"Warum soll ich mich entschuldigen?": Altkanzler Schröder verteidigt erneutes Putin-Treffen

Der deutsche Altkanzler Gehard Schröder sieht keine Notwendigkeit, sich vom russischen Machthaber Wladimir Putin zu distanzieren. (Bild: Getty Images / Sean Gallup)
Der deutsche Altkanzler Gehard Schröder sieht keine Notwendigkeit, sich vom russischen Machthaber Wladimir Putin zu distanzieren. (Bild: Getty Images / Sean Gallup)

Wegen seiner Nähe zu Russland geriet Gerhard Schröder seit Ausbruch des Ukraine-Krieges immer wieder zwischen die Fronten. Nun lässt der Altkanzler erneut mit einem Interview aufhorchen - und verteidigt ein jüngstes Treffen mit Russlands Präsident Wladimir Putin.

Schon während seiner Kanzlerschaft pflegte Gerhard Schröder ein enges Verhältnis zu Wladimir Putin. Auch während des Ukraine-Krieges, den Putin Mitte Februar mit dem Einmarsch in das Land begonnen hat, hält der deutsche Altkanzler den Kontakt zum russischen Machthaber aufrecht. In einem Interview mit ntv, RTL und dem "stern" bestätigte Schröder nun, Putin erst Ende Juli getroffen zu haben. In diesem Zusammenhang warf er die Frage auf: "Würde eine persönliche Distanzierung von Wladimir Putin wirklich irgendjemandem etwas bringen?" Den Krieg hingegen habe er "mehrfach verurteilt".

Der 78-Jährige mutmaßte, er könne als Vermittler womöglich "noch mal nützlich sein". Sich von Putin zu distanzieren, sieht Schröder daher nicht als notwendig an: "Muss ich denn über jedes Stöckchen springen, das mir hingehalten wird? So bin ich nicht." Außerdem sagte er: "Warum soll ich mich also entschuldigen?"

Laut Schröder hofft Russland auf "eine Verhandlungslösung" im Ukraine-Krieg

Von den Gesprächen mit Putin verriet Schröder in dem Interview derweil immerhin, dass auch der russischen Seite an "einer Verhandlungslösung" im Ukraine-Krieg gelegen sei. Abgesehen davon betonte der SPD-Politiker, ihn würden viele Nachrichten aus Deutschland erreichen, die guthießen, "dass es noch jemanden gibt, der Gesprächskanäle mit Russland im aktuellen Konflikt offen hält".

Im Bemühen, wieder Frieden auf europäischem Boden zu erlangen, sieht Schröder neben der Bundesregierung auch Frankreich in die Verantwortung: "Da geschieht derzeit nicht genug, ist mein Eindruck, denn eines ist doch klar: Es wird nicht ohne Gespräche gehen." Gleichzeitig machte er deutlich, "niemandem in der Regierung den Vermittlungsjob" streitig machen zu wollen. Aufhören wolle Schröder mit seinen Gesprächen mit der russischen Seite aber nicht.

Die Wirtschaftssanktionen, die dem einstigen Bundeskanzler im Laufe des Krieges wegen seiner Nähe zu Russland angedroht wurden, hätten ihn zwar beeindruckt, aber Schröder ist sich sicher: "Es gibt ja noch Richter in Deutschland, die sicherstellen können, dass es nicht dazu käme." Dennoch habe er, um seine Familie zu schützen, sein Engagement im Aufsichtsrat des russischen Energiekonzerns Rosneft beendet und eine Tätigkeit bei Gazprom ausgeschlagen: "Das ist ja unkalkulierbar, was die in ihrem Sanktions-Eifer gerade alles veranstalten."

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