Paris und Straßburg verschwinden hinter Masken

Alexandre HIELARD und Stephanie LOB
·Lesedauer: 3 Min.
Menschen mit Schutzmasken vor Sacré-Coeur

Wegen deutlich gestiegener Corona-Infektionszahlen weitet Frankreich die Maskenpflicht im Freien aus: In Paris und den drei umliegenden Verwaltungsbezirken gilt sie seit Freitag für Fußgänger im ganzen Stadtgebiet. Auch in Straßburg und zwölf weiteren Gemeinden im Grenzgebiet zu Baden-Württemberg muss ab Samstag ein Mund-Nasen-Schutz auf der Straße getragen werden.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach von "einer vernünftigen Einschränkung" im Kampf gegen die Pandemie. Auch er selbst finde das Tragen des Mund-Nasen-Schutzes "lästig und mühsam", bekannte Macron. Es müsse aber sein, um neue Ausgangsbeschränkungen abzuwenden. Bei Verstößen droht in Frankreich ein Bußgeld von 135 Euro. 

Während manche Pariser die Verpflichtung als "Angriff auf die Freiheit" bezeichnen, nannten andere sie "unvermeidlich". "Besser eine Maske tragen, als im Krankenhaus mit einem Beatmungsgerät aufwachen", sagte die 40-jährige Maya Wolinska. Auch Paris-Tourist Thomas Weitermann aus Schweden äußerte Verständnis: "Hier sind sehr viele Leute unterwegs. In Stockholm, wo ich arbeite, ist die Maske nicht Pflicht, weil man besser Abstand halten kann."

Radfahrer und Jogger sind in Paris vorerst von der Maskenpflicht ausgenommen, wie die Polizeipräfektur nun mitteilte. Dagegen gilt sie für Motorradfahrer oder Nutzer von Elektro-Tretrollern. Die Stadtverwaltung will die Pariser damit ermuntern, aufs Rad umzusteigen und so die chronisch verstopften Straßen zu entlasten. 

Die Regierung reagiert mit der Verschärfung auf den massiven Anstieg der Corona-Neuinfektionen: Zuletzt wurden in Frankreich mehr als 6000 bestätigte Fälle innerhalb von 24 Stunden verzeichnet. 

Diese Zahl wurde nach Angaben des Senders Franceinfo nur Ende März übertroffen, als fast 7600 Menschen positiv getestet wurden. Frankreich hat die Tests seitdem massiv ausgeweitet, damit werden auch mehr Fälle bekannt. Dennoch spricht die Gesundheitsbehörde Santé Publique von einem "exponentiellen Anstieg" der Infektionen, gerade bei jungen Menschen bis 29 Jahre. Während im Sommer die meisten positiv Getesteten keine Symptome aufwiesen, habe sich dieser Trend zuletzt umgekehrt, betonte die Behörde.

Auch im Grenzgebiet zu Deutschland steigen die Corona-Zahlen. Allerdings haben sie dort noch nicht die kritische Marke von 50 Neuansteckungen je 100.000 Einwohner erreicht. Im Grenzgebiet sowie im Pariser Großraum hatte die Corona-Krise die Krankenhäuser im Frühjahr massiv belastet.

In anderen französischen Großstädten wie Nizza, Marseille und Toulouse gilt die Maskenpflicht bereits im Freien, in Bordeaux ab Montag. In Paris war der Mund-Nasen-Schutz bisher nur in touristischen und anderen besonders belebten Gebieten wie rund um den Eiffelturm und am Triumphbogen Pflicht.

Inzwischen gelten 21 der rund 100 französischen Verwaltungsbezirke als "rote Zonen", wo das Virus aktiv zirkuliert. Dazu gehören neben dem Pariser Großraum unter anderem weite Teile der Mittelmeerküste. Deutschland hat eine Reisewarnung für die Pariser Region sowie die Côte Azur und die Provence ausgesprochen.

Die französische Regierung will kommenden Donnerstag ein Konjunkturpaket in Höhe von 100 Milliarden Euro vorstellen, um den massiven Wirtschaftseinbruch infolge der Pandemie zu bekämpfen. Zwischen April und Juni schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt nach Angaben des Statistikamts Insee um 13,8 Prozent. Das war ein größerer Einbruch als in Deutschland, wo das Minus 9,7 Prozent betrug.

lob/mid