Merkel stellt Scholz in Rom als wahrscheinlichen Nachfolger vor

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Merkel und Scholz mit Präsident Macron (AFP/Ludovic MARIN)

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) beim G20-Gipfel in Rom als ihren wahrscheinlichen Nachfolger vorgestellt. Sie habe in ihren Gesprächen mit Staats- und Regierungschefs "darauf hingewiesen, dass es eine hohe Wahrscheinlichkeit gibt, dass Herr Scholz der nächste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland ist", sagte Merkel am Sonntag. Für die scheidende Kanzlerin war es der letzte G20-Gipfel.

Scholz hatte die Kanzlerin auf deren Einladung hin zu mehreren bilateralen Gesprächen in Rom begleitet - auch zu einem kurzen Treffen mit US-Präsident Joe Biden am Samstag. Am Sonntag folgten dann nach Angaben eines Regierungssprechers gemeinsame Treffen von Merkel und Scholz mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, dem indischen Premierminister Narendra Modi und dem südkoreanischen Staatschef Moon Jae In.

Die Geste der beiden Politiker sei bei den Gesprächspartnern gut angekommen und als Zeichen von außenpolitischer Kontinuität verstanden worden, hieß es aus Delegationskreisen.

Merkel hob hervor, dass allen Gesprächsteilnehmern klar gewesen sei, "dass der nächste Bundeskanzler nicht von Frau Merkel durch Mit-Gesprächsteilnahme ausgewählt wird, sondern dass er vom Deutschen Bundestag gewählt wird".

Scholz berichtete bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Merkel, in den gemeinsamen Gesprächen sei die Erwartung spürbar gewesen, dass Deutschland weiter eine "wichtige Verantwortung in Europa und der Welt" wahrnehmen werde. "Das kann man auch zu Recht erwarten", fügte er hinzu.

Der SPD-Politiker war offiziell in seiner Funktion als Bundesfinanzminister nach Rom gereist - denn traditionell begleitet der Finanzminister die Kanzlerin zu den G20-Spitzentreffen. "Selbst wenn Herr Scholz und ich nicht so gute Beziehungen pflegen würden, wie wir sie pflegen, wäre Herr Scholz hier auf dem G20-Gipfel anwesend", sagte Merkel.

Ungewöhnlich war allerdings, dass die Kanzlerin den Minister zu den bilateralen Treffen am Rande des Gipfels mitnahm - und dieser dort als gleichberechtigter Gesprächspartner mit am Tisch saß.

G20-Gastgeber Mario Draghi, der Ministerpräsident Italiens, sprach der Kanzlerin zum Abschluss des Spitzentreffens seinen Dank aus. "Kanzlerin Merkel war eine echte Vorkämpferin für den Multilateralismus und die regelbasierte internationale Ordnung", sagte Draghi am Abend vor Journalisten. "Ihre Haltung, ihre Führungskraft und ihre Bereitschaft zum Kompromiss waren für diese Gruppe von unschätzbarem Wert." Damit habe Merkel ein "Vermächtnis" hinterlassen, das die G20 noch lange "in Ehren halten" werde.

pw/mid

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