"Markus, lass es!": Armin Laschet rechnet mit Söder ab

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Es war sein erstes großes Interview nach der Wahlschlappe: Im ARD-Talk von Sandra Maischberger gestand Armin Laschet Fehler ein - und schoss scharf gegen CSU-Mann Söder.

Armin Laschet am 3. November 2021 in der Talkshow von Sandra Maischberger
Überraschend gelöst sprach Armin Laschet bei Sandra Maischberger über seinen missglückten Wahlkampf. (Bild: ARD / Screenshot)

Anna Mayr brachte es auf den Punkt. "Mir sind auf der Straße Leute begegnet, die gesagt haben: Ich wähle sonst immer CDU, aber den Laschet wähle ich nicht!", sagte die Journalistin der "Zeit" am Mittwochabend im ARD-Talk von Sandra Maischberger. Das war ehrlich, aber auch ein wenig hart, war jener Armin Laschet doch ebenfalls zu Gast bei Maischberger. Aber eine dicke Haut dürfte der 60-Jährige mittlerweile haben, zumal nach all den Sticheleien aus Bayern, die er in den vergangenen Monaten über sich ergehen lassen musste. Und auch Maischberger selbst packte Laschet schon zur Begrüßung alles andere als zimperlich an. "Sie sind Parteivorsitzender geworden, Sie sind Kanzlerkandidat geworden, und dann" - Maischberger schnippte mit den Fingern - "alles weg".

Es war Laschets erster großer Auftritt nach der Wahlschlappe seiner CDU bei der Bundestagswahl Ende September. "Wir haben eine Zeit gehabt, da war Annalena Baerbock ganz weit vorne, dann war eine lange Zeit ich ganz weit vorne, und dann kam plötzlich Olaf Scholz im Endspurt", blickte Laschet auf die bewegten letzten Monate zurück. Mehr noch als der anstehende Verlust des CDU-Parteivorsitzes schmerze es ihn, das Amt des Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen aufzugeben. "Das ist ein wirklich schönes Amt", sagte Laschet sichtlich angegriffen und sprach dann von "vielen festlichen Ereignissen", denen man als Ministerpräsident beiwohne, und der Nähe zum Bürger. "Wenn man das dann abgibt, dann hat man Wehmut."

Maischberger machte noch ein anderes Gefühl als bloße Wehmut bei Laschet aus: Erleichterung. Darüber, den strapaziösen Wahlkampf nun hinter sich gelassen zu haben. "Das sagt man so, das glaube ich nicht", gab Laschet zurück, so richtig glauben wollte man es ihm aber nicht angesichts des fast schon buddhistisch-gelassenen Gesichtsausdrucks, den der CDU-Mann im Fernsehstudio aufsetzte.

Armin Laschet bei Sandra Maischberger vor einer Video-Wall an der missglückte Aufnahmen seiner Auftritte im Flut-Katastrophengebiet zu sehen sind
Vier Fotos, die Armin Laschet im Wahlkampf zur Bürde wurden. Für das Lachen entschuldigte sich der CDU-Politiker, die anderen Aufnahmen verteidigte er. (Bild: ARD / Screenshot)

 

"Ich habe Fehler gemacht"

Dann ging es an die Analyse des desaströsen Wahlkampfes. "Ich habe Fehler gemacht. Fehler sind passiert, die nicht hätten passieren müssen", so Laschet selbstkritisch. "Ich habe gegeben, was ich konnte." Zu jenen Fehlern, so Maischberger, habe auch die Inszenierung von Laschet gehört - etwa in den Flutgebieten. Und so zeigte sie noch einmal jene Fotos - Laschet im Regen, Laschet lachend, Laschet (mit Schirm) neben Bürger im Regen, Laschet vor Trümmerhaufen -, die seinerzeit durch die Medien und die sozialen Netzwerke gegangen waren.

Das Lachen, sagte Laschet nun, sei "ein großer Fehler gewesen", alle anderen Bilder aber seien nur Momentaufnahmen, die die Wirklichkeit verzerrten. So habe etwa auch Olaf Scholz im Regen gestanden, nur sehe man den SPD-Mann auf jenem berühmt-berüchtigten Foto eben nicht. Und der Bürger, den Laschet scheinbar im Regen stehen ließ, während ihm selbst ein Mitarbeiter einen Schirm hielt - der habe auch einen Schirm gehabt, den die Kamera des Fotografen aber nun mal nicht eingefangen habe.

Als Selbstläufer habe er den Wahlkampf nie betrachtet, sagte Laschet, der angetreten war, um CDU-Kanzlerin Angela Merkel zu beerben. "Ich habe nie gedacht, das erreicht man sowieso." Auch programmatisch habe er auf der richtigen Linie gelegen. "Meine Themen waren immer die, die jetzt ungefähr im Sondierungsprogramm der Ampel stehen."

"Markus, lass es!"

Nach rund 20 Sendeminuten kam Maischberger schließlich auf jenen Mann zu sprechen, der diesen CDU-Wahlkampf vielleicht noch mehr geprägt hatte als Armin Laschet selbst. "Dann reden wir jetzt über Herrn Söder", sagte die Moderatorin, und Laschet räusperte sich, zog ein Gesicht, so als habe er in eine Zitrone gebissen - und vorbei war es mit der buddhistischen Gelassenheit. Es habe ihn überrascht, dass Söder überhaupt angetreten war, um Kanzlerkandidat der Union zu werden - "weil er ein Jahr lang das Gegenteil gesagt hatte", so Laschet. "Noch im August 2020 war das überhaupt kein Thema, dass es zu einem Konflikt zwischen CDU und CSU kommen könnte. Und das habe ich lange Zeit geglaubt."

Söder wurde dann bekanntermaßen nicht der gemeinsame Kandidat der beiden Schwesterparteien, schoss stattdessen immer wieder gegen Laschet. Er habe immer wieder in München angerufen, um Söder von den Angriffen gegen seine Person abzuhalten. "Markus, lass es! Markus, warum sagst du jetzt wieder das?", habe er dem bayerischen Ministerpräsidenten gesagt. Der habe sich herausgeredet und behauptet, stets falsch zitiert worden zu sein, wenn er sich über Laschet geäußert habe. Hilfreich seien Söders Äußerungen im Wahlkampf jedenfalls nicht gewesen.

Warum der CSU-Mann dennoch stets verbal auf ihn eingedroschen habe, wollte Maischberger wissen. "Ich weiß es nicht", sagte Laschet. "Weil es auch der CSU nichts nutzt. Die CSU wäre auch stärker, wenn wir in Berlin gemeinsam regieren würden." Das dürfte mittlerweile auch ein Markus Söder verstanden haben.

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