Mediziner als Corona-Leugner: Ärzte auf Abwegen

Veronika Völlinger
·Lesedauer: 2 Min.

Corona-Leugnern unter Ärzten drohen Strafen, wenn sie Patienten gefährden. Schwieriger ist der Umgang mit Medizinern, die öffentlich fragwürdige Thesen äußern.

Proteste in Berlin gegen die Corona-Politik der Bundesregierung: Was lässt sich tun, wenn Ärztinnen und Ärzte sich in der Pandemie unseriös verhalten oder äußern? © souslesarbres/​plainpicture;A. Friedrichs/​imago images
Proteste in Berlin gegen die Corona-Politik der Bundesregierung: Was lässt sich tun, wenn Ärztinnen und Ärzte sich in der Pandemie unseriös verhalten oder äußern? © souslesarbres/​plainpicture;A. Friedrichs/​imago images

Für die Patienten einer Arztpraxis in Kiel, die womöglich wegen des Coronavirus gekommen waren, war plötzlich nicht mehr die Pandemie das Problem, sondern der Arzt. Der versprach nämlich, er könne geistig gegen Corona impfen, anschließend seien Antikörper im Blut vorhanden.

"Das ist gefährlich", sagt Henrik Herrmann, der Präsident der Ärztekammer in Schleswig-Holstein. "Denn er behauptet dies als Arzt in seiner Arztpraxis. Das geht nicht, hier sind Grenzen deutlich überschritten." Als der Fall durch einen NDR-Bericht bekannt wurde, leitete die Ärztekammer ein berufsrechtliches Verfahren gegen den vermeintlichen Wunderheiler ein.

Die Aussage des Kieler Arztes mag extrem unglaubwürdig klingen; doch sie steht stellvertretend für das Phänomen, dass ausgerechnet Ärztinnen, die in der Pandemie zuverlässige Ansprechpartner für ihre Patienten sein sollten, in manchen Fällen Dinge sagen oder raten, die von der Wissenschaft nicht gedeckt sind. Wegen solcher Fälle hat die Ärztekammer in Schleswig-Holstein kürzlich sogar Fachärzte und Ärztevertreter zu einem Gespräch eingeladen – Präsident Herrmann will mit ihnen eine Allianz gegen die Corona-Leugner unter den Ärzten aufbauen. Am Ende einigen sie sich auf die Strategie: mit Skeptikern diskutieren, Verstöße gegen ärztliche Regeln aber rasch ahnden.

Äußerungen von Ärzten haben ein besonderes Gewicht

Ärzte sind zentrale Figuren in der Coronavirus-Pandemie. Sie müssen Patientinnen versorgen und sind selbst in den Kliniken und Praxen einem großen Infektionsrisiko ausgesetzt. Sofern sie auch in der Forschung arbeiten, wird von ihnen erwartet, dass sie schnell ein gutes Gegenmittel finden, Medikamente oder einen Impfstoff. Die meisten gehen mit diesen Anforderungen verantwortungsbewusst um.

Doch es gibt auch Ärzte, die das Coronavirus leugnen oder zumindest verharmlosen, die die politischen Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie diskreditieren. So verharmlost zum Beispiel Sucharit Bhakdi, der ehemalige Leiter eines mikrobiologischen Instituts, die Gefahr durch Covid-19 in einem Bestseller. Zwei Universitäten haben sich deshalb von ihm distanziert. Eine andere Gruppe mit dem irreführenden Namen Ärzte für Aufklärung warnt vor einem angeblichen Impfzwang, den es nicht gibt. Solche Verschwörungserzählungen, zumal wenn sie von vermeintlichen Fachleuten stammen, verbreiten sich in Chatgruppen und sozialen Medien schnell und weit. Selbst Menschen, die daran nicht glauben, lassen sich womöglich verunsichern – mitten in einer Pandemie, in der Unsicherheit ohnehin zum Alltag gehört.

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