Traditionelle Chinesische Medizin - Was Sie wissen sollten, bevor Sie im Wellness-Hotel die Tuina-Massage buchen

Altes Heilwissen neu entdeckt: Wie Traditionelle Chinesische Medizin auch Ihnen helfen kann!<span class="copyright">Getty Images/dashu83</span>
Altes Heilwissen neu entdeckt: Wie Traditionelle Chinesische Medizin auch Ihnen helfen kann!Getty Images/dashu83

Anwendungen und Elemente aus der Traditionellen Chinesische Medizin werden immer häufiger auch in Wellnesshotels angeboten. Zum besseren Verständnis von TCM Anwendungen gibt die Hotel-Testerin Andrea Labonte einen Überblick über die jahrtausendealte traditionelle Heilkunst.

Was sind die fünf Säulen der TCM?

Eins vorweg: Die Traditionelle Chinesische Medizin ersetzt NICHT die westliche Schulmedizin, da es keine wissenschaftlich belastbaren Erkenntnisse dazu gibt. Dennoch gibt es immer mehr Hotels, die Gäste locken und TCM als Teil gelungener Erholung anbieten. Wer in ein Wellnesshotel eincheckt, findet im Spa-Menü zum Beispiel nicht selten eine Tuina-Massage oder Akupunktur-Angebote. Auch Qigong und Tai Chi stehen häufig auf der Fitness-Agenda.

Doch was genau steckt hinter diesen Elementen der Traditionellen Chinesischen Medizin und auf welchen fünf Säulen fußt die TCM eigentlich?

Säule 1: Akupunktur und Moxibustion

Die bekannteste Behandlungsmethode ist die Akupunktur zur Harmonisierung des Energieflusses im Körper. So werden feine Akupunkturnadeln an spezifischen Punkten entlang der Körper-Meridiane eingeführt, um somit den Fluss von Qi (Lebensenergie) zu regulieren und das Gleichgewicht zwischen Yin und Yang wiederherzustellen. Denn Krankheiten beruhen in der TCM auf einer Störung der Lebensenergie. Durch Akupunktur sollen Endorphine, Kortison und andere entzündungshemmende Substanzen im Körper ausgeschüttet werden.

Akupunktur wird verwendet, um Schmerzen zu lindern, Stress zu reduzieren, das Immunsystem zu stärken und eine Vielzahl von Krankheiten zu behandeln. Bei der Moxibustion wird getrocknetes Beifußkraut (Moxa) verbrannt und die entstehende Wärme wird auf bestimmte Akupunkturpunkte oder Körperbereiche angewendet. So sollen durch die Moxibustion Akupunkturpunkte durch Erwärmen stimuliert werden. Diese Methode soll das Qi stärken und zur Behandlung von kältebedingten Beschwerden dienen.

Säule 2: Kräutermedizin

Die Kräutermedizin ist eine der ältesten Praktiken der TCM und nutzt pflanzliche, tierische und mineralische Substanzen, um teilweise personalisierte Heilmittel herzustellen. Oft handelt es sich dabei um einen Tee oder Sud aus Pflanzenbestandteilen wie Wurzeln, Rinden, Blättern, Stängeln und Blüten. Aber auch Extrakte, Pulver und Pillen werden in der Chinesischen Kräutermedizin verschrieben. Diese Heilmittel werden auf die spezifischen Bedürfnisse des Patienten abgestimmt, um das innere Gleichgewicht zu fördern und Krankheiten zu behandeln. Bekannte Kräuter in der TCM umfassen Ginseng, Reishi-Pilze und Angelikawurzel.

Die Kräutermedizin soll das Immunsystem stärken, Entzündungen reduzieren und das allgemeine Wohlbefinden verbessern. Da auch bei der Einnahme von chinesischer Kräutermedizin Nebenwirkungen auftreten können, ist eine regelmäßige Blutkontrolle und eine Überprüfung der Leber- und Nierenwerte angeraten. Chinesische Arzneimittel sollten unbedingt nur über Apotheken erworben werden, da beim Bezug zweifelhafter Quellen die Gefahr von Verunreinigungen besteht.

Säule 3: Koordinationsübungen Qigong und Tai Chi

Qigong und Tai Chi sind meditative Bewegungstherapien, die Atemübungen, Körperhaltungen und Bewegungen kombinieren, um Qi zu kultivieren und zu harmonisieren. Diese Praktiken sollen die körperliche Fitness, geistige Ruhe und das allgemeine Wohlbefinden fördern. Qigong und Tai Chi werden häufig zur Stressbewältigung, zur Verbesserung der Balance und Flexibilität sowie zur Unterstützung des Immunsystems praktiziert.

Säule 4: Tuina (Therapeutische Massage)

Gerade die Tunia-Massage erfreut sich in Wellnesshotels großer Beliebtheit. Diese Massage wird meist intensiver als herkömmliche Massagen empfunden. Tuina zählt zu den ältesten manuellen Therapien, die verschiedene Techniken wie Kneten, Drücken, Streichen, Klopfen und Reiben verwendet, um den Fluss von Qi zu fördern, Muskeln zu entspannen und Schmerzen zu lindern. Dabei werden sowohl Muskeln, Sehnen, Bänder und auch Gelenke in die Tuina-Massage integriert.

Eine Tuina eignet sich laut TCM-Erzählung für jedes Alter und kann je nach Körperbereich fünfzehn Minuten bis zu einer Stunde dauern, sofern der gesamte Körper massiert wird. Tuina wird sowohl zur Behandlung von akuten Verletzungen als auch von chronischen Erkrankungen eingesetzt. Diese Technik wird oft in Kombination mit anderen TCM-Praktiken verwendet, und soll eine umfassende Heilung unterstützen.

Säule 5 Ernährungstherapie

Die Ernährungstherapie ist in der TCM sehr individuell und auf die Konstitution des Einzelnen abgestimmt. Dabei zielt eine ausgewogene Ernährung auf das Gleichgewicht von Yin und Yang sowie die Gesundheit der Organe ab. Bestimmte Nahrungsmittel und Kräuter werden je nach Konstitution und Gesundheitszustand des Einzelnen empfohlen.

Beispielsweise werden kühlende Lebensmittel wie Gurken und Wassermelonen für Personen mit überschüssigem Hitzezustand und wärmende Lebensmittel wie Ingwer und Lammfleisch für Personen mit Kältezustand empfohlen.

Wie alt ist die Traditionelle Chinesische Medizin?

Ihre Wurzeln reichen bis in die frühen Zivilisationen Chinas zurück, mit schriftlichen Werken, die etwa 3.000 Jahre alt sind. Die wichtigsten Werke und Theorien der TCM wurden während der Han-Dynastie und in den darauffolgenden Jahrhunderten verfasst. Heute wird TCM sowohl in China als auch weltweit praktiziert, wobei sie eine bedeutende Rolle in der komplementären und alternativen Medizin einnimmt.

Was ist der Grundgedanke der TCM?

TCM basiert auf einer ganzheitlichen Betrachtung des menschlichen Körpers und zielt darauf ab, das Gleichgewicht zwischen Körper, Geist und Seele zu fördern. Im Zentrum der TCM steht das Konzept des Qi (Lebensenergie), das durch ein Netzwerk von Meridianen (Energieleitbahnen) im Körper fließt. Gesundheit wird als ein Zustand beschrieben, in dem das Qi frei und harmonisch fließt, während Krankheiten auf Blockaden oder Ungleichgewichte im Qi zurückgeführt werden.

Kann TCM das eigene Wohlbefinden steigern?

Zunächst betrachtet die TCM den Menschen als Ganzes anstatt sich nur auf einzelne Symptome oder Krankheiten zu konzentrieren. Dabei legt die TCM durch ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und Stressmanagement großen Wert auf die Prävention und die frühzeitige Erkennung und Behandlung von Ungleichgewichten. Außerdem stehen die individuelle Konstitution und die persönlichen Bedürfnisse des Einzelnen im Fokus. Der Einsatz natürlicher Heilmittel soll Nebenwirkungen und Belastungen durch synthetische Medikamente minimieren.

Welche Diagnose-Verfahren zieht die TCM heran?

In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird die Diagnose als ein integraler und wichtiger Bestandteil der Behandlung betrachtet. Dabei spielt die Zungendiagnose eine zentrale Rolle. Der TCM-Praktiker betrachtet Form, Farbe, Belag und Beweglichkeit der Zunge. Dabei korrespondieren die verschiedenen Bereiche der Zunge mit den unterschiedlichen Organen. Der Zustand und die Farbe des Zungenbelags sollen Hinweise auf den Zustand der inneren Organe und die Art der Störung geben. Auch die Untersuchung des Pulses an drei Stellen am Handgelenk und in drei Tiefen wird an jeder Seite des Körpers untersucht.

Dabei differenziert die TCM zwischen 28 verschiedenen Pulsqualitäten, die Hinweise auf den Zustand des Qi, des Blutes und der Organe geben sollen. Beispiele für Pulsqualitäten sind schnell, langsam, voll, leer, schlüpfrig oder gespannt. Außerdem betrachtet der TCM-Praktiker eingehend das Gesicht, den Teint, die Farbe und die Beschaffenheit der Haut. Bestimmte Bereiche des Gesichts werden wiederum bestimmten Organen zugeordnet. Beispielsweise steht die Stirn für das Herz, die Nase für die Milz und der Bereich um die Augen für die Leber. Verfärbungen, Schwellungen, Hautveränderungen oder ungewöhnliche Merkmale könnten demnach auf Probleme in den entsprechenden Organen hinweisen.

Außerdem wird ein geschulter TCM-Arzt ein detailliertes Anamnese-Gespräch führen. Hierbei wird er Fragen zu aktuellen Beschwerden, Verdauung, Schlaf, Appetit, Durst, emotionalem Zustand, Energielevel und weiteren Aspekten des täglichen Lebens stellen. Auch eine körperliche Untersuchung wird als Diagnose-Werkzeug herangezogen. So werden bestimmte Körperbereiche und Akupunkturpunkte abgetastet. Aufgrund all dieser Diagnoseverfahren versucht der TCM-Praktiker die zugrunde liegenden Ursachen von Krankheiten zu identifizieren und individuelle, ganzheitliche Behandlungspläne zu entwickeln.

Fazit: Die Traditionelle Chinesische Medizin setzt auf eine umfassende Herangehensweise an Gesundheit und Wohlbefinden. Durch die Kombination von Akupunktur, Kräutermedizin, manuellen Therapien, Bewegung und Ernährung will die TCM dazu beitragen, das Gleichgewicht im Körper wiederherzustellen, Krankheiten vorzubeugen und ein gesundes und glückliches Leben zu fördern.

Es ist jedoch wichtig, sich an qualifizierte TCM-Praktiker zu wenden, um eine sichere und effektive Behandlung zu gewährleisten. Auch ist es ratsam, bei Krankheiten die Traditionelle Chinesische Medizin nur begleitend zur Schulmedizin heranzuziehen.