USA verlangen Freilassung Mursis

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USA: Mursi soll freigelassen werden

Die USA wollen eine Freilassung des gestürzten ägyptischen Präsidenten Mursi erreichen. Am Freitag und am Samstag waren erneut tausende Anhänger des Islamisten auf die Straße gegangen, die Lage bleib aber friedlich. (Archivbild)

Die USA haben die ägyptischen Streitkräfte erstmals zur Freilassung des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi aufgerufen. US-Außenamtssprecherin Jennifer Psaki sagte, sie schließe sich "öffentlich" einer ähnlichen Forderung Deutschlands an. Washington hatte bisher zwar willkürliche Festnahmen von Mitgliedern der Muslimbruderschaft verurteilt, nicht aber explizit Mursis Freilassung gefordert, der seit seinem Sturz am 3. Juli an einem unbekannten Ort festgehalten wird.

"Wir haben von Anfang an unsere Sorge über diese Festnahmen, diese politisch motivierten willkürlichen Festnahmen von Mitgliedern der Muslimbruderschaft geäußert", sagte Psaki. Alle aus politischen Gründen Festgenommenen sollten freigelassen werden. Ähnlich hatte sich zuvor bereits ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin geäußert.

Allerdings legte sich Psaki weiterhin nicht fest, ob der Sturz des demokratisch gewählten Präsidenten als Putsch zu werten sei. Eine solche Wertung hätte Auswirkungen auf die US-Militärhilfen für Ägypten. In einem Telefongespräch mit Saudi-Arabiens König Abdullah mahnte US-Präsident Barack Obama zudem die rasche Rückkehr des Landes zu einer demokratisch gewählten zivilen Regierung an. Nach Angaben des Weißen Hauses äußerte sich Obama besorgt über die Gewalt in Ägypten, wo seit Mursis Absetzung fast einhundert Menschen bei Zusammenstößen getötet wurden.

Am Freitag und in der Nacht zum Samstag gingen erneut zehntausende Anhänger des gestürzten Präsidenten in Kairo auf die Straße, auch hunderte seiner Gegner trafen sich zu Feiern auf dem zentralen Tahrir-Platz. Im Gegensatz zu den Tagen davor blieb es diesmal weitgehend ruhig. Ein Sprecher der Muslimbrüder kündigte für Montag weitere Massenproteste an. Sie würden solange fortgesetzt, bis Mursi wieder im Amt sei.

Die Verhandlungen über eine neue Übergangsregierung dauerten derweil an, der amtierende Ministerpräsident Hasem Beblawi setzte seine Gespräche mit möglichen Kabinettsmitgliedern fort. Die neue Regierung stehe zu 90 Prozent, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Mena. Demnach sollte Ägyptens starker Mann, Armeechef Fattah al-Sisi, sein Amt als Verteidigungsminister behalten. Mitte der Woche will Beblawi seine neue Regierungsmannschaft vorstellen.