Mexiko verlangt von Guatemala Auslieferung von festgenommenem Ex-Gouverneur

Die mexikanische Regierung verlangt von Guatemala die Auslieferung eines früheren Gouverneurs, der hunderte Millionen Dollar unterschlagen haben soll. Der 43-jährige Javier Duarte war nach einem halben Jahr auf der Flucht in Guatemala gefasst worden

Die mexikanische Regierung verlangt von Guatemala die Auslieferung eines früheren Gouverneurs, der hunderte Millionen Dollar unterschlagen haben soll. Der 43-jährige Javier Duarte war nach einem halben Jahr auf der Flucht am Samstag in einem Luxushotel in der Touristenstadt Panajachel in Guatemala gefasst worden, wie die Polizei am Sonntag mitteilte. Noch am selben Abend stellte Mexiko einen Auslieferungsantrag.

Der frühere Gouverneur des Bundesstaats Veracruz, der an der Küste des Golfs von Mexiko liegt, war im vergangenen Jahr zurückgetreten und kurz darauf untergetaucht. Im Oktober stellte Mexiko wegen Unterschlagung und Verwicklung in das organisierte Verbrechen einen Haftbefehl gegen ihn aus. Interpol schrieb ihn auch international zur Fahndung aus.

Am Samstag wurde der Politiker von der mexikanischen Regierungspartei PRI dann in dem Vier-Sterne-Hotel in Panajachel gefasst, wie Guatemalas Vize-Polizeichef Stu Velasco dem Fernsehsender Milenio sagte. Er hatte demnach mindestens zwei Tage lang unter falschem Namen dort gewohnt. Duarte wurde einem Richter vorgeführt, der für den Kampf gegen den Drogenhandel zuständig ist. Wie Guatemalas Generalstaatsanwalt Omar García sagte, wird über den mexikanischen Auslieferungsantrag binnen 60 Tagen entschieden.

Die mexikanische Polizei hatte im Februar bei einer Razzia in einer Lagerhalle Kunstwerke, Antiquitäten und private Aufzeichnungen Duartes beschlagnahmt. Unter den beschlagnahmten Gegenständen waren prunkvolle Möbel und Besteck, aber auch Schulmobiliar und sogar Rollstühle, die mutmaßlich dem Staat gehörten. Im Januar mussten zwei Firmen 19,3 Millionen Dollar (18,2 Millionen Euro) zurückzahlen, die sie unrechtmäßig von Duartes Regierung erhalten hatten. Auch Duartes Frau soll an der Unterschlagung beteiligt gewesen sein.

In Duartes Amtszeit hatte sich Veracruz zu einem der gefährlichsten Bundesstaaten Mexikos entwickelt. Mexiko leidet seit Jahren unter dem Krieg zwischen Drogenkartellen, die um Einfluss im lukrativen Rauschgiftgeschäft ringen und dabei äußerst brutal vorgehen. Veracruz wird immer wieder von Morden und Entführungen erschüttert, allein 17 Journalisten wurden dort bereits getötet.

Duarte ist nicht der einzige mexikanische Ex-Gouverneur, der sich vor Gericht verantworten soll: Vor einer Woche war Tomás Yarrington, der von 1999 bis 2005 an der Spitze des Bundesstaates Tamaulipas stand, in Italien festgenommen worden. Ihm werden Verwicklung in den Drogenhandel und Geldwäsche vorgeworfen.

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