Bei "Maybrit Illner": Jan Josef Liefers beklagt "rabiates Pressing" auf Ungeimpfte

·Lesedauer: 5 Min.

Eben noch auf Besuch in einer Covid-Intensivstation, bezog der "Tatort"-Star Jan Josef Liefers nun bei "Maybrit Illner" Stellung. Druck auf Ungeimpfte hält der Schauspieler für ganz falsch - von Karl Lauterbach gab es erwartbaren Widerspruch. Der SPD-Politiker sieht den deutschen "Freedom Day" noch nicht gekommen.

Der Schauspieler Jan Josef Liefers fordert mehr Geld für Pflegekräfte - und mehr Toleranz für Impfskeptiker. (Bild: ZDF)
Der Schauspieler Jan Josef Liefers fordert mehr Geld für Pflegekräfte - und mehr Toleranz für Impfskeptiker. (Bild: ZDF)

Die Drähte zwischen der "Maybrit Illner"-Redaktion und Jan Josef Liefers waren offenbar noch warm. Im April hatte der "Tatort"-Schauspieler in der ZDF-Talkshow zu den Volten um die von ihm mitverantwortete "#allesdichtmachen"-Aktion Stellung bezogen. Inzwischen hat Liefers, wie medial bekanntgemacht, die Einladung angenommen, eine Covid-Intensivstation von innen zu beobachten. Wieder führte ihn der Weg anschließend zu Maybrit Illner.

Welche Lehren er aus seiner Hospitanz gezogen habe, wollte die Moderatorin vom Star-Gast wissen. Dass Menschen bei schwerem Krankheitsverlauf sterben können, sei ihm schon vorher bewusst gewesen, beteuerte Liefers und leitete über zu einem sehr unverfänglichen Anliegen: dem Lob der Pflegekräfte.

Karl Lauterbauch blieb bei
Karl Lauterbauch blieb bei "Maybrit Illner" seinem zur Vorsicht mahnenden Kurs treu. Die Impquote sei in Deutschland bei den älteren Menschen immer noch nicht hoch genug. (Bild: ZDF)

Jan Josef Liefers fordert mehr Geld für Pflegekräfte

Das Pflegepersonal "auf so einer Station" verdiene "eine Aufwertung", und zwar "nicht nur mit Applaus, sondern auch mit Geld". Dass dieses Pflegepersonal auch dann auf dem Zahnfleisch geht, wenn ein ihrer Leistung angemesseneres Salär überwiesen würde, unterschlug der Professor-Boerne-Darsteller geflissentlich. Die Medizinerin Ute Teichert holte es an späterer Stelle der Talksendung nach: "Da sind Menschen, die arbeiten seit anderthalb Jahren am Anschlag, die sind ausgelaugt. Es wird Medikamente geben, weitere Impfstoffe - es wird besser. Man muss nur die Zeit bis dahin überbrücken."

Damit war dann auch der Dissens beschrieben, der sich links und rechts der Moderatorin brach - gleichsam in Stellvertretung einer hier noch immer der Vorsicht zuneigenden, dort der Ungeduld nachgebenden Gesellschaft. Liefers gehört bekanntlich seit Längerem dem letzteren Lager an: "Irgendne Art von Aussicht und Exit-Strategie brauchen wir. Man hängt uns immer ne Wurst vor die Nase und dann ..."

Lesen Sie auch: Die aktuellen Corona-Zahlen in Deutschland

Ja, dann kommt meistens Karl Lauterbach daher, der auch in dieser Corona-Talkrunde nicht fehlte. Dass er Jan Josef Liefers über die Twitter-Öffentlichkeit zuletzt hart angegangen war ("nichts dazugelernt"), tat ihm von Angesicht zu Angesicht ein bisschen Leid. Jedoch blieb der SPD-Gesundheitsexperte gewohnt standhaft in der Sache. Obwohl das RKI unlängst die Impfstatistik nach oben korrigieren durfte, sei man in Deutschland "noch immer nicht da, wo wir sagen können: Wir nehmen die Masken runter". Die Dänen, die ihren "Freedom Day" schon feiern durften, hätten eine signifikant höhere Impfquote bei den über 65-Jährigen. Das mache einen Unterschied ums Ganze, denn auf diese Altersgruppe komme es an.

Der Virologe Klaus Stöhr mahnte etwas anderes an:
Der Virologe Klaus Stöhr mahnte etwas anderes an: "Irgendwann müssen wir zur Normalität zurück." (Bild: ZDF)

Klaus Stöhr: "Irgendwann müssen wir zur Normalität zurück"

Einspruch Klaus Stöhr. Der Virologe und Epidemiologe, der in letzten Monaten ausgiebig von der "Bild"-Zeitung befragt wurde, aber für seinen Geschmack deutlich zu wenig von der Bundesregierung, rechnete vor: "Zehn Prozent der jetzt noch nicht geimpften, sind Impfverweigerer, die können wir nicht impfen - wie weit wollen wir es noch treiben?" Immerhin: Die für Ungeimpfte ungemütlichen 2G- und 3G-Regelungen seien in der jetzigen Übergangsphase womöglich legitim, räumte er ein. "Aber irgendwann müssen wir zur Normalität zurück. Den Punkt sehe ich bei Ihnen nicht", traf er einen durchaus wunden Punkt beim Kollegen Lauterbach.

Womit eine Kernfrage mit angesprochen war, die nicht nur für Eltern zum Verrücktwerden vakant bleibt in dieser Pandemie: Wie gefährlich ist das Virus nun genau für Kinder? Der eine (Stöhr) nennt eine Studie aus Großbritannien, aus der er schließt: Dass man Kinder unter zwölf Jahren impfen müsse, um die Pandemie zu beenden, würden die Daten nicht hergeben. "Da wird ein Narrativ gefüttert, dass den Daten nicht entspricht." Der andere (Lauterbach) nennt eine Studie aus Israel, die ihm bestätigt: "International wird Long Covid bei Kindern beschrieben. So selten ist es nicht. Covid ist keine normale Atemwegserkrankung, es ist eine Gefäßerkrankung. Die Kinder sollen in die Schulen, aber wir können sie nicht durchseuchen."

Karl Lauterbach hält Impfpflicht für "politisch nicht durchsetzbar"

Bleibt die Frage nach einer Impfpflicht - respektive jener, die vermeintlich "durch die Hintertür kommt". Lauterbach hält eine echte Impfpflicht für "politisch nicht durchsetzbar", man wolle radikalen Kräften, die jetzt schon den harten Verweigerer-Kern politisch mobilisieren, nicht auch noch zuarbeiten. Liefers fände eine solche klare Regelung, wenn man es richtig verstand, immerhin ehrlicher: "Wir können nicht zulassen, dass von hinten durch die kalte Küche derart rabiates Pressing auf die Leute ausgeübt wird, die es nicht wollen."

Überhaupt müsse die Politik in die Gesellschaft zurückfragen: "Wie wollen wir eigentlich leben? Welche Art von Risikomanagement wollen wir haben? Jeder Infizierte ist einer zu viel? Wenn man sich auf so einen Standpunkt stellt, wird's ein bisschen verrückt." Gruppen zu stigmatisieren, die "aus welchen Gründen auch immer" eine Impfung ablehnen, hält der Schauspieler zudem für gefährlich.

Was ein völlig anderer Ansatz wäre, als ihn der französische Präsident Macron derzeit verfolgt. Im Nachbarland wird auf Ungeimpfte ein ungleich höherer Druck ausgeübt - ein an vielen Stellen verpflichtender Test kostet da etwa schlanke 44 Euro. Die anfänglichen Proteste dagegen hätten zuletzt jedoch spürbar abgenommen, berichtete der bei "Maybrit Illner" zugeschaltete Paris-Korrespondent Thomas Walde. Seine Wahrnehmung: "Die Wirtschaft wächst wieder, die Arbeitslosigkeit sinkt, es geht zum alten Zustand zurück."

Im Video: Corona-Schnelltests wieder kostenpflichtig: So sieht es bei den Testanbietern aus

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.