Maybrit Illner über CDU-Vorsitz: "Können Sie Kanzler, Frau Kramp-Karrenbauer?"

Maria Timtschenko
Freie Journalistin
Annegret Kramp-Karrenbauer beantwortet in einem Gespräch mit Maybrit Illner (rechts) Fragen zum potentiellen Parteivorsitz. Foto: ZDF / Svea Pietschmann

Es läuft schon einige Zeit: das Geschacher um den CDU-Vorsitz. Friedrich Merz, Jens Spahn und Annegret Kramp-Karrenbauer haben ihren Hut in den Ring geworfen. Letztere ist nun eingeladen bei Maybrit Illner. Als Wunschkandidatin von Angela Merkel spricht die Runde ihr aber weniger Chancen zu – und so richtig euphorisch steht sie dem Ganzen selbst nicht gegenüber.

“Neue Bündnisse, alte Fronten – was folgt auf Merkel?” fragte Moderatorin Maybrit Illner am vergangenen Donnerstagabend. Dabei hätte vor allem eine: “Ich, ich, ich” rufen können. Doch eine derart unverblümte und direkte Antwort blieb Annegret Kramp-Karrenbauer schuldig.

Stattdessen antwortete sie auf die Frage von Illner: “Können Sie Kanzlerin?” etwas zurückhaltend: “Ich bewerbe mich als Parteivorsitzende”, aber sie räumt ein: “Wenn man sich um das Amt bewirbt, dann muss man das auf jeden Fall für sich klar haben. Wann auch immer und wer auch immer.” Verschwurbelt heißt das wohl so viel: Wenn ich den Parteivorsitz bekomme, dann würde ich schon auch die Sache mit der Kanzlerschaft machen.

“Die Freien Demokraten fürchten weder Tod noch Teufel” 

Für ihren Vorsitz in der CDU räumt sie sich selbst auch, nicht gerade euphorisch, “nicht so schlechte Chancen” ein. Die anderen Gäste jedoch bremsen sie knallhart aus. Da wäre beispielsweise Wolfgang Kubicki, stellvertretender Vorsitzender in der FDP. Er hat Christian Lindner wieder groß gemacht und so Erfahrungspunkte gesammelt in der Frage: Was braucht ein Parteivorsitzender? Seine Antwort: “Wenn die Union Wohlbefinden haben will, wird sie Frau Kramp-Karrenbauer wählen, wenn sie Wahlen gewinnen will, wird sie Friedrich Merz wählen. Wenn sie nicht gewinnen will, finde ich das auch gut.” Und wen wünscht sich Kubicki selbst? “Die Freien Demokraten fürchten weder Tod noch Teufel”, gibt er amüsiert zur Antwort.

Auch andere Gäste sehen Kramp-Karrenbauer keineswegs als die beste Wahl für die CDU. Politikberater Michael Spreng hatte da ein Beispiel im Kopf, dass ihn an der Fortschrittlichkeit der Union zweifeln lässt. 2015 hatte Kramp-Karrenbauer gesagt, wenn die Ehe für alle geöffnet würde, dann sehe man sich bald neuen Forderungen ausgesetzt, beispielsweise der Ehe zwischen nahen Verwandten oder zwischen mehr als zwei Menschen. Wenn sie die Ehe für alle mit Inzucht und Polygamie gleichsetze, so Spreng, “ist das nicht konservativ, sondern reaktionär”. Und auch Juso-Vorsitzender Kevin Kühnert, der sich im Frühjahr zu seiner Homosexualität geäußert hatte, schimpft: “Da fühle ich mich befremdet, wenn ich sowas 2018 von einer Partei höre, die meint sich zu modernisieren.”

Kramp-Karrenbauer weiß, dass sie damit eine unpopuläre Position in ihrer Partei einnimmt. “Ich habe da eine andere Meinung dazu, selbst wenn sie dem Zeitgeist widerspricht. Und dazu stehe ich auch”, sagt sie. Man möchte doch wirklich einmal erleben, dass ein Politiker während einer Talkshow die angeeignete altbackene Position ablegt und sagt: ‘Ich ändere meine Meinung. Sie haben mich überzeugt.’ Gleichwohl beispielsweise Kramp-Karrenbauers Gegenkandidat Jens Spahn sich ebenfalls zu seiner Homosexualität bekannt hat. Der Blick ein bisschen weiter ins 21. Jahrhundert könnte ihr also ganz gut tun.

“Merz ist der Kandidat der Machtvernunft”

Michael Spreng teilte an diesem Abend ordentlich aus: “Kramp-Karrenbauer ist die Kandidatin der Herzen, aber Merz ist der Kandidat der Machtvernunft”, sagte er. Solange Innenminister Horst Seehofer im Amt bleibe, “wird das nichts mit einem Neustart der Regierung”, befand Spreng. Aber auch andere in der Runde bekamen von ihm sein Fett weg: beispielsweise Kevin Kühnert. Ihn nannte er wegen seiner Abneigung gegen die GroKo den “Sterbehelfer der SPD“. Der Juso-Vorsitzende würde der SPD “Selbstmord aus Angst vor dem Tod” empfehlen.

In dieser Runde ging es hauptsächlich um Annegret Kramp-Karrenbauer, die ebenso bedächtig wie farblos blieb. Die Alternativen für den CDU-Vorsitz, Spahn und Merz, würden jedoch in der Partei für einen Rechtsruck sorgen – und damit der AfD das Wasser abgraben. Vielleicht jedoch auch rechtsgerichtete Ideen salonfähiger machen. Ob das als deutsche Zukunftsvision taugt?