Mehr Ganztagsangebote für Kinder steigern Erwerbstätigkeit von Müttern

Das Wort "Grundschule" über dem Notausgang einer Schule

Wenn es mehr Ganztagsangebote für Grundschulkinder gibt, steigert das die Erwerbstätigkeit der Mütter. Eine am Montag von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) vorgestellte Studie geht von einer Erhöhung der Erwerbsquote um zwei bis sechs Prozentpunkte aus. Somit habe die Ganztagsbetreuung auch einen volkswirtschaftlichen Nutzen von bis zu zwei Milliarden Euro. Parteien und Gewerkschaften verlangten mehr Anstrengungen für den Ausbau des Ganztagsangebots,insbesondere beim Personal.

Die Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigt, dass sich der Ausbau der Betreuungsangebote zu einem nicht unerheblichen Teil selbst finanziert. "Der Ausbau ermöglicht Frauen, überhaupt erwerbstätig zu sein oder ihre Arbeitszeit aufstocken", sagte die Leiterin der DIW-Abteilung für Bildung und Familie, Katharina Spieß.

"Unter dem Strich verzeichnen Staat und Sozialversicherungen deutliche Mehreinnahmen", sagte die DIW-Expertin. "Das sorgt dafür, dass sich der Ausbau von Ganztagsangeboten zum Teil selbst finanziert - je nach Szenario und Kostenschätzung zu 30 bis 90 Prozent."

Giffey verwies auf das im Koalitionsvertrag festgeschriebene Vorhaben, bis 2025 einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung einzuführen. Dabei geht die Regierung davon aus, dass für 75 Prozent der Grundschulkinder ein Ganztagsplatz benötigt wird - das derzeitige Angebot deckt den Bedarf für 50 Prozent ab.

Die Nachfrage sei aber regional sehr unterschiedlich - im Osten oder den Stadtstaaten Hamburg und Berlin sei sie deutlich höher als in anderen Ländern. Den Bedarf auf zusätzliche Plätze, um das Ziel der 75-Prozent-Abdeckung zu erreichen, bezifferte Giffey mit einer Million. Um das Ausbauziel zu erreichen, unterstützt der Bund die Länder mit Finanzhilfen in Höhe von zwei Milliarden Euro.

Der Rechtsanspruch soll einer Bund-Länder-Einigung zufolge acht Stunden an fünf Tagen pro Woche für die Klassen 1 bis 4 umfassen. Auch die Ferienbetreuung soll demnach abgedeckt sein, höchstens vier Wochen Schließzeiten sollen noch möglich sein.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) erklärte, bei den Ganztagsangeboten gehe es um mehr als nur Betreuung. Sie müssten "so angelegt sein, dass sie die Kinder weiterbringt", erklärte sie.

"Damit der Ganztagsausbau auch gelingt, brauchen wir deutlich mehr Erzieherinnen und Erzieher", forderte DGB-Vize Elke Hannack. "Allein bis zum Jahr 2025 fehlen rund 26.000 Lehrkräfte, um nur den Halbtagsbetrieb an Grundschulen zu sichern."

"Für die Länder wird das allerdings auch eine enorme Kraftanstrengung, die dauerhaft finanziert werden muss", sagte die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Stefanie Hubig (SPD), dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Dienstagsausgaben). Die Einführung des Rechtsanspruchs sei mit 7,5 Milliarden Euro um ein vielfaches teurer als die vom Bund bereitgestellten zwei Milliarden Euro, sagte die rheinland-pfälzische Bildungsministerin.

Mehr Anstrengungen des Bundes verlangte auch die Linke. Die Pläne von Giffey seien für die Umsetzung des Rechtsanspruchs "noch zu dünn", erklärte die Linken-Bildungsexpertin Birke Bull-Bischoff. "Das Personal können sich die Länder ja schließlich nicht einfach backen."