Meuthen gegen den Flügel: Wer setzt sich bei der AfD durch?

Auf dem relativ ruhigen Parteitag der AfD in Braunschweig hat der alte und neue Parteichef Jörg Meuthen nicht nur das baldige Ende der GroKo vorausgesagt, sondern auch die Grünen kritisiert.

Dabei bekam der als gemäßigt geltende Meuthen deutlich wenige Applaus als der scheidende AfD-Chef Alexander Gauland. Und Meuthen muss jetzt mit dem Co-Vorsitzenden Tino Chrupalla klarkommen, der dem extrem rechten Flügel zwar nicht angehört, aber den Mitgliedern nahesteht. So hatte auch Björn Höcke für Chrupalla, den Malermeister aus dem Osten, geworben - und es bleibt abzuwarten, wer sich bei der AfD in den kommenden Monaten durchsetzt.

Besonders ist bei der AfD, wie offen Rivalitäten, Neid und Hass auf dem Parteitag zutage treten. «Nordkorea pur» nennt der Bundestagsabgeordnete Thomas Seitz einige der jüngsten Entscheidungen des Bundesschiedsgerichts, das für den Rauswurf von Mitgliedern aus der AfD zuständig ist. Der geschasste Finanzchef der AfD-Bundestagsfraktion, Frank Krahl, attackiert Chrupalla, als der für sich reklamiert, die Fraktionsfinanzen geordnet zu haben. Das sei ja wohl dreist, gibt Chrupalla zurück. Als Wolfgang Gedeon spricht, der wegen Antisemitismusvorwürfen aus der baden-württembergischen Landtagsfraktion geflogen war, ertönen «Pfui»-Rufe.

Auch Meuthen muss sich gegen parteiinterne Kritiker zur Wehr setzen, die ihn wegen der Parteispendenaffäre hart angehen. Er sei «patriotisch, nicht nationalistisch», sagt er und betont: «Für eine Rechtsaußenpartei stünde ich nicht zur Verfügung.»

Gauland hat schon vor Monaten nach einem Nachfolger Ausschau gehalten. Chrupalla erschien ihm und der Co-Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel als perfekte Besetzung für die Parteispitze: Ostdeutscher, Familienvater, Handwerker, keine größeren Skandale. Chrupalla hat in Sachsen bewiesen, dass er Wahlen gewinnen kann. Auch dies ein Grund dafür, dass Weidel seine Kandidatur für den Vorsitz unterstützte: «Der Mann gehört genau da hin», sagt sie.

Die Absprachen, die Weidel in den vergangenen Tagen und Wochen getroffen hat, auch mit dem rechtsnationalen «Flügel», funktionieren. Als sie, die im Bundesvorstand bisher Beisitzerin war, ihre Kandidatur für einen der drei Vize-Posten verkündet, meldet sich kein einziger Gegenkandidat. Das war vor zwei Jahren noch anders. Damals hatte der «Flügel»-Gründer und AfD-Landeschef in Thüringen, Björn Höcke, noch versucht, Weidels Wahlsieg zu verhindern. Heute nennt er sie eine «Leistungsträgerin» und sagt, «dass ich Frau Weidel als Mensch auch sehr wertschätze».

Höcke wird auf dem Parteitag von einem sächsischen Bundestagsabgeordneten aufgefordert, für einen der drei Stellvertreterposten zu kandidieren. Er lehnt ab. Lars Herrmann, der ihn vorgeschlagen hat, ist kein Anhänger von Höcke. Er will ihn vorführen, weil er davon ausgeht, dass der in der AfD-Thüringen so mächtige «Flügel»-Gründer hier keine Mehrheit hinter sich hat.

Gauland legt in Braunschweig seine persönliche AfD-Bilanz vor. «Wir haben dieses Land verändert. Und wir haben den Menschen eine Stimme gegeben, die sich allein kaum noch trauten, der Auflöung unseres Nationalstaates in der Merkelschen Willkommenskultur zu widersprechen.» Und Gauland gibt seiner Partei ein paar Dinge mit auf den Weg. Vor allem den Rat, strikt an ihrem Kurs festzuhalten.

Seine Prognose: Irgendwann wird die CDU mangels anderer Machtoption gar keine andere Wahl haben als ihre Boykotthaltung gegenüber der AfD aufzugeben. Wie Gauland geben auch Meuthen und Andere das Ziel aus, dass die AfD professioneller werden muss, um dann regierungsfähig zu sein. Gauland mahnt: «Mich treibt die Sorge um, dass wir den Mantel der Geschichte verfehlen, um in Bismarcks Bild zu bleiben. Die Chance, die wir mit der AfD haben, kommt nicht zurück, wenn sie vertan ist.»