Zitteranfälle: Das könnten die Ursachen sein

Antonia Wallner
Freie Autorin

Zittern ist eine normale Reaktion des Körpers. Tritt es allerdings gehäuft auf, können auch ernste Erkrankungen dahinter stecken. Prominentestes Beispiel: Bundeskanzlerin Angela Merkel, die am Mittwoch den dritten Zitteranfall in drei Wochen erlitt. Das kann dahinter stecken.

Zittern die Hände oder gar der ganze Körper, kann das viele Ursachen haben. Endgültige Aufklärung gibt eine ärztliche Untersuchung (Symbolbild: Getty Images)

Zittern ist nichts Ungewöhnliches. Meistens tritt es auf, wenn uns kalt ist oder wenn wir besonders aufgeregt sind. Doch nicht immer lässt sich Zittern harmlos erklären.

Krankhaftes Zittern: Viele Ursachen möglich

Für Mediziner ist es oft schwer, Zitteranfälle als krankhaft einzuordnen, da jeder Mensch aus unterschiedlichen Gründen zittern kann. Wir zittern zum Beispiel, wenn wir zuviel Koffein getrunken haben oder wenn unser Blutzuckerspiegel zu niedrig ist. Auch bei zuviel Stress kann der Körper zu zittern anfangen. Manchmal liegt es an bestimmten Medikamenten. Dazu zählen etwa Antidepressiva, Antibiotika oder Antiarrythmika. Ein Vitamin-B12-Mangel oder ein niedriger Kaliumspiegel kann ebenfalls zu Zitteranfällen führen. Hier sind besonders Vegetarier und Veganer eine Risikogruppe. Im Fall von Angela Merkel versuchen sich die Experten an anderen Theorien. Schließlich ist es der dritte Zitteranfall innerhalb weniger Wochen.

Angela Merkel: Dritter Zitteranfall psychologisch bedingt?

Beim ersten Mal passierte es beim Empfang des neuen ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj Mitte Juni in Berlin. Merkel sprach von Dehydrierung und lieferte damit eine naheliegende Erklärung. Doch dann wiederholte sich das starke Zittern Ende Juni, als die Bundeskanzlerin bei der Ernennung der neuen Justizministerin Christine Lamprecht im Schloss Bellevue beiwohnte. Wieder nicht genug getrunken? Wohl kaum...

Deutschland und auch die internationale Presse begannen, sich langsam Sorgen um Angela Merkel zu machen. War sie etwa doch ernsthaft krank? Merkel beteuerte erneut ihre Gesundheit: "Mir geht es sehr gut. Ich habe neulich schon mal gesagt, dass ich noch in einer Verarbeitungsphase der letzten militärischen Ehren mit dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj bin."

Angela Merkel beim Empfang des finnischen Ministerpräsidenten Antti Rinne. (Bild: Getty Images)


Heißt das, die Zitteranfälle sind reine Kopfsache und psychologisch bedingt statt körperlich? Das ist durchaus möglich. Denn die Erinnerung an Vergangenes kann uns bis in die Gegenwart prägen und unser Handeln unbewusst steuern. Wenn sich die Kanzlerin also beim Empfang des finnischen Ministerpräsidenten an das Zittern beim Besuch des ukrainischen Präsidenten erinnerte, kann es sein, dass ihr Körper eine Kettenreaktion in Gang setzte.

Sorge um die Kanzlerin: Unangenehme Fragen für Angela Merkel

“Zittern ist eine sehr unangenehme Situation, gerade wenn man in der Öffentlichkeit steht und die ganze Welt einem zusieht“, sagte Experte Dr. Bernhard Osen, Chefarzt der Psychosomatischen Klinik und Psychotherapie an der Schön Klinik Bad Bramstedt gegenüber “Focus Online”. “Das möchte man dann vielleicht unter allen Umständen vermeiden. Aber dadurch, dass man mit aller Gewalt versucht, etwas nicht auftreten zu lassen, geschieht es dann erst recht.“

Zitteranfälle: Auch neurologische Ursache ist denkbar

Der Experte zieht auch eventuelle organische oder neurologische Krankheiten in Betracht, ebenso wie schlichte Aufregung oder Anspannung. Eine solche neurologische Ursache wäre beispielsweise ein sogenannter “orthostatischer Tremor“, wie der Neurologe Uwe Jahnke gegenüber “Focus Online” vermutet.

Die Erkrankung ist weitgehend harmlos. Betroffene zittern im Stehen und hören auf, sobald sie sich wieder bewegen. Das sei aber nur sein erster Eindruck, betonte der Mediziner.

Weitaus ernster ist beispielsweise eine chronische Erkrankung wie Parkinson oder Multiple Sklerose, wo ein Zittern zu den Anfangssymptomen gehört. Betroffene verlieren im Laufe der Krankheit nach und nach die Kontrolle über ihre Muskeln. Auch eine Fehlfunktion der Schilddrüse ist ein möglicher Auslöser.

Zitteranfälle: Meist gut behandelbar

Die meisten Zitteranfälle, medizinisch Tremor genannt, sind harmlos und lassen sich gut behandeln. Sind Medikamente der Auslöser, wird der Arzt die Dosis anpassen oder das Präparat ändern. Ist es, wie oben beschrieben, ein sogenannter “orthostatischer Tremor“, helfen bestimmte Medikamente oder auch bestimmte Techniken wie progressive Muskelentspannung. Was aber genau das Problem der Kanzlerin ist, kann letztendlich nur ihr eigener Arzt feststellen.

Solltest du bei dir oft unkontrollierte Muskelzuckungen oder Zittern beobachten, lass dich bei einem Neurologen durchchecken.

VIDEO: Angela Merkel zittert erneut