Ehemaliger russischer Abgeordneter in Kiew erschossen

Ein in die Ukraine geflüchteter russischer Politiker ist am Donnerstag in Kiew erschossen worden. Der kommunistische Ex-Abgeordnete Denis Woronenkow sei vor einem Hotel in der Innenstadt getötet worden, sagte der Polizeichef von Kiew dem Fernsehsender 112 Ukraina

Ein in die Ukraine geflüchteter ehemaliger russischer Abgeordneter ist am Donnerstag in Kiew erschossen worden. Der kommunistische Ex-Parlamentarier und Kreml-Kritiker Denis Woronenkow sei vor einem Hotel in der Innenstadt getötet worden, sagte der Polizeichef von Kiew dem Fernsehsender 112 Ukraina. Präsident Petro Poroschenko machte Russland für Woronenkows Tod verantwortlich, er sprach von russischem "Staatsterrorismus". Der Kreml nannte die Vorwürfe "absurd".

Nach Angaben von Polizeichef Andrej Grischtschenko feuerte ein Unbekannter mehrfach auf Woronenkow, als dieser am Vormittag mit seinem Leibwächter das Hotel verließ. Drei bis vier Schüsse hätten den Ex-Abgeordneten tödlich getroffen. Sein Leibwächter, bei dem es sich um einen ukrainischen Geheimdienstagenten handelte, und der Schütze wurden demnach bei dem Schusswechsel verletzt und in ein Krankenhaus gebracht.

Dort erlag der mutmaßliche Täter Stunden später seinen Verletzungen. Seine Identität war zunächst unklar, nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft trug er einen ukrainischen Pass bei sich. Die Ermittler gingen davon aus, dass es sich um einen Auftragsmörder handelte.

Poroschenkos Sprecher erinnerte auf Facebook daran, dass Woronenko aus "politischen Gründen" Russland habe verlassen müssen. Seine "hinterlistige" Ermordung sei ein "terroristischer Akt von Seiten Russlands".

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow wies die Vorwürfe umgehend zurück. "Die Unterstellungen" einer angeblichen russischen Verbindung zu Woronenkos Tod seien "absurd", zitierten ihn die russischen Nachrichtenagenturen. Der Kreml-Sprecher fügte hinzu, er hoffe, dass die Auftraggeber gefunden werden.

Woronenkow war nach Ende seines Abgeordneten-Mandats im Oktober 2016 gemeinsam mit seiner Frau Maria Maksakowa, einer Opernsängerin und Abgeordneten der Kreml-Partei Einiges Russland, in die Ukraine gekommen. Bekannt wurde er kurz darauf für seine Aussagen bei der ukrainischen Generalstaatsanwaltschaft gegen den ehemaligen ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch, der im Februar 2014 gestürzt wurde und nach Russland geflüchtet war. Im Dezember 2016 erhielt Woronenkow dann die ukrainische Staatsbürgerschaft.

In den vergangenen Monaten wandelte sich Woronenkow zunehmend zu einem scharfen Kritiker der Moskauer Politik. Unter anderem verurteilte er die Annexion der ukrainischen Krim-Halbinsel im März 2014 durch Russland - obwohl er als Duma-Abgeordneter noch dafür gestimmt hatte. In einem Gespräch mit der ukrainischen Nachrichtenagentur Censor.net verglich er zudem das heutige Russland mit "Nazi-Deutschland".

Woronenkows Worten sorgten in seinem Heimatland für Empörung. In dem im Februar geführten Interview sprach er auch von Drohungen der russischen Sicherheitsdienste gegen ihn. "Russland ist ein Staat, der die Leute ausschaltet. Was soll man machen, ständig in Angst leben", sagte er damals.

Russische Ermittler fahndeten nach dem früheren kommunistischen Abgeordneten wegen "Betrugs". Bekannt wurden die Vorwürfe, bei denen es um Vorfälle aus dem Jahr 2010 ging, erst im Februar nach Woronenkows Interview; dieser wies sie umgehend als "politisch motiviert" zurück.

Schon vorher hatte ihn die Stiftung für Korruptionsbekämpfung des russischen Oppositionellen Alexej Nawalny allerdings der Korruption bezichtigt. Sie fragte, wie Woronenkow allein von seinem Abgeordneten-Gehalt fünf Wohnungen, fünf Autos und ein Ferienhaus habe kaufen können.

Nach Angaben des russischen Oppositionspolitikers Ilja Ponomarew wollte sich Woronenkow mit ihm treffen, als er erschossen wurde. Ponomarew hatte 2014 als einziger Abgeordneter in der Duma gegen die Annexion der Krim gestimmt. Er ging danach ebenfalls ins Exil.

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