“Milliardengeschäft Inkasso”: Schulden-Dokumentation im Ersten deckt Missstände auf

Inkassounternehmen können es Schuldnern schwer machen, wieder schwarze Zahlen zu schreiben. (Bild: Getty Images)
  • In Deutschland sind rund sieben Millionen Menschen überschuldet
  • Inkasso-Gebühren und doppelt gestellte Forderungen machen es Schuldnern besonders schwer, wieder schwarze Zahlen zu schreiben
  • Die ARD-Doku “Milliardengeschäft Inkasso” klärt auf: Längst nicht jede Inkassoforderung ist rechtens

Im Rahmen des Formats “Die Story im Ersten” hat eine Dokumentation der Öffentlich-Rechtlichen die zum Teil dubiosen Machenschaften von Inkassounternehmen unter die Lupe genommen. Dabei kam heraus: Längst nicht jede Forderung ist rechtens und sowohl Inkassofirmen als auch viele Anwälte nehmen den sozialen Abstieg von Schuldnern für den eigenen Profit in Kauf.

Betroffene berichten

In der Dokumentation kommen mehrere Betroffene zu Wort. Eine von ihnen ist Anke R. – sie arbeitet als Finanzbeamtin im gehobenen Dienst und hätte sich niemals träumen lassen, dass sie selbst einmal einen großen Berg Schulden machen würde. Doch es kam anders: Ihr mittlerweile verstorbener Mann scheiterte als Freiberufler, ließ die Familie zurück und weigerte sich anschließend, für Unterhalt aufzukommen. Anke R. sah sich plötzlich mit Schulden konfrontiert, die sie allein kaum bewältigen konnte. “Wenn es klingelte, hab ich den Kindern gesagt, sie sollen bloß nicht aufmachen. Weil ich Angst hatte, dass draußen die Leute vom Inkassounternehmen stehen”, erklärt die Mutter in der Dokumentation.

Sozialer Abstieg wird in Kauf genommen

Es handelt sich dabei nicht um einen Einzelfall. In Deutschland sind rund sieben Millionen Menschen überschuldet – statistisch gesehen ist somit jeder zehnte Erwachsene betroffen. Häufig werden Schuldner zusätzlich zur ursprünglichen Zahlung mit Inkasso-Gebühren belastet. Denn wer seine Raten nicht zahlen kann, riskiert, dass immer weitere Forderungen fällig werden. Auch Anke R. schätzt, dass ein Drittel ihrer Schulden allein durch Inkassogebühren entstanden sind. Ein Problem, das im schlimmsten Fall in die Privatinsolvenz oder gar zu Obdachlosigkeit führen kann.

Doppelte Forderungen

Darüber hinaus weist die Dokumentation darauf hin, dass häufig doppelt abkassiert wird: Nicht nur Inkassobüros mahnen ab, auch Anwaltskanzleien verlangen Geld von den verschuldeten Personen – und das für die gleiche Forderung. Aus einem Schuldenbetrag von 20 Euro können so schnell 150 Euro werden. Jährlich kommt auf diese Weise ein Umsatz von rund fünf Milliarden Euro zusammen, den jene zu tragen haben, die ohnehin bereits kein Geld besitzen, um ihre Schulden abzubezahlen.

Inkasso-Forderungen immer eingehend prüfen

Die Dokumentation von Grimme-Preisträger Michael Richter hat aufgezeigt, wie lukrativ die Methode der Inkassounternehmen ist und dass Gesetzeslücken noch immer zu viel Spielraum bieten – ein Missstand, den im Film sogar das verantwortliche Bundesministerium einräumen muss. Die Dokumentation schildert zudem, dass sogar Minderjährige in Ratenzahlungen gedrängt werden – eine illegale Praxis. Deshalb gilt Vorsicht: Längst nicht alle Inkassoforderungen sind rechtens. Überhöhte Zinssätze, mehrfach gestellte Forderungen oder aus der Luft gegriffene Gebühren können angefochten werden.

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