Merkel und Kramp-Karrenbauer würdigen Soldaten der Afghanistan-Evakuierung

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Merkel zeichnet Soldaten aus (AFP/HAUKE-CHRISTIAN DITTRICH)

Knapp einen Monat nach dem Evakuierungseinsatz der Bundeswehr in Afghanistan haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (beide CDU) teilnehmende Soldatinnen und Soldaten gewürdigt. Sie hätten "Unglaubliches geleistet" und unter Lebensgefahr über 5300 Menschen in Sicherheit gebracht, sagte Kramp-Karrenbauer im niedersächsischen Seedorf am Mittwoch. Sie forderte, als Lehre aus dem Afghanistan-Einsatz die Bundeswehr besser auszustatten und Europa auch im militärischen Bereich handlungsfähiger zu machen.

Die elftägige Operation im August über den Flughafen Kabul war die bisher größte Evakuierungsmission in der Geschichte der Bundeswehr. An ihr waren rund 600 Einsatzkräfte beteiligt, darunter auch Bundespolizisten und Diplomaten. Bei dem Rückkehrappell in Seedorf wurden stellvertretend für alle Beteiligten einige Bundeswehr-Angehörige mit der Einsatzmedaille auszeichnet.

"Sie haben sich in Gefahr begeben und viele Menschenleben gerettet", sagte Kramp-Karrenbauer zu dem Einsatz am Flughafen Kabul nach der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban. Deutschland sei den Beteiligten "zu größtem Dank verpflichtet".

Nun gehe es auch darum, "aus dem Afghanistan-Einsatz und seinem Ende zu lernen", sagte Kramp-Karrenbauer. Nötig seien dabei auch "realistische Zielsetzungen" für künftige Einsätze.

Die Verteidigungsministerin betonte zugleich, dass der Evakuierungseinsatz ohne die militärischen Kapazitäten der USA wie bewaffnete Drohnen oder Luftbetankung nicht möglich gewesen wäre. "Wer will, dass wir künftig mehr selbst können, muss tief in die Tasche greifen." Ziel müsse es sein, die Bundeswehr "einsatzbereiter und fitter zu machen".

Sie verwies dabei auf eine stärkere militärische Zusammenarbeit in Europa. Die Mitgliedstaaten müssten den Willen aufbringen, der "EU echte Handlungsfähigkeit für die eigene Sicherheit verleihen zu können". Europa und der europäische Pfeiler in der Nato müsse ein Akteur werden, "der auf Augenhöhe mit anderen operiert".

Kramp-Karrenbauer zeigte sich erleichtert, dass bei dem elftägigen Evakuierungseinsatz keine deutschen Soldaten getötet worden seien. Sie verwies dabei auf die 13 US-Soldaten, die bei der Sicherung des Flughafens bei einem Anschlag starben.

Die Verteidigungsministerin erinnerte bei der Zeremonie zudem an die 59 Bundeswehr-Soldaten, die zuvor bei dem 20-jährigen Afghanistan-Einsatz ums Leben gekommen waren. Und sie verwies auch auf diejenigen, "die Verwundungen davon getragen haben - auch solche, die man nicht sehen kann".

Ein zunächst verschobener Abschlussappell und der Große Zapfenstreich zum Ende des gesamten Afghanistan-Einsatzes soll am 13. Oktober stattfinden. Schon jetzt werde der "Prozess einer abschließenden Aufarbeitung und Bilanz" des Einsatzes beginnen, bekräftigte Kramp-Karrenbauer. Im Abschluss der Zeremonie in Seedorf fand ein feierliches Gelöbnis für rund hundert Rekruten und Rekrutinnen des Fallschirmjägerregiments in Seedorf statt.

mt/bk

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