Mehr Mao: Chinesen spielen Langen Marsch nach

Der Lange Marsch, Gründungsmythos des kommunistischen China, war eigentlich eine lange Flucht. Aber das Schicksal wollte es so, dass auch Mao Zedong, Vater der chinesischen Variante des Kommunismus, auf dieser Flucht vor den nationalistischen Truppen von Chiang Kai-shek dabei war. Viel ist im turbokapitalistischen China nicht übriggeblieben vom kommunistischen Traum, aber das Land versucht, den Mythos aufrechtzuerhalten.

Im südostchinesischen Jingganshan, mitten in den Bergen, sind junge Menschen zusammengekommen, um den Langen Marsch nachzuspielen. In einem Trainingslager üben sie sich in Disziplin, Strammstehen, Floßfahren, über den Boden robben. Noch ist nicht alles perfekt, manches wirkt noch etwas chaotisch. Und immer wieder lachen die Teilnehmer fröhlich. Lebendiger Geschichtsunterricht, militärischer Drill, aber auch mit jeder Menge Spaß.

“Ich fühle den Geist der Revolution”, sagt Wang Pingzhu, eine 32-jährige Frau in blaugrauer Uniform, die sonst in einer Textilfirma arbeitet, “schon, als ich hier angekommen bin, habe ich sie entlang der Straße vor meinem inneren Auge gesehen.”

Es gehe um Kontrolle, sagt der politische Analyst Zhang Lifan. Würde die kommunistische Partei ihre Macht verlieren, wäre es für immer vorbei, so Analyst Zhang, so wie in den ehemaligen Ostblockstaaten.

Die Leute sollen wieder auf Parteilinie gebracht werden, nach einer Zeit, in der China vor allem die kapitalistische Volkswirtschaft ausgebaut und, wie Kritiker sagen, ihre ideologische Seele verkauft hat. Im Oktober wird der alle fünf Jahre stattfindende Parteitag abgehalten. Dort wird erwartet, dass Präsident Xi seinen patriotischen Kurs weiter ausbauen will.

Und so lebt die Legende des Langen Marsches weiter, zumindest in der Berglandschaft Südostchinas.

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