Mehr als 570 Kinder auf Wege der vertraulichen Geburt auf die Welt gekommen

Ein Baby

Seit der Einführung der vertraulichen Geburt vor fünf Jahren sind mehr als 570 Kinder auf diesem Wege zur Welt gekommen. Das geht aus einer Analyse des Bundesfamilienministeriums hervor, die Ressortchefin Franziska Giffey (SPD) am Dienstag in Berlin vorstellte. Allerdings ging gleichwohl die Zahl der anonymen Abgaben von Kindern zum Beispiel an Babyklappen kaum zurück.

Die Gesetzesregelung für die Möglichkeit der vertraulichen Geburt war im Mai 2014 in Kraft getreten. Seitdem können Schwangere in Not, die ihr Kind anonym zur Welt bringen wollen, mit medizinischer Hilfe entbinden. Von insgesamt 536 solcher Geburten in den Jahren 2014 bis 2018 blieben laut Familienministerium 499 bis heute anonym. In den übrigen Fällen verzichteten die Mütter später auf die Anonymität.

Die Zahl anonymer Kindesabgaben, die bis 2013 stetig auf damals 147 Fälle angestiegen war, ging 2014 zunächst deutlich zurück. Sie stieg danach aber wieder auf jährlich gut 150 Fälle an. Der starke Anstieg der Jahre zuvor setzte sich jedoch nicht mehr fort. Das Familienministerium warnte auch davor, die Zahlen der Kindesabgaben mit denen der vertraulichen Geburten zu addieren. So hätte sich ein Teil derjenigen Frauen, die von der zweiten Möglichkeit Gebrauch machten, sonst möglicherweise für eine Abtreibung entschieden.

Den Daten zufolge wurden bis April dieses Jahres mehr als 2200 Beratungsgespräche zur vertraulichen Geburt geführt. Von den beratenen Frauen entschied sich demnach knapp ein Viertel zu einem Leben mit dem Kind, etwas mehr als ein Fünftel zu einer vertraulichen Geburt und 13,7 Prozent zur Freigabe des Kindes für eine reguläre Adoption.

Fast zwölf Prozent der Frauen entschieden sich für einen Schwangerschaftsabbruch. 4,5 Prozent der Frauen wählten trotz der Beratung den Weg einer anonymen Kindesabgabe, in 14,8 Prozent der Fälle brach der Kontakt nach dem Gespräch ab.

Giffey zog insgesamt eine positive Bilanz. "Schwangere Frauen in Notlagen brauchen Hilfe, Beratung und Unterstützung. Das vor fünf Jahren verabschiedete Gesetz hat für viele Frauen Wege aus solchen Notlagen ermöglicht", erklärte sie in Berlin. Sie dankte auf einer Veranstaltung mit rund 200 Beteiligten all jenen, die an den Beratungen mitwirken.

Das Angebot der vertraulichen Geburt richtet sich an Frauen, die eine Schwangerschaft und Geburt geheim halten wollen. Damit soll auch verhindert werden, dass verzweifelte Frauen ein Kind ohne medizinische Betreuung heimlich zu Hause gebären oder das Neugeborene sogar aussetzen oder töten. Auch wenn die Daten der Frauen grundsätzlich vertraulich behandelt werden, haben deren Kinder mit Vollendung des 16. Lebensjahres das Recht, die Identität der Mutter zu erfahren.