Medien-Profi schlägt Alarm - Warum ich die App Likee gefährlicher für Kinder und Jugendliche halte als TikTok

Mediensucht-Spezialist warnt, wie Likee Kinder in gefährliche Online-Interaktionen verstrickt<span class="copyright">NurPhoto via Getty Images</span>
Mediensucht-Spezialist warnt, wie Likee Kinder in gefährliche Online-Interaktionen verstricktNurPhoto via Getty Images

Mediensucht-Spezialist Florian Buschmann betont, wie wichtig es für Eltern, Kinder und Jugendliche ist, die Risiken von Likee oder TikTok zu verstehen und ist schockiert, warum es keinerlei Jugendschutz gibt.

Welche Gefahren birgt die Nutzung von Likee, insbesondere für Kinder und Jugendliche?

Es ist einfach schockierend und unverantwortlich, Kinder auf Plattformen wie Likee oder TikTok zu lassen. Wo ist die staatliche Kontrolle? Es ist absurd, dass Kinder Videos sehen können, ohne auch nur ihr Alter bestätigen zu müssen. Es ist eine Schande, dass solche Dinge zur Normalität geworden sind.

Es ist erschreckend, wie der Missbrauch von Kindern und Jugendlichen im Internet zur Normalität geworden ist. Laut einer Studie der Medienanstalt NRW aus dem Jahr 2022 haben mehr als 20 Prozent der 8- und 9-jährigen Kinder angegeben, dass sie bereits im Internet auf Erwachsene getroffen sind, die sich mit ihnen im echten Leben treffen wollten.

16,7 Prozent der 8- und 9-jährigen Kinder geben an, dass sie bereits im Internet nach Bildern von Fremden gefragt wurden (Medienanstalt NRW). In diesem Alter gehen Kinder gerade erst in die dritte Klasse. Es ist sehr schwierig zu beurteilen, was richtig und was falsch ist, insbesondere wenn Kinder wenig Anerkennung und Liebe von ihren Eltern erhalten.

In unseren Schulworkshops haben wir bereits erlebt, dass Kinder sich der Gefahren nicht bewusst sind und freizügige Bilder verschicken oder manipuliert werden. In Anbetracht dieser Umstände sollten wir die App Likee genauer betrachten: Unterstützt Likee eine gesunde Entwicklung und fördert es Werte, die für Kinder gut sind? Diese Frage sollten wir uns jedoch bei jeder App und jedem Spiel stellen, das Kinder nutzen.

Welche Videos sieht man auf Likee?

Bereits nach dem ersten Herunterladen der Likee-App werden Videos gezeigt, die für junge Nutzer völlig unangemessen sind. Im dritten Video sieht man eine Frau, die in freizügiger Kleidung tanzt, während im fünften Video zwei etwa zwölfjährige Mädchen tanzen. In den Kommentaren zu diesen Videos findet man Aussagen wie „Ihr seid so wunderschön, liebe euch beide“ oder „Kann man euch daten? Ich suche jemanden, der sich um mich kümmert und Spaß sucht.“ Es ist äußerst besorgniserregend, dass solche Kommentare existieren, da sie auf eine mögliche Ausnutzung und Belästigung junger Nutzer hinweisen.

Des Weiteren habe ich eine Reihe kritischer Kommentare gefunden. Ein Kommentar beschrieb sogar konkrete sexuelle Handlungen, die im Video zu sehen waren. Außerdem sah ich einen Kommentar von einem vermeintlich älteren Mann mit einem Profilbild, das auf etwa 65 Jahre geschätzt werden kann. Dieser Kommentar bezog sich auf eine Turnpose eines etwa 10-jährigen Mädchens und enthielt Aussagen wie „Du bist wunderschön und süß“. Diese Beobachtungen werfen die Frage auf, wie es überhaupt dazu kommt, dass so junge Kinder solche Inhalte auf solchen Plattformen teilen. Ist es den Eltern bekannt oder ist es ihnen einfach egal? Ach ja, zwischendrin gibt es Videos von Kühlschränken voller Energy-Dosen und kreativen Bastelideen.

Was genau ist Likee und wie unterscheidet es sich von TikTok?

Likee und TikTok sind beide Plattformen für Kurzvideos, die in ihrer Funktionsweise sehr ähnlich sind. Dennoch gibt es einige Unterschiede, insbesondere in Bezug auf Sicherheitsrisiken und Expertenempfehlungen. In Schulworkshops wird Likee von Kindern deutlich seltener erwähnt als TikTok.

Bei der Installation von Likee stößt man auch als neuer Nutzer auf viele Videos mit nahezu sexuellen Darstellungen, wie Yoga-Posen oder Tanzvideos von Teenagern und jüngeren Kindern. Ein wesentlicher Unterschied besteht darin, dass Nutzer auf Likee keine privaten Profile erstellen können. Auf TikTok können Nutzer ihre hochgeladenen Inhalte schützen, indem sie ihr Profil privat stellen. Nur Nutzer, die zur Freundesliste hinzugefügt wurden, können die erstellten Inhalte sehen. Diese Funktion bietet Likee nicht.

Es sollte klar sein, dass eine Kindersicherung nicht 100 Prozent aller kritischen Inhalte herausfiltern kann. Doch der Filter von Likee scheint nach meinem ersten Eindruck wesentlich durchlässiger zu sein als der von TikTok. Eltern sollten bei beiden Apps vorsichtig sein, doch am Ende erscheint TikTok eher vertretbar als Likee.

Wie wird das Mindestalter für die Nutzung von Likee überprüft und welche Maßnahmen wurden ergriffen, um die Sicherheit der jüngeren Nutzer zu gewährleisten?

Wie bereits erwähnt, scheint es gravierende Gefahren zu geben. Es wurden zwar Maßnahmen ergriffen, aber sie sind wirkungslos. Laut den Nutzungsbedingungen müssen Benutzer mindestens 16 Jahre alt sein. Likee vermarktet sich jedoch in seinem App-Store-Eintrag an Personen ab 12 Jahren. Beim ersten Nutzen der App gibt es keinerlei Altersabfragen. Die Verantwortung, Kinder zu schützen, liegt bei den Eltern.

Es ist offensichtlich, dass Eltern die Kontrolle und Fürsorge verloren haben, wenn ihre Kinder solche Inhalte auf Plattformen wie Likee teilen können und jeder sie auf der ganzen Welt sehen kann. Es ist von größter Bedeutung, dass Eltern und Erziehungsberechtigte sich bewusst sind, welche Gefahren die Nutzung von Likee für ihre Kinder mit sich bringt.

Eine offene Kommunikation über die potenziellen Risiken und eine angemessene Aufsicht sind erforderlich, um die Sicherheit und das Wohlergehen der jungen Nutzer zu gewährleisten. Darüber hinaus ist es wichtig, dass die Plattformbetreiber Maßnahmen ergreifen, um solche Inhalte zu filtern und den Schutz der Kinder und Jugendlichen zu gewährleisten.