Bundesregierung will Ausbildung von Migranten verbessern

Regierung, Gewerkschaften und Wirtschaft wollen sich stärker für die Ausbildung junger Menschen mit Migrationshintergrund einsetzen. "Es gibt noch Diskriminierung, aber auch sehr viele gute Beispiele", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel nach dem Integrationsgipfel am Montag in Berlin. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kündigte ein Programm zur "assistierten Ausbildung" an. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) verwies darauf, dass der Fachkräftemangel nur mit den Migranten bewältigt werden könne.

"Integration ist keine Einbahnstraße", sagte Merkel auf der Pressekonferenz im Anschluss an die Beratungen mit den Migrationsverbänden. Es gehe nicht nur darum, dass sich die Zuwanderer in die Gesellschaft integrierten, sondern dass diese auch "bereit ist, sich zu öffnen". Deutschland komme bei der Ausbildung von Menschen mit Migrationshintergrund zwar langsam voran, sei aber "noch lange nicht da, wo wir hinmüssen". Zu oft scheitere die Bewerbung von Migranten immer noch an ihrem Namen oder Äußeren, hatte Merkel zum Auftakt des Integrationsgipfels gesagt.

Die Integrationsbeauftragte der Regierung, Aydan Özoguz (SPD), beklagte im Sender NDR Info, Migranten würden oft selbst dann "aussortiert, wenn sie ein 1,9-Abitur haben". Vor allem für Bewerber mit türkischem oder arabischem Namen sei es nach wie vor besonders schwierig, eine Lehrstelle zu bekommen.

Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Reiner Hoffmann, betonte, das Programm zur assistierten Ausbildung mit einer individuellen Betreuung werde im kommenden Jahr über 10.000 Ausbildungsplätze verfügen und solle danach fortgeführt werden. Er forderte zudem Verbesserungen bei den Integrationskursen für Zuwanderer.

"Die deutsche Wirtschaft braucht jeden Einzelnen", sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer auf der Pressekonferenz. Die Bundesrepublik werde den Fachkräftemangel nur in den Griff bekommen, "wenn wir es schaffen, jeden Migranten in die Arbeitswelt zu integrieren".

Zuvor hatte die Kanzlerin mit den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) einen Betrieb besucht, dessen Auszubildende zu rund einem Drittel einen Migrationshintergrund haben. Auf die bei dem Besuch gestellte Frage, wann Integration für sie gelungen sei, antwortete Merkel: Dann, wenn im Verhältnis "genauso viele Menschen mit Migrationshintergrund einen Schulabschluss, einen Studien- oder Ausbildungsplatz bekommen" wie alle anderen Menschen in Deutschland auch.

Die Migrantenverbände legten dem Gipfel ein Papier mit Empfehlungen vor. Darin schlagen sie vor, Familien mit Migrationshintergrund gezielt über Ausbildungsmöglichkeiten zu informieren und Jugendliche beim Übergang von der Schule in die Arbeitswelt zu begleiten. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen müssten - etwa von Arbeitsagenturen und Kammern - ermutigt werden, Bewerber mit Migrationshintergrund einzustellen; hier sei die Migrantenquote noch besonders gering.

Im Zuge des Integrationsgipfels wurde auch die Forderung laut, das Instrument der anonymisierten Bewerbung auszubauen. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes und die Türkische Gemeinde des Bundes warben in einer gemeinsamen Erklärung dafür. Sie seien "ein ganz wichtiges Instrument für Chancengleichheit im Bewerbungsprozess", erklärte die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle, Christine Lüders.

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