Berliner Polizei und Senat zufrieden mit weitgehend friedlichem 1. Mai

Kundgebung in Berlin

Einen Tag nach den Demonstrationen und Feierlichkeiten zum 1. Mai in Berlin haben Senat und Polizei eine positive Bilanz gezogen. "Berlin hat gestern gezeigt, wie der 1. Mai geht - friedlich feiern und selbstbewusst demonstrieren", sagte Innensenator Andreas Geisel (SPD) am Dienstag. Dennoch wurden mehrere Polizisten leicht verletzt und dutzende Menschen festgenommen. Auch in Hamburg gab es Zusammenstöße.

Am ersten Maifeiertag unter dem neuen rot-rot-grünen Senat hatten linke und linksextreme Gruppen die traditionell um 18.00 Uhr beginnende Revolutionäre 1. Mai Demonstration erstmals nicht angemeldet. Zudem querte der Demonstrationszug mit rund zehntausend Teilnehmern das sogenannte Myfest im Stadtteil Kreuzberg, wo am Nachmittag bis zu 200.000 Besucher durch die Straßen flanierten.

Dass es dennoch keine Zusammenstöße gab, wertete Geisel als Erfolg der polizeilichen Zurückhaltung. "Polizei und Politik müssen nicht über jedes Stöckchen der Provokation springen, das uns hingehalten wird", sagte Geisel. Der Demonstrationszug sei von der Polizei eng begleitet worden. Die Beamten gingen nach Geisels Angaben bewusst nicht auf Provokationen ein, um eine Eskalation zu vermeiden.

Polizeipräsident Klaus Kandt bezifferte den Anteil gewaltbereiter Demonstranten auf etwa tausend. Insgesamt seien 72 Teilnehmer unter anderem wegen Landfriedensbruchs und Körperverletzung festgenommen worden. Davon waren einige mit Fahnenstangen auf Polizisten losgegangen, woraufhin diese Reizgas einsetzten. Zudem wurden vereinzelt Flaschen und Feuerwerkskörper geworfen.

Insgesamt wurden Kandt zufolge 32 Polizisten verletzt. Zur Absicherung der Feierlichkeiten und mehrerer Demonstrationen waren am Nachmittag und Abend insgesamt 5200 Polizisten aus sechs Bundesländern sowie Bundespolizisten im Einsatz.

Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Oliver Malchow, erklärte: "Angesichts teils massiver Attacken auf meine Kolleginnen und Kollegen sollten Beobachter jedoch nicht von einem friedlichen Tag reden." Die Gesellschaft dürfe sich "nicht an ein bestimmtes Maß von Gewalt gegenüber der Polizei gewöhnen".

Das Bündnis Internationalistischer Block, das sich nach einer eigenen Demonstration dem 18.00-Uhr-Zug anschloss, fühlte sich einer Mitteilung zufolge von der Polizei schikaniert. Mit Verlauf und Teilnehmerzahlen zeigte sich das Bündnis dagegen zufrieden. "So wie die deutsche Regierung Waffen und Ausbeutung in alle Welt exportiert, so tragen wir den Widerstand aus aller Welt in Berlin wieder zusammen", erklärte ein Sprecher.

In Hamburg kamen wie in jedem Jahr abends hunderte Menschen im Schanzenviertel zusammen. Die Polizei sei aus dieser Gruppe von etwa 200 bis 300 Menschen mit Glasflaschen und Feuerwerkskörpern attackiert worden, sagte ein Sprecher. Sechs Beamte wurden demnach verletzt, einer von ihnen musste im Krankenhaus behandelt werden.

Wegen Straftaten wurden laut Polizei drei Menschen festgenommen, zur Gefahrenabwehr zudem zwölf Menschen in Gewahrsam genommen. In Hamburg waren im Rahmen der ansonsten friedlichen Demonstrationen und Feierlichkeiten 2800 Polizisten aus sieben Bundesländern sowie der Bundespolizei eingesetzt.

Mit Yahoo Nutzung stimmen Sie zu, dass Yahoo und Partner Cookies für Personalisierungs- und andere Zwecke nutzen