Mathe? Kinderleicht!

Es wurde viel geredet und wenig gesagt: Ob Smartphones und Tablets nun das Denkvermögen des Menschen beeinträchtigen, konnte Frank Plasberg mit seiner "hart aber fair"-Runde zum Thema "Handy an, Hirn aus - wie doof machen uns Apple und Co.?" nun doch nicht klären. Wäre die Diskussion vielleicht zielführender gewesen, wenn man sie mit umgekehrten Vorzeichen geführt hätte - etwa unter dem Motto "Wie schlau könnten wir dadurch werden"? Dass es gerade für Kinder mittlerweile sehr gute Lern-Apps gibt, kommt vor lauter Furcht vor dem schädlichen Einfluss von Chatsprache und Co. in medienwirksamen Diskussionen oft zu kurz. Mit diesen Apps wird das Smartphone für kleine Entdecker zum Kompass auf ihrer Wissensreise.

Dabei lassen sich unter Umständen sogar ein paar alte Bekannte treffen - allen voran Kinderbuchheldin Conni. Um das kleine blonde Mädchen mit dem rot-weiß-geringelten Pullover herum entwickelte der Carlsen-Verlag schon eine Handvoll liebevoll gestalteter Apps, die sich vor allem an Kinder im Vor- und Grundschulalter richten: In fröhlichem Plauderton erklärt Conni etwa in "Conni ABC", dass ein C in Cent wie ein S klingt, in Computer aber wie ein K. Die antippbaren Illustrationen haben dabei nicht nur dekorative Funktion, sondern werden in anschließenden Übungen aktiv eingebunden. "Conni ABC" ist momentan die einzige App im Conni-Kanon, die auch für Android-Geräte angeboten wird: Programme wie "Conni Zahlen", "Conni Rechnen" oder "Conni Lesen" (je 1,79 Euro) sind bisher nur im iTunes-Store erschienen.

In dieser Hinsicht bilden die Conni-Apps leider keine Ausnahme: Die Programmierer von kindgerechten, deutschsprachigen Lernapps scheinen generell lieber mit Apples iOS als mit Googles Android zu arbeiten. Die Suche nach einer Englisch-App fördert bei Google Play beispielsweise lauter Programme zu Tage, die sich entweder an Erwachsene oder englischsprachige Kinder richten. Zudem verlangen viele dieser Apps bei der Installation mehr Berechtigungen, als ihnen zustünden - warum etwa sollte eine Sprach-App den genauen Standort oder den Netzwerkstatus des Anwenders kennen müssen? iPhone-Besitzer können ihren Nachwuchs indes mit den Figuren aus den Janosch-Büchern spielerisch die englische Aussprache von Buchstaben und erste Wörter in der neuen Sprache lernen lassen ("JanoschABC - Englisch lernen", 1,79 Euro).

Auch im Bereich Naturwissenschaften haben Android-Nutzer derzeit die schlechteren Karten - mit "Experia Kids" und "Das ist mein Körper" für je 1,79 Euro werden ihnen gleich zwei hervorragende Lernapps vorenthalten: Die erste umfasst "Chemie & Physik Experimente für Kinder", die nach Schwierigkeitsgrad (leicht, mittel, schwer, mit Eltern) oder Kategorie (Feuer, Wasser, Luft, Farben, Sonstiges) geordnet sind. "Was passiert und warum" wird dabei genauso kindgerecht erläutert wie der Ablauf des jeweiligen Experiments. Dass sich ein rohes Ei noch weiterdreht, obwohl man es bereits mit dem Finger gestoppt hat, hängt beispielsweise damit zusammen, dass Dotter und Eiweiß im Inneren des Eis noch weiter rotieren - "Flüssigkeiten brauchen länger, um zum Stillstand zu kommen, nachdem sie in Bewegung gesetzt wurden."

Die App "Das ist mein Körper" macht neugierige User hingegen mit ihrem eigenen Innenleben vertraut: Am Beispiel eines Comic-Mädchens namens Sophie wird der menschliche Körper nach und nach durchleuchtet. Ein bisschen befremdlich ist es zwar schon, Sophie nach ein paar der interaktiven Lektionen nur noch als Ansammlung verschiedenster Muskeln oder als Skelett zu sehen, doch behutsamer lässt sich Anatomie einem Kind wohl kaum vermitteln.

Und selbst Mathematik kann durch eine gute Lernapp zum Vergnügen werden - zum Beispiel, wenn sie die einzige Waffe gegen heranwankende Zombies ist: Über jedem Untoten, der sich in "Maths of the Dead" nähert, prangt eine Rechenaufgabe - wird sie richtig gelöst, verschwindet die nur mäßig gruselige Trickfigur. Leider neigt die App für Android (0,79 Euro) und iOS (0,89 Euro) dazu, abzustürzen, bevor die Aufgaben knifflig werden. Apple-Usern sei deswegen empfohlen, sich gegen eine Gebühr von 89 Cent stattdessen um den Titel "König der Mathematik" zu bewerben. Im gleichnamigen Lernprogramm muss der Spieler mittels Rechnerei seinen Rang in einer mittelalterlichen Gesellschaft verbessern: Vom Bauer zum Schmied, vom Schmied zum Händler, bis irgendwann, nach zahl- und variantenreichen Additionen und Subtraktionen, die Krone winkt. Dass das mehr motivieren dürfte als die Angst vor einem schlechten Zeugnis, werden wohl selbst die glühendsten Verfechter der Smartphones-machen-dumm-Theorie einräumen müssen ...

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