Sechs Verletzte bei Messerattacke in Mannheim - Polizei schießt Verdächtigen an

Nach einem Messerangriff mit mehreren Verletzten auf dem Marktplatz in Mannheim haben Polizisten einen Verdächtigen angeschossen. Der Mann sei dabei ebenfalls verletzt worden, erklärten die Beamtinnen und Beamten. (Daniel ROLAND)
Nach einem Messerangriff mit mehreren Verletzten auf dem Marktplatz in Mannheim haben Polizisten einen Verdächtigen angeschossen. Der Mann sei dabei ebenfalls verletzt worden, erklärten die Beamtinnen und Beamten. (Daniel ROLAND)

Ein Mann hat bei einer Messerattacke auf dem Marktplatz in Mannheim sechs Menschen verletzt. Der Mann griff am Freitag Mitglieder der Bürgerbewegung PAX Europa an, wie Staatsanwaltschaft und Polizei mitteilten. Fünf Mitglieder der Gruppe wurden demnach verletzt, zudem trug ein Polizist schwere Verletzungen davon. Der Angreifer wurde von einem weiteren Polizisten angeschossen und dadurch verletzt. Die Hintergründe der Tat, die parteiübergreifend für Bestürzung sorgte, waren zunächst unklar.

Die Identität des Angreifers sei derzeit noch ungeklärt, hieß es in der gemeinsamen Mitteilung der Staatsanwaltschaft Karlsruhe und des Landeskriminalamts (LKA). Der Staatsschutz übernahm demnach in Zusammenarbeit mit dem LKA und dem Polizeipräsidium Mannheim die Ermittlungen.

Alle Verletzten wurden den Angaben zufolge in Krankenhäuser eingeliefert, wo einige von ihnen notoperiert werden mussten. Der verletzte Polizist wurde von dem Angreifer demnach "mehrmals von hinten in den Bereich des Kopfes gestochen".

Medienberichten zufolge soll der Angriff dem Anti-Islam-Aktivisten Michael Stürzenberger gegolten haben. Dessen Gruppierung Pax Europa berichtete auf ihrer Internetseite, dass Stürzenberger unter den Verletzten sei.

Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) verurteilte die "brutale Gewalttat" in Mannheim. "Unser Dank geht an die Polizeikräfte, die durch ihr entschlossenes Handeln noch Schlimmeres verhindert haben", erklärte er. Wer Polizisten angreife, greife "unseren demokratischen Rechtsstaat an".

Landesinnenminister Thomas Strobl (CDU) lobte die Beamten, die "mit großer Entschlossenheit und viel Mut" gegen den Messerangreifer vorgegangen seien. Es sei ihnen gelungen, diesen "außer Gefecht zu setzen und weiteren Schaden von Menschen abzuwenden". Die Polizei arbeite "mit voller Kraft daran, die genauen Umstände der Tat aufzuklären", erklärte Strobl.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sprach mit Blick auf das Geschehen von einem "Attentäter", der mehrere Menschen schwer verletzt habe. "Gewalt ist absolut inakzeptabel in unserer Demokratie - der Täter muss streng bestraft werden", erklärte Scholz weiter. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verurteilte die Messerattacke. "In unserer Demokratie darf kein Platz für Gewalt sein - Gewalt zerstört Demokratie", erklärte er.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) bezeichnete die Bilder der Tat als erschütternd. "Die Ermittlungen werden die Hintergründe dieser Tat aufklären, insbesondere den Hintergrund und die Motive des Täters", teilte sie in Berlin mit. "Wenn die Ermittlungen ein islamistisches Motiv ergeben, dann wäre das eine erneute Bestätigung der großen Gefahr durch islamistische Gewalttaten, vor der wir gewarnt haben." Sie wünsche allen Tatopfern vollständige Genesung.

Ein Sprecher der Mannheimer Polizei sagte dem Sender Welt, über die Motive des Verdächtigen könnten die Ermittler noch keine Angaben machen. "Derzeit können wir dazu nichts sagen", sagte er.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Mannheim, Thomas Mohr, zeigte sich "schockiert" über den Angriff auf seinen Kollegen. Der stellvertretende GdP-Bundesvorsitzende Michael Mertens erklärte, die Tat zeige, dass Polizisten bei ihren Einsätzen "jederzeit mit massiven Gewaltausbrüchen und Tötungsversuchen rechnen müssen. Die Gefahr ist präsent und real."

Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz (IMK), Michael Stübgen (CDU), wertete die Messerattacke von Mannheim als einen Beleg für die Verrohung der Gesellschaft. "Das Motiv des Messerstechers wird jetzt untersucht, die Sicherheitsbehörden werden daraus ihre Schlüsse ziehen müssen", sagte Brandenburgs Innenminister den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Diese schreckliche Tat macht darüber hinaus erneut deutlich, wie sehr unsere Gesellschaft verroht. Das muss uns allen zu denken geben."

Stürzenberger und sein Umfeld innerhalb der PAX-Europa-Bewegung werden von den Behörden etwa in Bayern dem Bereich der verfassungsschutzrelevanten Islamfeindlichkeit zugeordnet. Stürzenberger betätigte sich demnach in der Vergangenheit immer wieder etwa als Versammlungsleiter für PAX Europa.

Ebenfalls trat er als Autor auf der rechtsextremistischen Website Political Incorrect in Erscheinung. Er verbreite "islamfeindliche Äußerungen", hieß es auf der Internetseite der bayerischen Informationsstelle gegen Extremismus.

bfi/kas