Mehr als 140 Tote bei Taliban-Angriff in Afghanistan

Afghanische Soldaten an einem Zugang zu einer Militärbasis in Masar-i-Scharif. Foto: Mirwais Najand

Bei dem jüngsten Angriff der Taliban auf eine Militärbasis in der afghanischen Provinz Balch sind mindestens 140 Soldaten getötet und mehr als 160 verwundet worden.

Das sagte der Vorsitzende des Provinzrates, Mohammed Ibrahim Chair Andesch, der Deutschen Presse-Agentur.

Die Bundesregierung reagierte mit Bestürzung auf den jüngsten Terrorangriff islamistischer Talibankämpfer auf afghanische Soldaten. Das Auswärtige Amt in Berlin verurteilte die Bluttat vom Freitag als «hinterhältig» und bekräftigte die Entschlossenheit Deutschlands, die Regierung in Kabul weiter im Kampf gegen islamistische Extremisten zu unterstützen.

Die Taliban würden ihre Ziele durch derartige Bluttaten nicht erreichen, hieß es in einer Mitteilung. Vielmehr sollten sie der Aufforderung der internationalen Gemeinschaft folgen und sich zu Verhandlungen bereit erklären.

Das Außenamt in Berlin erklärte, offenbar seien viele Soldaten in dem Armeestützpunkt nahe Masar-i-Scharif beim Freitagsgebet in der Moschee überrascht worden und hätten daher keine Chance gehabt, sich zu verteidigen. «Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen der Toten, den Verletzten wünschen wir eine schnelle Genesung», hieß es weiter.

Wie Armeesprecher Wetnaam Schinwari berichtete, waren die etwa zehn Angreifer als Soldaten verkleidet. Erst nach stundenlangen Feuergefechten hatte die Armee wieder die Kontrolle über ihre Basis in der Provinz Balch erlangt.

Die Sicherheitslage in Afghanistan hat sich rapide verschlechtert, seit die Nato ihre Kampfmission Ende 2014 beendet und die meisten Truppen abgezogen hat. Die einheimischen Sicherheitskräfte erleiden im Kampf gegen die Taliban seit Monaten schwere Verluste. US-Generäle warben jüngst um mehr Truppen.

Die Taliban waren mit drei Militärfahrzeugen vorgefahren und hatten am Eingangstor eine Rakete gezündet, um sich Zugang zu verschaffen.

Balch gehört zu den eher sicheren Provinzen Afghanistans. Dort ist die Kommandozentrale der afghanischen Armee für den gesamten Norden des Landes.

Nato und Bundeswehr haben den Kampf gegen die Taliban inzwischen der einheimischen Armee überlassen. Die internationalen Truppen sind nur noch zur Beratung und Ausbildung da. Die meisten der noch gut 900 deutschen Soldaten - einst waren es 5000 - werden selbst dafür nicht mehr eingesetzt, sondern betreiben nur noch das Feldlager in Masar-i-Scharif.

Der Angriff vom Freitag war der zweite dieser Art auf eine Militäreinrichtung binnen weniger Wochen. Zu der ersten Attacke auf ein Militärkrankenhaus in Kabul Anfang März hatte sich die Terrormiliz Islamischer Staat bekannt. Damals kamen 49 Menschen ums Leben, 76 wurden verletzt.

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