Menschen, die mit ihren Pflanzen sprechen, sind intelligenter

Nathalie Gaulhiac
Baum Pflanze Natur

Egal wie schön die Möbel in der Wohnung sind — so richtig wohl fühlt man sich doch erst, wenn sie einen Touch von Grün hat.

Manche Menschen pflegen ihre Pflanzen beinahe religiös und nehmen ihren Bonsai mit zur Arbeit, andere stellen sich einen Ficus oder eine falsche Palme ins Wohnzimmer und erfreuen sich an dem neuen Leben in ihren Räumen. Und nicht wenige begrüßen ihre Pflanzen dann auch, wenn sie das Zimmer betreten.

Egal, zu welcher Gruppe ihr gehört: Wenn ihr mangels Haustier oder Mitbewohner beginnt, mit euren Pflanzen zu plaudern, ist das nicht ein Anzeichen dafür, dass ihr langsam irre werdet. Im Gegenteil — es ist wissenschaftlich erwiesen, dass ihr damit wahrscheinlich zur intelligenteren Sorte Mensch gehört. 

Vermenschlichung ist ein Zeichen von Intelligenz

Nicholas Epley ist Professor für Verhaltensforschung an der University of Chicago und hat sich mit dem Thema intensiv auseinandergesetzt. „Historisch gesehen wurde Vermenschlichung als Zeichen für Kindlichkeit oder Dummheit gesehen“, sagt er im Gespräch mit „Quartz“

„Aber tatsächlich ist es ein natürliches Nebenprodukt einer Fähigkeit, die Menschen auf diesem Planeten auf eine einzigartige Art und Weise intelligenter macht. Keine andere Spezies hat diese Neigung.“ Er ist sich sicher: Ob wir es bemerken oder nicht, wir vermenschlichen Gegenstände am laufenden Band. 

Seht euch in eurem Umfeld um: Wie viele Leute vermenschlichen ihre Gegenstände? Ich persönlich kenne mehrere Leute, die ihrem Hab und Gut Namen geben. Während eine Freundin ihr Auto „Sheldon“ nennt, nennt ein Bekannter seinen Trichter „Emily“. Und in meinem Zimmer steht Oliver, meine Lieblings-Fakepflanze.

Wir sind darauf programmiert, überall Gesichter zu erkennen

Wilson Cast Away

Die Erklärung dafür ist, dass wir tatsächlich soziale Bindungen zu Objekten aufbauen und sie als Erweiterung unserer Identität sehen. Wir haben nämlich eine aktive und intelligente soziale Wahrnehmung. Im Grunde heißt das: Unser Gehirn ist darauf programmiert, Gesichter und Emotionen wahrzunehmen, die nicht vorhanden sind. 

Dieses Phänomen gibt es schon lange: „Wenn du ein legendärer Ritter bist, vertraust du dein Leben quasi deinem Schwert an“, sagte Linguistik-Professorin Ingrid Piller von der Macquarie University „Quartz“. „Ihr wollt glauben, dass das Objekt daran interessiert ist, euch zu verteidigen — selbst wenn es in Wirklichkeit gar kein Interesse hat.“

Wir versuchen, uns in das Objekt hineinzufühlen

Auch in der Evolutionsgeschichte spielt die Vermenschlichung eine Rolle: Diese Funktion unseres Gehirns hilft uns, Freunde von potentiellen Raubtieren zu unterscheiden. Als menschliche Wesen sind wir einfach darauf programmiert, Gesichtsausdrücke zu interpretieren, und zu analysieren, was der Gegenüber vorhat und was er denkt — und das weitet sich nun einmal auch hin und wieder auf Gegenstände aus. 

Ihr erwischt euch manchmal dabei, wie ihr mit einem Gegenstand sprecht? Keine Sorge, das zeigt nur, dass eure soziale Wahrnehmung — etwas, das uns Menschen besonders intelligent macht — sehr gut entwickelt ist.

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