Schwerste Zusammenstöße in Jerusalem seit mehreren Jahren

Guillaume LAVALLÉE
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Israelische Sicherheitskräfte im Einsatz in Jerusalem

Im Zusammenhang mit einem Aufmarsch rechtsextremer Juden ist es in Jerusalem zu den schwersten gewalttätigen Konfrontationen seit Jahren gekommen. Nach Angaben aus unterschiedlichen Quellen wurden bei den Konfrontationen in der Nacht zum Freitag insgesamt rund 120 Menschen verletzt. Ausgelöst wurde die Gewalt durch einem Aufmarsch der rechtsextremistisch-jüdischen Lahava-Organisation an einem Tor zur Altstadt. Die Polizei geriet zwischen die Fronten, die von Lavaha-Anhängern und aufgebrachten Palästinensern gebildet wurden.

Die palästinensische Hilfsorganisation Roter Halbmond teilte mit, bei den Zusammenstößen seien mehr als einhundert Menschen verletzt worden. Hinzu kamen nach Angaben der Behörden 20 verletzte Polizisten. Mehrere hundert Polizisten waren eingesetzt worden, um den Lahava-Aufmarsch abzuschirmen. Die Polizei bezeichnete dies als Schutz der "Meinungs- und Kundgebungsfreiheit". Mehr als 50 Menschen wurden nach Angaben der Polizei in der Nacht festgenommen.

Nach Angaben von Augenzeugen riefen Lahava-Mitglieder "Tod den Arabern!" Das führte zu Konfrontationen mit Palästinensern, die nach dem nächtlichen Gebet zum Fastenmonat Ramadan vom Tempelberg zurückkamen. Die Polizei versuchte, die Demonstranten mit Tränengas, Blendgranaten und einem Wasserwerfer auseinanderzutreiben. "Das war wie ein Kriegsgebiet", sagte ein Palästinenser. Jüdische Extremisten schleuderten Steine in Richtung der Sicherheitskräfte, die auch von palästinensischen Demonstranten beworfen wurden.

Nach Angaben des Roten Halbmonds wurden rund 20 der Verletzten ins Krankenhaus gebracht. Die Polizei setzte am Damaskus-Tor und in den umliegenden Vierteln Kavallerie ein. Die Sicherheitskräfte sperrten auch einige Bereiche der Altstadt ab.

Bereits in der Nacht zum Mittwoch hatte es Auseinandersetzungen gegeben, nachdem im Internet Videos aufgetaucht waren, auf denen zu sehen war, wie Palästinenser und Journalisten in der Jerusalemer Altstadt belästigt wurden. Jüdische Jugendliche riefen demnach auch dort: "Tod den Arabern!" Jugendliche Palästinenser organisierten eine Gegendemonstration. Nach den Konfrontationen vom Mittwoch wurden nach Polizeiangaben 70 Juden und Araber vorläufig festgenommen.

Die Lahava-Demonstration war seit Tagen in den Onlinenetzwerken angekündigt worden. Jerusalems Bürgermeister Mosche Lion versuchte nach eigenen Angaben vergeblich, den Aufmarsch zu verhindern. Er teilte mit, dass er mit den Vertretungen der Palästinenser im Ostteil der Stadt in Verbindung stehe, um "diese sinnlose Gewalt zu beenden".

Die palästinensische Autonomiebehörde verurteilte die "zunehmende Aufwiegelung" durch extremistische jüdischer Siedlergruppen, die "zum Mord von Arabern" aufriefen. Das habe zu einer "Welle von Angriffen" auf Palästinenser in der Jerusalemer Altstadt geführt.

Derzeit müssen einige Palästinenser-Familien aus dem Jerusalemer Stadtviertel Scheich Dscharrah nahe der Altstadt damit rechnen, dass sie von den israelischen Behörden aus ihren Wohnungen vertrieben werden. Jordanien, das Ost-Jerusalem bis 1967 kontrollierte, schaltete sich dieses Woche ein, um das Bleiberecht der Familien mit Hilfe alter Dokumente zu unterstreichen.

ao/dja