Mehr als 600.000 Euro Entschädigung nach Weihnachtsmarktanschlag ausgezahlt

Hinterbliebene und Opfer des Anschlags auf den Berliner Weihnachtsmarkt haben bislang mehr als 600.000 Euro Entschädigung erhalten. Der Sonderbeauftragte der Bundesregierung für die Opfer des Anschlags, Kurt Beck, räumte Behörden-Versäumnisse ein

Hinterbliebene und Opfer des Anschlags auf den Berliner Weihnachtsmarkt haben bislang mehr als 600.000 Euro Entschädigung erhalten. Das Bundesjustizamt habe gut drei Monate nach dem Anschlag Härteleistungen in Höhe von 589.000 Euro ausgezahlt, berichtete die "Heilbronner Stimme" am Mittwoch unter Berufung auf einen Behördensprecher. Der Attentäter Anis Amri hatte am 19. März zwölf Menschen getötet und dutzende weitere verletzt.

Weiteres Geld kam demnach vom Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales, das fast 17.000 Euro für Bestattungen und Renten auszahlte. Hinzu kamen rund 50.000 Euro von der Verkehrsopferhilfe. Der von den Haftpflichtversicherern getragene Verein zahlte das Geld ohne Festlegung eines Verwendungszwecks aus. "Das ist eine flexible und unbürokratische Lösung", sagte eine Sprecherin dem Blatt. Bei den drei Stellen gingen zwischen 80 und 96 Anträge ein.

Indes räumte der Sonderbeauftragte der Bundesregierung für die Opfer des Anschlags, der frühere SPD-Vorsitzende Kurt Beck, Fehler und Versäumnisse von Rettungskräften und Behörden ein. "Es gab einige grobe Ungeschicklichkeiten", sagte Beck der "Passauer Neuen Presse" vom Mittwoch. Ein Betroffener habe ihm berichtet, er sei von einem Rettungshelfer weg gezerrt worden, als er gerade einer sterbenden Frau habe helfen wollen.

"Es gab auch Klagen über eine mangelnde Sensibilität der Behörden, darüber, bei der Antragstellung auf finanzielle Hilfe mit der Bürokratie allein gelassen worden zu sein", sagte Beck. Er habe aber den Eindruck, dass sich die Situation bei den Behörden gebessert habe.

"Ich werde alle Hinweise auf mögliche Fehler oder Versäumnisse zusammenfassen, die Erfahrungen der Opfer und Betroffenen sammeln und im Herbst einen Bericht dazu verfassen", sagte Beck. "Es gilt, aus dem Anschlag in Berlin zu lernen, damit wir vorbereitet sind, auch wenn es hoffentlich nie wieder zu so einer Tat kommen wird."

Mit Yahoo Nutzung stimmen Sie zu, dass Yahoo und Partner Cookies für Personalisierungs- und andere Zwecke nutzen