Merkel trifft Angehörige der Breitscheidplatz-Opfer und weitere Betroffene

Passanten gedenken auf dem Breitscheidplatz der Opfer

Unmittelbar vor dem ersten Jahrestag des Anschlags auf den Berliner Weihnachtsmarkt ist Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Kanzleramt mit Angehörigen der damals getöteten Menschen sowie weiteren unmittelbar Betroffenen zusammengekommen. "Mir ist wichtig, dass ich heute noch einmal deutlich mache, wie sehr wir mit den Angehörigen, mit den Verletzten fühlen", sagte Merkel vor der Begegnung am Montag in Berlin.

Das Treffen sei ihr "sehr wichtig", hob die Kanzlerin hervor. Sie wolle den Betroffenen auch versichern, dass die Lage von Anschlagsopfern "mit aller Kraft" verbessert werden solle. Das gelte auch für all die Fragen um den damaligen Attentäter Anis Amri.

Die Begegnung fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Zugesagt hatten nach Angaben der Bundesregierung mehr als 80 Menschen, viele von ihnen aus dem Ausland. Bei dem Anschlag am 19. Dezember 2016 waren zwölf Menschen getötet und etwa 70 weitere verletzt worden - einige von ihnen so schwer, dass sie bis heute kein normales Leben führen können.

Familien von Opfern hatten der Bundesregierung kürzlich in einem offenen Brief Versäumnisse in der Antiterrorpolitik vorgeworfen, aber auch mangelnde emotionale Unterstützung sowie bürokratische Hemmnisse nach dem Anschlag beklagt. Der von der Regierung als Opferbeauftragter eingesetzte SPD-Politiker Kurt Beck hatte vergangene Woche die Einrichtung spezieller Anlaufstellen schon am Tatort und eine "deutliche Anhebung" finanzieller Härtefallleistungen für bedürftige Hinterbliebene angemahnt.

Bei der Begegnung mit Merkel sollten diese daher auch die Gelegenheit haben, "Kritisches zu äußern", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Merkel wolle mit den Betroffenen "darüber sprechen, wie der Staat ihnen geholfen hat oder ihnen nicht geholfen hat oder helfen konnte in der von ihnen erwarteten Weise". Ziel sei, einander zuzuhören, "damit man gemeinsam möglicherweise Lehren ziehen kann". Die Einladung sei aber lange vor der in dem offenen Brief vorgetragenen Kritik erfolgt.

Am Montag meldeten sich noch einmal die Eltern des von dem Breitscheidplatz-Attentäter getöteten polnischen Lkw-Fahrers Lukasz Urban zu Wort und warfen der Bundesregierung mangelnde Anteilnahme vor. Ihre Familie hätte sich ein "persönliches Kondolenzschreiben" oder ein ähnliches Signal gewünscht, sagte Janina Urban, die Mutter des getöteten Fahrers, der "Deutschen Welle". Sein Vater Henryk Urban nannte die deutschen Behörden "respektlos". Lukasz Urban war das erste Opfer Amris gewesen.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) kritisierte, es fehle auch ein Jahr nach dem Anschlag immer noch an ausreichendem Personal im Antiterror-Kampf. Besonders für eine lückenlose Überwachung von Gefährdern fehlten "schlicht die personellen Kapazitäten", sagte GdP-Chef Oliver Malchow in Berlin. Am Wochenende waren Berichte aufgetaucht, wonach Amri schon deutlich früher und intensiver im Visier der Sicherheitsbehörden stand, ohne dass diese ihn letztlich an dem Anschlag hinderten.

Zum Jahrestag des Anschlags am Dienstag finden in Berlin verschiedene Gedenkveranstaltungen statt, auf denen unter anderem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprechen wird. Auf dem Breitscheidplatz wird eine Erinnerungsstätte eingeweiht. Ein 14 Meter langer goldfarbener Riss im Boden soll dort an die Tat erinnern.

Mit Yahoo Nutzung stimmen Sie zu, dass Yahoo und Partner Cookies für Personalisierungs- und andere Zwecke nutzen