May verteidigt Strategie für Brexit-Verhandlungen gegen Kritik der EU-Führung

Die britische Regierungschefin Theresa May

Nach Kritik aus Brüssel hat die britische Premierministerin Theresa May ihre Strategie für die anstehenden Brexit-Verhandlungen verteidigt. "Ich lebe nicht in einer anderen Galaxie", sagte May am Sonntag im BBC-Fernsehen. Den Vorwurf, sie stelle unrealistische Forderungen, wies sie zurück.

Laut einem Bericht der "Sunday Times" hatte May in einem Gespräch mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und EU-Verhandlungsführer Michel Barnier Mitte der Woche darauf beharrt, dass erst ein Handelsabkommen mit der Europäischen Union ausgehandelt werden müsse, bevor Großbritannien seine finanziellen Verpflichtungen gegenüber der EU erfülle. Die Höhe der geforderten Summe wird in Brüssel auf bis zu 60 Milliarden Euro geschätzt.

May bekräftigte, dass sie keinen Vertrag unterzeichnen werde, der den Interessen ihres Landes schade. "Kein Abkommen ist besser als ein schlechtes Abkommen", sagte sie der BBC.

Laut der "Sunday Times" hatte Juncker gegenüber Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beklagt, dass May "in einer anderen Galaxie" lebe und ein Scheitern der Verhandlungen derzeit wahrscheinlicher sei als ein erfolgreiches Brexit-Abkommen. Laut einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" warf Juncker May mangelnde Kompromissberichtschaft vor. "Ich verlasse Downing Street zehnmal skeptischer, als ich vorher war", sagte der EU-Kommissionspräsident demnach zum Abschluss eines Treffens mit May am Mittwoch in ihrem Regierungssitz in London.

Die EU-Staats- und Regierungschefs hatten bei ihrem Brexit-Sondergipfel ohne Großbritannien am Samstag einstimmig die Leitlinien für die anstehenden Austrittsverhandlungen beschlossen. Gespräche über die künftigen Beziehungen mit London will die EU demnach erst dann führen, wenn wichtige Austrittsfragen wie die milliardenschweren Finanzforderungen an die Briten und das Schicksal der EU-Bürger im Vereinigten Königreich weitgehend geklärt sind.

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