Mindestens fünf Tote bei massiven russischen Angriffen auf die Ukraine

Bei massiven russischen Luftangriffen sind in der Ukraine in der Nacht zu Freitag mindestens fünf Menschen getötet worden. In den Regionen Saporischschja im Süden und Chmelnyzkyj im Westen des Landes wurden nach Angaben der Behörden zudem etwa 30 weitere Menschen verletzt. (Handout)
Bei massiven russischen Luftangriffen sind in der Ukraine in der Nacht zu Freitag mindestens fünf Menschen getötet worden. In den Regionen Saporischschja im Süden und Chmelnyzkyj im Westen des Landes wurden nach Angaben der Behörden zudem etwa 30 weitere Menschen verletzt. (Handout)

Bei massiven russischen Luftangriffen sind in der Ukraine in der Nacht zu Freitag mindestens fünf Menschen getötet worden. In den Regionen Saporischschja im Süden und Chmelnyzkyj im Westen des Landes wurden nach Angaben der Behörden zudem etwa 30 weitere Menschen verletzt. Derweil wertete Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) die Entscheidungen des EU-Gipfels in Brüssel hinsichtlich weiterer Ukraine-Hilfen als "massive Ausweitung der Unterstützung aus der Europäischen Union".

Im Visier der Angriffe vom Freitag hätten vor allem ukrainische Energieanlagen gestanden, darunter "Kraftwerke, Hochspannungsleitungen, ein Wasserkraftwerk, Wohnhäuser", sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj. Die russischen Streitkräfte hätten fast 90 Raketen verschiedener Bauart und mehr als 60 Kampfdrohnen auf das Nachbarland abgefeuert, sagte er. Allein in der Stadt Saporischschja wurden laut jüngsten Angaben des staatlichen Notdienstes drei Menschen getötet und 25 weitere verletzt.

Der staatliche Energieversorger Ukrenergo sprach von dem bislang "größten bekannten" Angriff auf das Energienetz der Ukraine. Demnach fiel der Strom in mindestens sieben ukrainischen Regionen aus. Zudem seien "dutzende" weitere Anlagen beschädigt worden. Nach Angaben von UN-Beobachtern waren insgesamt 1,5 Millionen Menschen von Stromausfällen betroffen.

Durch die Angriffe wurde vorübergehend auch eine von zwei Hochspannungsleitungen durchtrennt, die das Atomkraftwerk Saporischschja im Südosten der Ukraine mit Strom versorgen.

Das Atomkraftwerk in Saporischschja ist das größte Europas. Es war kurz nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine von russischen Truppen besetzt worden, wird aber von ukrainischen Leitungen mit Strom versorgt. Seit Kriegsbeginn gab es zahlreiche Stromausfälle in dem Akw, bei denen auf Notgeneratoren und Sicherheitssysteme zurückgegriffen wurde.

Nach Angaben der ukrainischen Staatsanwaltschaft wurden 136 Energieanlagen ins Visier genommen, darunter das größte Wasserkraftwerk des Landes, das seinen Betrieb einstellen musste. Das Wasserkraftwerk am Dnipro sei von acht Raketen getroffen worden, die "sehr schwere Schäden" verursacht hätten, hieß es. Ein Dammbruch drohe aber nicht, für die Bevölkerung bestehe keine unmittelbare Gefahr.

Durch die Angriffe fielen zudem in der nordöstlichen Großstadt Charkiw Strom und Heizung komplett aus, wie der Bürgermeister mitteilte. Ihm zufolge handelte es sich um den "massivsten" Angriff auf die Stadt seit Beginn des Kriegs vor zwei Jahren.

Das Verteidigungsministerium in Moskau bezeichnete die Angriffe vom Freitag als "Vergeltung" für die jüngsten ukrainischen Angriffe. Sie hätten "Energieanlagen, Anlagen der Rüstungsindustrie, Eisenbahnknotenpunkten und Waffenlagern" gegolten. "Alle Ziele des massiven Angriffs wurden erreicht", erklärte das Ministerium.

Derweil räumte Russland erstmals seit Beginn seiner Invasion im Nachbarland ein, dass es sich "im Kriegszustand" befindet. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte in einem am Freitag veröffentlichten Interview mit der Wochenzeitung "Argumenty i Fakty": "Ja, das hat als militärische Spezialoperation begonnen, aber seit (...) der gesamte Westen auf Seiten der Ukraine beteiligt ist, ist es für uns ein Krieg geworden." Moskau wirft dem Westen immer wieder eine direkte Kriegsbeteiligung vor, weil er die Ukraine mit Waffen beliefert.

Das Weiße Haus rief die oppositionellen Republikaner auf, dem Hilfspaket im US-Kongress endlich zuzustimmen. Die Republikaner müssten ihre "unentschuldbare" Blockade der Militärhilfen für Kiew beenden, forderte die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates der USA, Adrienne Watson.

Unterdessen bekräftigte Bundeskanzler Scholz nach dem EU-Gipfel in Brüssel, dass "wir nicht Waffen nur bei uns in Europa beschaffen können, sondern wir den Blick weiten müssen". In diesem Zusammenhang wertete Scholz die Entscheidungen des Gipfels, unter anderem zur Nutzung von Zinsgewinnen auf eingefrorenes russisches Vermögen für die Ukraine, als "massive Ausweitung der Unterstützung aus der Europäischen Union". Hinsichtlich weiterer Ukraine-Militärhilfen sagte Scholz: "Da geht noch was mit der bilateralen Hilfe."

Der ukrainische Präsident Selenskyj ersuchte den Westen indes erneut um mehr Waffen und kritisierte, Ukrainer müssten die politische "Unentschlossenheit" mit ihrem Leben bezahlen. "Russische Raketen haben keine Verspätung wie Hilfspakete für unser Land. Die Schahed(-Drohnen) sind nicht unschlüssig wie manche Politiker", erklärte Selenskyj.

Die ukrainische Luftwaffe fing in der Nacht eigenen Angaben zufolge 37 von 88 Raketen und 55 von 63 Drohnen ab. Russland versuche "wie im vergangenen Jahr ein umfassendes Versagen des Energiesystems" der Ukraine zu verursachen, erklärte der ukrainische Energieminister Herman Haluschtschenko.

Im vergangenen Winter hatte Russland täglich Luftangriffe auf das ukrainische Energienetz geflogen. Millionen Menschen waren bei Temperaturen unter Null Grad Celsius immer wieder stundenlang ohne Strom und Heizung gewesen. In diesem Winter hielt das Energienetz des Landes weitgehend stand.

kas/lan