringen. Denn die Pflegefälle sind in Wahrheit keine. Am Ende teilen sämtliche Beteiligte – Ärzte, „Patienten“ und ambulante Dienste – den durch den Betrug entstandenen Gewinn.

Das System dient außerdem dazu, Geld aus Drogenhandel und Waffenschmuggel reinzuwaschen. Durch diese organisierte Kriminalität wird das Pflegesystem um hohe Summen gebracht. Das Abkassieren auf Kosten von Hilfs- und Pflegebedürftigen verursacht jährlich einen Schaden von rund einer Milliarde Euro.

Menschen „mit enormer krimineller Energie”

Dowideit berichtete von einem Fall, den sie unlängst in Berlin miterlebt hat. Prüfer des Sozialamtes klingelten mehrmals bei einer gebürtigen Ukrainerin, bei der es sich um einen Pflegefall handeln soll, trafen die Frau aber nie an. „Irgendwann war die Frau dann da“, erzählte die Journalistin. „Und weil es schon so verdächtig war, dass so eine Pflegebedürftige nie zu Hause ist, haben sie sich den Pass zeigen lassen und haben festgestellt, dass die Frau die ganze Zeit in den USA war.“

Dennoch funktioniere das Betrugssystem recht stabil. Da seien Menschen „mit enormer krimineller Energie“ involviert, erklärte Anwalt Sebastian Fröse. „Ein Pflegedienst allein könnte das gar nicht stemmen.“

Maren Kroymann solidarisierte sich in der Sendung mit der #metoo-Bewegung. (Bild: ZDF/Screenshot)

Darüberhinaus sprach in der Sendung Heiner Lauterbach über die zweite Staffel der erfolgreichen ZDF-Serie „Tannbach“, in der er die Hauptrolle spielt. Und Maren Kroymann äußerte sich zur #metoo-Debatte. Auf die Frage von Moderator Lanz, warum die betroffenen Frauen so lange geschwiegen haben, meinte die Schauspielerin: „Weil Vergewaltigung total schambesetzt ist.“ Nachkriegsfrauen in Deutschland hätten auch oft erst 30 oder 40 Jahre später, wenn überhaupt, davon berichtet, dass sie von Soldaten vergewaltigt worden seien. Die Aktion der Hollywood-Promis, bei den Golden Globes in Schwarz aufzutreten, hätte ihr gefallen. Deswegen sei sie auch ganz in Schwarz in die Sendung von Lanz gekommen – „um ein Zeichen zu setzen“.

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