Mindestens 120 Tote durch Sturzfluten und Erdrutsche in Indonesien und Osttimor

Handrianus Emanuel
·Lesedauer: 3 Min.
Tausende Menschen wurden obdachlos

Nach den verheerenden Sturzfluten und Erdrutschen in Indonesien und Osttimor ist am Dienstag die Suche nach mehr als hundert Vermissten fortgesetzt worden. Mit Baggern wurden in den Katastrophengebieten Schutt und Geröll weggeräumt. Durch die Folgen des Tropensturms "Seroja" kamen nach neuen angaben der Behörden beider Länder mindestens 120 Menschen ums Leben, rund 10.000 Menschen mussten in Notunterkünfte fliehen.

Die indonesische Katastrophenschutzbehörde meldete 84 Tote auf abgelegenen Inseln im Osten des Landes. Zwischenzeitlich war von 130 Toten die Rede gewesen, später wurden die Angaben aber nach unten geführt. Als Ursache des Irrtums Kommunikationsprobleme zwischen den örtlichen Behörden genannt. Weitere 34 Todesopfer wurden aus Osttimor gemeldet.

Rettungskräfte suchten unter Hochdruck nach möglichen Verschütteten. Allein in Indonesien wurden nach Behördenangaben noch mehr als hundert Menschen vermisst.

Starke Regenfälle hatten die Sturzfluten und Erdrutsche ausgelöst. Auf der indonesischen Insel Flores versanken kleine Ortschaften regelrecht im Schlamm, Bäume wurden entwurzelt und Häuser standen unter Wasser.

Auf der Insel Lembata wurden ganze Teile von Dörfern durch Schlammlawinen einen Berghang hinuntergerissen. Tausende Menschen flohen in Notunterkünfte. "Diese Gegend wird nie mehr bewohnt sein", erklärte Eliyaser Yentji Sunur von der Bezirksverwaltung von Lembata mit Blick auf einen zerstörten Teil des Dorfes Waimatan. "Wir werden hier keine Menschen mehr leben lassen. Ob sie es wollen oder nicht, sie müssen umsiedeln", fügte der Behördenvertreter hinzu.

Onesimus Sili, ein Bewohner von Waimatan, sagte der Nachrichtenagentur AFP, sein Ort sei zerstört worden, bevor die Menschen begriffen hätten, was vor sich ging. "Gegen Mitternacht hörten wir ein lautes Dröhnen und wir dachten, es sei der nahegelegene Vulkan", schilderte er. "Bis wir verstanden haben, dass es eine Sturzflut war, waren die Häuser schon alle verschwunden."

Die Unterbringung der nun vertriebenen Katastrophenopfer gestaltet sich wegen der Corona-Pandemie schwierig. Das zwischen Indonesien und Australien gelegene 1,3-Millionen-Einwohner-Land Osttimor meldete am Dienstag seine erste Corona-Tote. Die Erdrutsche und Sturzfluten schürten die Furcht vor einer weiteren Ausbreitung des Virus.

In Lembata war der ohnehin schlecht ausgestattete Gesundheitssektor überlastet wegen der vielen Katastrophenopfer von einer Reihe entlegener Inseln. "Wir haben nicht genügend Anästhesisten und Chirurgen, aber uns wurde Hilfe versprochen", sagte Lembatas Vize-Bürgermeister Thomas Ola Longaday. Die Flüchtlinge aus den Katastrophengebieten brauchten außerdem Decken und Zelte.

Nachdem der Tropensturm "Seroja" bereits folgenschwere Regenfälle mit sich gebracht hatte, könne es in den kommenden Tagen erneut "extremes Wetter" geben, warnte der Sprecher der indonesischen Katastrophenschutzbehörde, Raditya Jati. Die südostasiatischen Inselgruppen werden während der Regenzeit immer wieder von verheerenden Erdrutschen und Sturzfluten heimgesucht.

Erst im Januar waren bei Sturzfluten in der indonesischen Stadt Sumedang auf der Insel Java 40 Menschen gestorben. Umweltschützern zufolge trägt Abholzung zu den Katastrophen bei. Nach Angaben der Katastrophenschutzbehörde leben etwa 125 Millionen Indonesier in erdrutschgefährdeten Gebieten. Dies entspricht fast der Hälfte der Bevölkerung des Inselstaats.

yb/bfi