Maskenpflicht: Kann sie aufgehoben werden?

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In zahlreichen Fußgängerzonen wird die seit Monaten herrschende Maskenpflicht aufgehoben. Wann gilt das auch in Innenräumen?

Portrait of young African-American woman wearing disposable medical face mask
Soll die Maskenpflicht weiterbestehen? Entscheidend ist derzeit, ob draußen oder drinnen. (Symbolbild: Getty images)

Die Infektionszahlen fallen – auch die Maske? Viele diskutieren aktuell, neben ohnehin schon beschlossenen und geplanten Lockerungen, über die Maskenpflicht. Ist sie weiterhin sinnvoll, und das trotz steigender Impfrate und zahlreicher Genesener?

Differenzierte Regeln gefordert

Die Maskenpflicht herrscht im öffentlichen Raum, also etwa in Fußgängerzonen, Supermärkten oder Kinos, in Bussen oder Bahnen, seit mittlerweile über einem Jahr. Sie hat dabei geholfen, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen und kann auch weiterhin vor einer Ansteckung mit SARS-CoV-2 schützen.

Aber je mehr Menschen immun gegen das Virus werden, weil sie kürzlich eine Covid-19-Erkrankung durchgemacht haben oder durchgeimpft wurden, desto lauter wird auch die Forderung nach angepassten Regeln. Regeln, die zwischen immunen und schutzlosen Menschen unterscheiden.

USA nicht mit Deutschland vergleichbar

In den USA hat die Gesundheitsbehörde deshalb die Maskenpflicht in Innenräumen aufgehoben – aber nur für vollständig Geimpfte. Denn es ist sehr unwahrscheinlich, der Bayerische Rundfunk (BR) schreibt von 0,01 Prozent, dass sie sich in naher Zukunft erneut mit dem Coronavirus anstecken. Selbst dann geben sie das Virus nicht mehr so leicht weiter. Das zeigen etwa Studien aus Israel.

Je länger die Impfung oder Erkrankung jedoch zurückliegt, desto eher kann man sich erneut anstecken. Dazu kommt: Viren mutieren. Das ist normal und passiert jederzeit und überall. Nur die wenigsten Mutanten können sich jedoch vermehren und wiederum nur ein Bruchteil davon hat durch die Mutation einen Vorteil gegenüber etablierten Virusstämmen. Dann aber kann es passieren, dass die Mutante ansteckender, krankmachender oder sogar weniger anfällig für die Impfstoffe ist.

Weiterhin AHA-Regeln beachten

Die Situation in den USA lässt sich zudem nicht auf Deutschland übertragen, weil der Impffortschritt dort weiter ist: 40 Prozent sind in den USA vollständig geimpft, 15 Prozent hierzulande. Das ist in beiden Ländern noch weit entfernt von der Herdenimmunität, weshalb ein großer Teil der Bevölkerung weiterhin schutzlos gegenüber dem Virus ist.

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Deshalb sagt der Virologe von der TU München, Chistoph Spinner, im BR-Interview: „Solange nicht deutlich über der Herdenimmunität geimpft wurde, macht es natürlich Sinn, die Maske oder überhaupt die AHA-Regeln, Abstand, Hygiene, Alltagsmaske, weiterhin zu nutzen, um dafür zu sorgen, dass das Virus sich nicht explosionsartig weiter vermehren kann.“

Meist reicht eine chirurgische Maske

Doch welche Maske muss es sein – die FFP2-Maske oder eine chirurgische Gesichtsmaske? Das beantwortet eine aktuelle Studie im Journal Science, an der federführend Forscher*innen des Max-Planck-Instituts für Chemie beteiligt sind. In einer zugehörigen Pressemitteilung heißt es:

„Normalerweise enthält nur ein geringer Anteil der von Menschen ausgeatmeten Tröpfchen und Aerosolpartikel Viren. Meist ist die Virenkonzentration in der Luft so gering, dass selbst einfache chirurgische Masken die Verbreitung von Covid-19 sehr wirksam eindämmen.“ In virenreichen Innenräumen mit hoher Infektionswahrscheinlichkeit, etwa Krankenhäusern, seien jedoch FFP2-Masken mit höherer Wirksamkeit erforderlich, um Übertragungen durch die Luft zu verhindern.

Generell gilt, Masketragen allein reicht nicht – das schreibt die Gesellschaft für Aerosolforschung (Gaef) in einem offenen Brief: „Das Zusammenspiel der verschiedensten Maßnahmen ist nach derzeitigem Wissensstand der beste Weg zur Minimierung des Infektionsrisikos.“ Das sind Abstand halten, Maske tragen, regelmäßig lüften und Luftreiniger. Weitgehend nutzlos in Innenräumen seien, für sich allein genommen, Gesichtsvisiere und Plexiglasscheiben.

Draußen und mit Abstand: keine Maskenpflicht

Im Freien sieht es mit der Maskenpflicht anders aus: „Dort finden so gut wie keine Infektionen durch Aerosolpartikel statt. Allerdings können Tröpfcheninfektionen stattfinden, wenn Mindestabstände nicht eigehalten werden“, schreibt die Gaef. Und dagegen helfen Masken besonders gut.

Es ist deshalb, so fasst es der BR zusammen, weiterhin sinnvoll, Masken zu tragen. Vor allem, um die zu schützen, die nicht geimpft sind oder sich nicht impfen lassen können. Erst bei einer Herdenimmunität von rund 80 Prozent – so viele müssten es aufgrund der aktuell vorherrschenden und ansteckenderen Coronavirus-Mutante sein – wäre der Effekt von Masken nicht mehr ausschlaggebend.

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