Merkel zeigt bei ihrem jüngsten Auftritt, wie selten Politikertypen wie sie geworden sind

Andreas Baumer
Angela Merkel bei der Sommerpressekonferenz in Berlin.


Vielleicht werden Historiker in ein paar Jahrzehnten auf Angela Merkels Kanzlerschaft zurückblicken und sich wundern. Die Frau war die ganze Zeit im falschen Amt gefangen, könnten sie dann schreiben. Statt Kanzlerin hätte sie Bundespräsidentin werden sollen.

Gern pflegt Merkel das Image der überparteilichen Kanzlerin, der pragmatischen Kümmerin, der „Mutti der Nation“. Solche Eigenschaften erwartet man eher von Bundespräsidenten, die sich dem schmutzigen Tagesgeschäft entziehen und stattdessen schöne Sonntagsreden halten, als von Regierungschefs, die im Zweifel auch für unpopuläre Entscheidungen ihren Kopf hinhalten müssen.

Merkel formuliert, wie Merkel eben formuliert

Merkel war nie ein Haudrauf-Typ und nie ein Alles-oder-nichts-Spieler wie Vorgänger Gerhard Schröder. Ihre Wortwahl ist nüchtern und ihr Handeln vorsichtig. Merkel legt sich ungern fest. Folgerichtig traf sie ihre drei vermutlich weitreichendsten Entscheidungen, die Energiewende 2011, die Euro-Rettung 2012 und die Flüchtlingsaufnahme 2015, nicht aus eigenem Antrieb, sondern als Getriebene politischer Umstände. Dafür hat es Merkel weit gebracht. Seit fast 13 Jahren lenkt sie Deutschlands Geschicke. Doch Merkels Autorität hat in den vergangenen Monaten gelitten. So gefährdet wie Anfang Juli war ihre Kanzlerschaft wohl noch nie.

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