Mindestens 24 Tote bei Anschlag auf Militärparade im Iran

Paradeteilnehmer warfen sich während des Angriffs zu Boden

Bei einem Anschlag auf eine Militärparade im Iran sind mindestens 24 Menschen getötet worden. Weitere 60 Menschen wurden bei dem Angriff in Ahwas am Samstag verletzt, wie iranische Nachrichtenagenturen am Sonntag unter Berufung auf den Gouverneur der Stadt meldeten. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekannte sich zu dem Anschlag. Teheran vermutete hingegen arabische Separatisten hinter der Tat und machte die US-Regierung mitverantwortlich für den "Terrorakt".

Iranischen Medienberichten zufolge schossen vier Männer in Militäruniform während der Parade in der südwestlichen Stadt Ahwas in die Zuschauermenge. Drei Angreifer seien vor Ort getötet worden, der vierte sei nach der Festnahme seinen Verletzungen erlegen, sagte Militärsprecher Abolfasl Schekartschi.

Das Staatsfernsehen hatte zunächst von 29 Todesopfern gesprochen. Stadtgouverneur Dschamal Alami Neysi machte am Sonntag einen "Irrtum" für die korrigierte Opferzahl verantwortlich.

Der Anschlagsort Ahwas liegt in der mehrheitlich von Arabern bewohnten Provinz Chusistan an der Grenze zum Irak. In der Region hatte es in vergangenen Jahren Unabhängigkeitsbestrebungen gegeben.

Die iranische Regierung machte Kämpfer der für Unabhängigkeit kämpfenden Gruppe Demokratische Volksfront von Ahwas (ADPF) für den Anschlag verantwortlich. Es bestehe "keinerlei Zweifel daran", wer hinter der Tat stecke, sagte Präsident Hassan Ruhani. Die Gruppe sei von einem durch die USA unterstützten Golfstaat finanziert und ausgerüstet worden.

Der oppositionelle TV-Sender Iran International mit Sitz in London verbreitete ein Interview mit einem angeblichen Sprecher der Volksfront mit einem indirekten Bekenntnis zu der Tat. In einer auf ihrer Website verbreiteten Erklärung dementierte die Gruppe dagegen jegliche Verwicklung.

Außenminister Mohammed Dschawad Sarif erklärte, "regionale Terror-Unterstützer und ihre US-Herren" seien für den Angriff verantwortlich. Er kündigt an, der Iran werde "schnell und entschieden zur Verteidigung iranischer Leben antworten".

Irans geistliches Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei bezeichnete den Anschlag als "Fortsetzung der Verschwörung von Regierungen aus der Region, die von den USA bezahlt werden" und die versuchten, die Unsicherheit im Land zu erhöhen.

Die USA verurteilten den Anschlag. Die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, machte die "Unterdrückung des iranischen Volkes" verantwortlich: "Ich glaube, dass die Iraner genug haben."

Zuvor hatte bereits die IS-Miliz den Anschlag für sich reklamiert. Das auf die Überwachung islamistischer Internetseiten spezialisierte US-Unternehmen Site erklärte, der Angriff sei eine Reaktion auf die iranische Einmischung in Konflikte in der Region.

In einer ersten Reaktion bestellte Teheran laut Irna die Botschafter Dänemarks und der Niederlande sowie den britischen Geschäftsträger ein. Teheran habe dagegen protestiert, dass die jeweiligen Länder "Mitglieder der Terrorgruppe beherbergen, die den terroristischen Anschlag begangen hat". Es sei "inakzeptabel, dass die Europäische Union die Mitglieder dieser terroristischen Gruppen nicht auf ihre schwarze Liste setzt, solange sie keine Verbrechen auf europäischem Boden verüben", erklärte das Außenministerium.

Russlands Präsident Wladimir Putin erklärte in einer Beileidsbotschaft, er sei "entsetzt von diesem blutigen Verbrechen". Der Vorfall "erinnert uns einmal mehr an die Notwendigkeit eines kompromisslosen Kampfes gegen Terrorismus in all seinen Erscheinungsformen", hieß es weiter.

Im Juni 2017 waren bei einem Angriff auf das Parlament und das Mausoleum von Ayatollah Khomeini in Teheran 17 Menschen getötet und dutzende weitere verletzt worden. Noch während des Angriffs bekannte sich der IS zu der Tat. Bis dahin war der mehrheitlich schiitische Iran von Anschlägen der sunnitischen IS-Miliz verschont geblieben.