Medien: Angreifer in Tokioter Zug bezeichnet sich als "Joker"-Fan

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Feuerwehr und Sanitäter vor der Kokuryo-Station in Tokio (AFP/STR)

Nach dem Messer- und Brandanschlag an Halloween in einem Zug in Tokio sind weitere Details zu dem mutmaßlichen Täter bekannt geworden. Wie die Nachrichtenagentur Kyodo und die Zeitung "Sankei" am Montag berichteten, bezeichnete sich der 24-Jährige im Polizeiverhör als Einzelgänger und Fan des Bösewichts "Joker" aus den "Batman"-Comics und -Filmen. Nach jüngsten Angaben wurden bei dem Angriff am Sonntag 18 Menschen verletzt, ein 70-Jähriger schwebte in Lebensgefahr.

Der Angreifer war am Halloween-Abend als "Joker" verkleidet plötzlich in einem Abteil der Keio-Linie mit einem Messer auf Passagiere losgegangen und hatte gleichzeitig mit einer brennbaren Flüssigkeit ein Feuer gelegt. Auf Videos war unter anderem zu sehen, wie Passagiere in Panik durch das Abteil rannten, während sich Rauch ausbreitete.

Ein weiteres im Onlinedienst Twitter verbreitetes Video zeigte den mutmaßlichen Angreifer in lilafarbenem Frack und mit knallgrünem Hemd, wie er kurz nach dem Angriff allein auf einer Sitzbank des Zugs sitzt. Nervös und fast trotzig wirkend zieht er an einer Zigarette zieht und wartet auf seine Festnahme. Laut einem Polizeisprecher sagte der 24-Jährige aus, dass er jemanden habe töten wollen, um zum Tode verurteilt zu werden.

Den Berichten von Kyodo und der "Sankei Shimbun" zufolge sagte der Mann weiter aus, er habe sowohl im Job als auch bei Freundschaften "versagt" und sterben wollen. Doch habe er nicht selbst an sich Hand anlegen können. Gleichzeitig gab er an, ein großer Bewunderer des "Joker" zu sein, des Erzfeinds des Superhelden "Batman".

Laut den Berichten sagte der 24-Jährige im Verhör weiter aus, das Kostüm speziell für den Angriff ausgewählt zu haben. Demnach wanderte er vorher durch das belebte Tokioter Viertel Shibuya, in dem viele kostümierte junge Menschen Halloween feierten. Bei seiner Tat will er sich an einem ähnlichen Messerangriff im August auf einen Pendlerzug in Tokio orientiert haben, bei dem neun Menschen verletzt worden waren.

Eine Augenzeugin des Anschlags in Tokio schilderte eindrücklich, wie völlig "gefühllos" der Angreifer vorgegangen sei. Das habe die Angst bei den Passagieren nur noch verstärkt. Regierungssprecher Hirokazu Matsuno sprach von einer "grausamen und brutalen" Tat. Der 24-Jährige muss sich laut Polizei wegen versuchten Mordes verantworten.

"Joker" gilt als einer der berüchtigtsten Psychopathen der Comic-Geschichte. Der gleichnamige Film aus dem Jahr 2019 von Regisseur Todd Phillips schildert seine Entwicklung von einem geistig gestörten Außenseiter, der sich - getrieben auch von der Gesellschaft - nach und nach in diese monströse Figur verwandelt.

Der Film wurde hochgelobt, löste aber gleichzeitig Kritik an der Darstellung des mörderischen Bösewichts als ausgestoßenem Helden aus. Die US-Behörden warnten seinerzeit nach dem Kinostart vor Nachahmungstätern.

ans/dja

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