Regierung sorgt sich um Zusammenhalt der älter werdenden Gesellschaft

Bundeskanzlerin Merkel (CDU) dringt auf weitere Anstrengungen für bessere Arbeitsmöglichkeiten älterer Menschen. Sie äußerte sich auf dem Demografiegipfel der Bundesregierung, der die Herausforderungen der älter werdenden Gesellschaft diskutiert

Die Bundesregierung sorgt sich um den Zusammenhalt der älter werdenden Gesellschaft: Beim Demokratiegipfel am Donnerstag in Berlin sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die höhere Lebenserwartung stelle die sozialen Sicherungssysteme vor eine große Herausforderung. Vertreter der Regierung diskutierten auf der Veranstaltung mit gesellschaftlichen Gruppen über den demografischen Wandel.

Merkel forderte weitere Anstrengungen für bessere Arbeitsmöglichkeiten älterer Menschen. "Unser ganzes Trachten muss sein, dass wir Arbeiten bis zum Renteneineintrittsalter auch ermöglichen." Menschen, die später als mit 65 in Rente gehen, dürften nicht den Eindruck bekommen, es gehe um Rentenkürzung.

Die Kanzlerin verwies zugleich darauf, dass sich die Erwerbsquote bei den Menschen zwischen 60 und 64 Jahren in den vergangenen zehn Jahren fast verdoppelt habe. Nach geltender Rechtslage wird das frühere Renteneintrittsalter von 65 Jahren schrittweise auf 67 angehoben. Kritiker bemängeln allerdings, dass ältere Arbeitnehmer häufig gar nicht die Möglichkeit hätten, solange zu arbeiten - und deshalb früher in Rente gehen und Abschläge hinnehmen müssen.

Merkel mahnte zudem mehr Anstrengungen zur Ausbildung von Fachkräften an. "Wir haben im Augenblick einen Rekord an offenen Stellen." Die fachlichen Anforderungen würden immer höher, was neue Herausforderungen bei der Schulausbildung schaffe.

Deshalb müsse auch die Digitalisierung schneller in die Schulen kommen. "So wie wir jeden Haushalt an die Breitbandanbindung anschließen wollen, können wir sagen, Gewerbegebiete und Schulen gehören genauso dazu." Einfache Tätigkeiten würden immer rarer, stattdessen würden höhere Anforderungen an die Berufsausbildung gestellt.

Nach Einschätzung von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) arbeiten viele ältere Menschen auch ohne finanzielle Not über das Rentenalter hinaus. "Fast jeder vierte arbeitet heute nach dem Ruhestand", sagte er auf dem Demografiegipfel. Als Gründe gäben die Senioren auch an, dass es Spaß mache und sie das Gefühl haben wollten, gebraucht zu werden. Benötigt würden neue Übergänge vom Erwerbsleben in die Rente. "Mit der Flexi-Rente haben wir einen Anfang gemacht. Aber ich glaube, hier liegt noch einiges vor uns."

Auch die Entwicklung zwischen Stadt und Land sei sehr von der Demografie beeinflusst, sagte der Innenminister im ZDF-"Morgenmagazin". "Wir haben eine Zuwanderung in die Städte, deswegen gibt es Probleme mit der Versorgung in den ländlichen Gebieten."

Auch Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) warnte auf dem Demokratiegipfel vor dem Auseinanderdriften von Ballungszentren und ländlichen Räumen. Es gebe boomende Regionen in Deutschland. "Auf der anderen Seite erleben wir ganze Landstriche, in denen beinahe alle Strukturen - im wahrsten Sinne des Wortes - bröckeln", sagte sie. "Wenn Strukturen wegbrechen, die eine Gemeinschaft lange zusammengehalten haben, dann ist auch der Gemeinsinn in Gefahr."

Die Grünen warfen der Regierung vor, ihrer Demografiepolitik fehle "der rote Faden". "Stattdessen werkelt jedes Ministerium und jede Arbeitsgruppe vor sich hin, die Ergebnisse werden zusammengetragen und als Strategie verkauft", erklärte die Abgeordnete Doris Wagner.

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