Mehr als 60 Tote und 180 Verletzte bei Anschlag auf Hochzeitsfeier in Kabul

Der Festsaal nach dem Anschlag

Bei einem Selbstmordanschlag auf eine Hochzeitsfeier in Kabul sind mehr als 60 Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt worden. Wie das afghanischen Innenministerium mitteilte, gab es mindestens 63 Todesopfer und 182 Verletzte, nachdem sich der Attentäter am Samstagabend inmitten von hunderten Hochzeitsgästen in die Luft gesprengt hatte. Es war der blutigste Anschlag in der afghanischen Hauptstadt seit Monaten. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte die Tat für sich.

Der Attentäter sprengte sich am späten Abend in einem Hochzeitssaal im Westen Kabuls in die Luft. Vom Innenministerium veröffentlichte Fotos zeigten Leichen und zerrissene Kleidungsstücke in dem festlich geschmückten Saal.

Afghanistans Präsident Aschraf Ghani bezeichnete die Tat als "barbarische Attacke", Regierungschef Abdullah Abdullah sprach von einem "Verbrechen gegen die Menschlichkeit". Auch das Auswärtige Amt in Berlin verurteilte den "entsetzlichen" Anschlag. Die Gewalt in Afghanistan müsse aufhören.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) versicherte in einem Kondolenzschreiben an Ghani, "dass Deutschland im Kampf gegen den Terrorismus weiterhin fest an der Seite der afghanischen Bevölkerung steht." Auch die EU-Kommission versicherte den Afghanen ihre Solidarität im Kampf gegen den Terror.

Die IS-Miliz nahm den Anschlag für sich in Anspruch. Einer ihrer Anhänger habe inmitten der Hochzeitsgäste seinen Sprengstoffgürtel gezündet, teilte die Extremistengruppe am Sonntag über den Messengerdienst Telegram mit. Anschließend hätten Komplizen ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug detonieren lassen.

Die meisten Hochzeitsgäste waren offenbar Schiiten, die im mehrheitlich sunnitischen Afghanistan regelmäßig Opfer von Anschlägen insbesondere der IS-Miliz werden.

Die radikalislamischen Taliban hatten bereits kurz nach der Explosion in Kabul jegliche Verantwortung zurückgewiesen. Sie verhandeln derzeit mit den USA über einen Friedensvertrag für das Krisenland, eine Einigung könnte nach Angaben aus US-Kreisen unmittelbar bevorstehen.

Der US-Afghanistan-Gesandte Zalmay Khalilzad verurteilte am Sonntag den "abscheulichen Angriff" in Kabul und warb für eine Beschleunigung der Friedensgespräche, damit die Afghanen wirksamer gegen den IS kämpfen könnten.

Das Brautpaar überlebte den Anschlag auf die Hochzeitsfeier. Der Bräutigam sagte dem Lokalsender Tolo News, er habe dabei zusehen müssen, wie seine Gäste, die er erst wenige Stunden zuvor lächelnd begrüßt hatte, tot aus dem Festsaal getragen wurden. Der Anschlag habe sein "Glück in Trauer verwandelt".

"Ich habe meinen Bruder, meine Freunde, meine Verwandten verloren. Ich werde mein Leben lang nie wieder glücklich sein", sagte der Bräutigam. Auch seine Frau stehe noch unter Schock und falle immer wieder in Ohnmacht. Ein Hochzeitsgast sagte zu Tolo News, das Brautpaar habe rund 1200 Gäste zu der Feier eingeladen.

Hochzeitsgast Hamid Kresch sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Bombe sei während der Treueversprechen des Brautpaars explodiert. Der Hochzeitsgast Mohammed Farhag war nach eigenen Angaben gerade im Bereich für die Frauen, als die Explosion den Männerbereich des Saals erschütterte. "Etwa 20 Minuten lang war die Halle voller Rauch. Fast alle im Männerbereich sind entweder tot oder verletzt", sagte Farhag AFP. Auch zwei Stunden nach dem Anschlag seien immer noch Leichen aus der Halle gebracht worden.

In Afghanistan werden Hochzeiten meist aufwendig mit hunderten oder gar tausenden Gästen in großen Festsälen gefeiert. Immer wieder werden Hochzeitsfeiern das Ziel von Anschlägen. Am 12. Juli wurden sechs Menschen getötet, als sich ein Selbstmordattentäter bei einer Feier in der Provinz Nangarhar in die Luft sprengte. Zu dem Anschlag bekannte sich damals ebenfalls die IS-Miliz.