"Menschen brauchen jetzt dringend Geld in die Tasche": DIW-Chef Fratzscher spricht sich für Gaspreisdeckel aus

Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, sieht die Politik in der Pflicht. Im ZDF-Morgenmagazin fand er deutliche Worte. (Bild: ZDF)
Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, sieht die Politik in der Pflicht. Im ZDF-Morgenmagazin fand er deutliche Worte. (Bild: ZDF)

Eine Deckelung der Gaspreise "wäre sehr klug", unterstrich Ökonom und DIW-Präsident Marcel Fratzscher am Mittwoch im "Morgenmagazin" des ZDF. Seiner Einschätzung nach seien jedoch auch andere Maßnahmen nötig, um weite Teile der deutschen Bevölkerung vor der Armut zu bewahren.

Marcel Fratzscher, Professor für Makroökonomie und Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, hält die bisherigen Entlastungsmaßnahmen der Politik nicht für ausreichend. Angesichts der extremen Preisanstiege - unter anderem durch die Pandemie, den Krieg und die Inflation - sei die Regierung "in der Pflicht, eine Versorgungssicherheit sicherzustellen".

Wie Fratzscher im ZDF-"Morgenmagazin" betonte, seien die bisherigen Maßnahmen nur bedingt bei den Menschen angekommen, die derzeit am meisten unter der Krise leiden. "Rentnerinnen und Renter sind viel zu wenig entlastet worden. Auch Menschen, die Sozialleistungen beziehen, haben keinen Schutzmechanismus durch den Staat. Die Politik tut noch nicht genug." Die Lage sei bereits seit Jahren ernst, doch nun stießen viele Bürgerinnen und Bürger an ihre Belastungsgrenze. "Die Menschen haben keine Zeit, die können kein halbes Jahr warten, bis eine Lösung da ist", sagte Fratzscher. "Die Menschen brauchen jetzt dringend Geld in die Tasche, denn die Situation wird nicht besser, sondern in den kommenden Monaten noch mal deutlich schlechter werden."

"Die Leute brauchen jetzt Hilfe"

Zudem stellte der Wirtschaftswissenschaftler klar, dass eine weitere Verschärfung der Krise soziale Unruhen nach sich ziehen werde. "Die Situation ist bedrohlich", warnte er. "Die Frage ist nicht, ob die Menschen sich wehren werden, sondern die Frage ist, wie es aussehen wird." Denkbar seien Fratzscher zufolge durchaus auch Proteste wie die der Gelbwestenbewegung in Frankreich.

Eine gute Möglichkeit, die Bevölkerung nun zu entlasten, sei dem Vorschlag von Verbraucherschutzministerin Steffi Lemke (Die Grünen) zu folgen und bei den steigenden Gaspreisen anzusetzen. "Ein Gaspreisdeckel wäre sehr klug", urteilte Fratzscher. "Der Staat könnte bei den Gaspreisen für die Verbraucherinnen und Verbrauchern ab einer gewissen Grundmenge einen Deckel setzen und die Anbieter entsprechend kompensieren." Darüber hinaus sei nun schnelles Handeln gefragt, wie der Ökonom wiederholt forderte: "Die Leute brauchen jetzt Hilfe. Die Preise sind schon extrem hoch und die Menschen belastet. Deshalb muss die Politik hier nachlegen."

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