Martin trotz Sturzpech heiß auf die Klassiker

Bei der Flandern-Rundfahrt ist Tony Martin ambitionierter Außenseiter. Foto: Filipe Amorim

Schwere Hautabschürfungen, ein Cut am Auge wie beim Boxen und leichte Knieverletzungen: Dreimal landete Tony Martin bei belgischen Klassikern in dieser Saison schmerzhaft parterre. Trotzdem ist der viermalige Zeitfahr-Weltmeister für seine «ersten beiden Saisonhöhepunkte» gerüstet.

Am Sonntag will er zusammen mit seinem Teamkollegen Alexander Kristoff bei der Flandern-Rundfahrt aus einer Außenseiter-Position angreifen. Eine Woche später bei der Kopfsteinpflaster-Tortur Paris-Roubaix zählt sich der 31 Jahre alte Radprofi zum engeren Favoritenkreis. «Das liegt mir», sagt Martin und erinnert indirekt an seine Triumphfahrt bei der Tour de France 2015 ins Gelbe Trikot auf ähnlichem Untergrund in Cambrai unweit von Roubaix.

An diesem Sonntag heißen die Topfavoriten - natürlich - Doppel-Weltmeister Peter Sagan (Slowakei) und Olympiasieger Greg van Avermaet (Belgien). Martin und der Norweger Kristoff, der bei der Generalprobe in Panne einen starken Eindruck hinterließ, hoffen beim flämischen Radsport-Volksfest vor Millionen Zuschauern auf den Kwiatkowski-Effekt.

Der polnische Ex-Weltmeister Michal Kwiatkowski stahl dem Topfavoriten Sagan beim Klassiker-Auftakt Mailand-Sanremo auf den letzten Zentimetern die Show und siegte vor dem Kapitän des deutschen Bora-hansgrohe-Teams. «Es vereinfacht unsere Strategie, dass wir nicht zum Favoritenkreis zählen», ergänzt Martin, der in dieser Saison («die lief bisher so lala») erst einen mageren Etappensieg bei der Valencia-Rundfahrt verbuchen konnte.

Ab 10. April beginnt für Martin, der in das Alpecin-Katusha-Team gewechselt war, dann eine neue Zeitrechnung. «Dann liegt mein Fokus nur noch auf dem Zeitfahren und dem 1. Juli, wenn in Düsseldorf die Tour de France mit einem 10,5 Kilometer langen Kampf gegen die Uhr beginnt», erklärt Martin der Deutschen Presse-Agentur. Ein Auftakt im Gelben Trikot - davon träumt Martin schon jetzt.

Auch für Martins Landsmann John Degenkolb beginnt am Sonntag im malerischen Brügge eine entscheidende Woche im Jahr 2017. Nachdem er in Sanremo, wo er vor zwei Jahren triumphiert hatte, als Siebter am Sieg ziemlich deutlich vorbeifuhr, steht er in seinem neuen Trek-Segafredo-Team unter Druck. «Ich möchte John nicht kritisieren», sagte sein Teamchef Dirk Demol, «aber in gewissen Situationen, wie zuletzt am Kemmelberg, da darf er nicht warten.» Der Belgier, der 1988 exakt 27 Jahre vor Degenkolb Sieger in Roubaix war, empfahl seinem Kapitän: «Nicht denken, einfach fahren.»

Ein Sieg bei der Flandern-Rundfahrt täte dabei gut. «Die zu gewinnen ist noch ein großer Traum von mir. Dann hätte ich drei Monumente», sagt Degenkolb vor dem Rennen über 260 Kilometern durch Flandern mit 18 giftigen Anstiegen.

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