Merkels Kronprinzessin räumt mit einem weit verbreiteten Irrglauben auf — sie könnte dafür teuer bezahlen

Andreas Baumer
Annegret Kramp-Karrenbauer will im Dezember neue CDU-Vorsitzende werden.


Annegret Kramp-Karrenbauer hatte es wahrlich nicht eilig. Mehr als eine Woche ließ Merkels vermeintliche Kronprinzessin verstreichen, bis sie sich ganz offiziell zu ihrer Kandidatur für den CDU-Parteivorsitz äußerte. Da hatte Konkurrent Friedrich Merz schon lange die Medien mit einem Häppchen nach dem anderen gefüttert. Da hatte Rivale Jens Spahn schon lange sein Bewerbervideo über die sozialen Netzwerke gejagt. Diesen Mittwoch trat endlich auch Kramp-Karrenbauer oder AKK, wie sich selbst nennt, vor die Presse. In 35 Minuten erklärte die CDU-Generalsekretärin, wo es mit ihrer Partei hingehen soll, wenn sie im Dezember neue Chefin wird. Es sollten 35 bemerkenswerte Minuten werden.

Kramp-Karrenbauer zeigte, warum viele sie für Merkel 2.0 halten. Ihre Rhetorik ist ausbaubar. Bisweilen fällt es schwer, ihren Schachtelsätzen zu folgen. Kramp-Karrenbauers Stärken liegen woanders. Sie ist mit ihrer Schlichtheit und Biederkeit der Gegenentwurf zu den redegewandteren Egoshootern Merz und Spahn. Sie nimmt sich selbst nicht so wichtig, betont lieber einmal zu oft, dass sie ihrer Partei „unendlich viel zu verdanken“ habe. Sie appelliert mit ihrer Politik an den Kopf, nicht ans Herz. Sie analysiert nüchtern und unaufgeregt. Das ist Vor- und Nachteil zugleich.

AKK will nicht der etwas verjüngte Merkel-Verschnitt sein

Die Deutschen mochten Merkel über weite Strecken auch deshalb so gern, weil sie sich im Polit-Zirkus nicht aufführte wie ein Stier in der Arena. Sie vertrauten ihr auch deshalb so lange, weil sie sich bei der bescheidenen Physikerin stets gut aufgehoben fühlten. Da mochte die Welt noch so bedrohlich aussehen; die Frau aus der Uckermark würde es schon richten.

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