Mehr als bloß lästige Blutsauger - Zecken: So gefährlich sind sie, so schützt eine Impfung

Werner Stingl

Zecken können ernste Krankheiten übertragen. Auch wenn die weitaus meisten Stiche ohne Folgen bleiben, ist die Gefahr nicht zu vernachlässigen

Sobald die Temperaturen auf über sieben bis neun Grad steigen, erwachen sie aus der Winterstarre. Zwischen niedrigem Gebüsch und Gräsern lauern sie auf ihre Blutopfer: Zecken. Primär haben sie es auf Kleinsäuger, Rehe, Hirsche und sonstiges Wild abgesehen. Aber kommt zufällig ein Mensch des Weges, verschmähen sie auch den nicht. Unbemerkt krabbeln sie oft Stunden auf ihm herum, bis sie eine geeignete dünne Hautstelle gefunden haben. In die bohren sie ihren dübelartigen Rüssel, um eine kleine Ader anzuzapfen und mehrere Tage daran zu saugen. Aufgrund lokal betäubender Stoffe im Zeckenspeichel, spürt das Opfer von alledem nichts.

Eine erwachsene weibliche Zecke kann mit einer Blutmahlzeit von der Größe einer kleinen Ameise auf das Ausmaß einer Kaffeebohne anschwellen. Dann lässt sie sich satt vom Opfer fallen. Zeckenlarven, -nymphen und auch erwachsene Männchen saugen deutlich weniger, nehmen entsprechend weniger an Größe zu und bleiben deshalb auch leichter unbemerkt.

Dreimal Hunger im Leben

Zecken gehören mit ihren acht Beinen – die Larve hat nur sechs – zu den Spinnentieren. Doch anstatt sich mit dem Lebenssaft von Insekten zu bescheiden, haben Zecken Appetit auf warmes Blut von Wirbeltieren – und machen dabei auch vor dem Menschen nicht halt.

Den meisten Zecken reichen drei Blutmahlzeiten im Leben, wobei sie jede eine Entwicklungsstufe weiter bringt, so der Parasitologe Professor Heinz Mehlhorn aus Düsseldorf. Die aus dem Ei geschlüpfte Larve braucht einmal Opferblut, um zur Nymphe weiter zu wachsen. Die Nymphe muss sich einmal sättigen, um sich zur erwachsenen Zecke zu häuten. Und das erwachsene Zeckenweibchen saugt sich schließlich einmal richtig voll, um sich dann vom nur ein bisschen Blut nippenden Männchen begatten zu lassen. Danach legt es in Bodennähe bis zu 3000 Eier ab und der Zyklus kann von Neuem starten.

Findet sich kein Opfer, können Zecken im jeweiligen Stadium bis zu mehrere Jahre hungern und entsprechend verlängert sich ihr Leben. Anders als etwa Kopfläuse, die, versehentlich vom Haar gefallen, nach wenigen Tagen verhungern, sind Zecken also wahre Hungerkünstler.

Warum sich viele Menschen vor Zecken weitaus mehr fürchten als vor anderen allgegenwärtigen Blutsaugern wie Stechmücken oder Bremsen, hat vor allem zwei Gründe: Zum einen lässt sich eine Zecke nicht einfach abklatschen oder verscheuchen, sobald sie sich einmal festgesaugt hat. Ihr Saugorgan haftet mit einer Art Biozement sehr fest in der Haut. Es bedarf einer Pinzette oder speziellen Zeckenzange und etwas Geschick, um den kleinen Vampir restlos zu entfernen. Manchmal muss dazu sogar der Arzt ran. Zum anderen ist die auch in Deutschland häufige Schildzecke Ixodes ricinus (Gemeiner Holzbock) Überträger von zwei inzwischen prominenten Infektionskrankheiten: Frühsommermeningoenzephalitis (FSME) und Lyme-Borreliose. Beide Infektionen sind über die gesamte Zeckensaison möglich.

Zumindest das FSME-Risiko ist hierzulande aber deutlich geringer, als es seine nicht zuletzt auch von pharmaindustriellen Interessen geschürte Medienpräsenz vermuten lässt, stellte der Mikrobiologe Professor Alexander S. Kekulé, Direktor des Instituts für medizinische Mikrobiologie des Uniklinikums Halle, klar.

FSME

Erreger der FSME ist ein Virus, das befallene Zecken über ihren Speichel an ihr Saugopfer abgeben. Selbst infiziert haben sich die Zecken in der Regel als Larve oder als Nymphe bei ihrerseits mit dem FSME-Virus durchseuchten Mäusen oder anderen Kleinsäugern.
Den ganzen Artikel lesen Sie hier

Mit Yahoo Nutzung stimmen Sie zu, dass Yahoo und Partner Cookies für Personalisierungs- und andere Zwecke nutzen