"Wer wird Millionär?": Leichtsinns-Drama um "einen der besten Kandidaten, die wir je hatten"

Michael Eichhammer
·Lesedauer: 4 Min.

Mit seinem Mut machte Janos Pigerl dem "Wer wird Millionär?"-Zocker-Special alle Ehre. Der Student scheiterte kurz vor den zwei Millionen Euro. Doch der große Verlierer des Abends war der Gewinner der Herzen: Selten hat man Jauch so schwärmerisch erlebt.

No risk, no Doppel-Million: Beim "Wer wird Millionär?"-Zockerspecial winken zwar zwei Millionen Euro, dafür darf der erste Joker erst nach der 32.000-Euro-Marke ausgepackt werden. Sonst verfallen alle weiteren Joker. Kein Problem für Janos Pigerl: Mit spielerischer Leichtigkeit überschritt er diese Grenze. Erst bei der 64.000-Euro-Frage brauchte er den Publikumsjoker.

Wie jeder Kandidat bei "Wer wird Millionär?" sollte auch der Psychologie-Student einen Schwank aus seinem Leben erzählen. Seine Story: Er war mit seiner Oma auf einem Konzert der Toten Hosen - zu ihrem 90. Geburtstag. Das allein wäre schon berichtenswert, doch die eigentliche Pointe ist: Die Oma war die Grundschullehrerin von Sänger Campino.

"Wer wird Millionär" (RTL): Kandidat macht "Zockerspecial" alle Ehre

Um Musik ging es auch bei der 125.000-Euro-Frage: "In welchem Lied wird eine Frau besungen, mit der der Frontmann bis heute verheiratet ist?" Zur Wahl standen: "Supergirl" von Reamonn, "Emanuela" von Fettes Brot, "Zu spät" von den Ärzten oder "Hey Jude" von den Beatles. Ohne Joker folgte Janos Pigerl seinem Bauchgefühl: A. Der Mut wurde belohnt. "Sie machen das aber nicht mehr oft so heute oder?", erkundigte sich Jauch, beeindruckt von der Zockerlaune des Kandidaten. Der konterte gelassen: "Maximal dreimal." Der Moderator lobte: "Sie machen dem Sendungstitel 'Zockerspecial' alle Ehre."

Für 250.000-Euro wollte Günther Jauch wissen: "Was soll laut Meldungen vom Oktober bis Ende 2022 fertiggestellt sein?" Fußballarena in der Antarktis, Brücke von Athen nach Kairo, Mobilfunknetz auf dem Mond, Grenzzaun um Bayern? Der Kandidat glaubte an die Antwort C. "Wozu braucht man ein Mobilfunknetz auf dem Mond?", wunderte sich der Moderator.

Der Kandidat glaubte, gelesen zu haben, dass Nokia dies plane. Er schwärmte von seinem unkaputtbaren Nokia-Klapp-Handy. "Technisch kann man nicht weiter hinter dem Mond sein", kalauerte Günther Jauch. Doch war die Antwort wieder richtig. "Bei einer Million geben Sie ein Ständchen mit der Gitarre", las Jauch von seiner Moderationskarte ab. Janos Pigerl dementierte: "Das ist alles gelogen!" Für zwei Millionen Euro könne man darüber reden, doch "für eine Million nicht im Traum!"

Günther Jauch: "Sie waren ein supertoller Kandidat!"

Der nächste Sprung: 750.000 Euro. "In welcher Sportart konnten deutsche Athleten bei Olympischen Spielen bisher am häufigsten Gold für ihr Land gewinnen?" Der 50:50-Joker reduzierte die Antwortmöglichkeiten auf Leichtathletik oder Rudern. Ohne mit einem Joker abzusichern, riet der Kandidat ins Blaue: Leichtathletik. Nach der Werbepause lobte Jauch, dass der Kandidat "sich wirklich durchgezockt, wirklich was gewagt und viel gewusst" habe. Doch die Reise endete hier: Rudern wäre richtig gewesen. "Ooooh", machte das Publikum im Chor. "Bisschen zu gierig", kritisierte sich Janos Pigerl selbst.

Der Moderator dagegen war voll des Lobes und reihte einen Superlativ an den nächsten: "Trotzdem, Sie waren einer der wirklich besten, überlegensten und souveränsten Kandidaten, die wir je hatten." So begeistert hat man den Moderator selten gesehen. Vielleicht sogar noch nie. "Sie waren ein super, supertoller Kandidat. Danke, großes Kompliment!" Der Moderator war sich sicher: "Den werden wir im Gedächtnis behalten." Nicht nur wegen seines Wagemutes: Janos Pigerl war nur noch zwei Fragen von den zwei Millionen entfernt, als er auf 1.000 Euro fiel.

Zusatzjoker weint fast nach falschem Rat

Wie der Vorgänger auf dem heißen Stuhl war auch Niklas Bayer, genannt Eynck, Psychologe. Und wie dieser erreichte der 31-Jährige die 32.000-Euro-Marke und durfte ab da alle Joker nutzen. Gleich drei verballerte er für die 64.000-Euro-Frage. Dann erklärte er seine selbsterstellte Analyse zur Jokernutzung bei "Wer wird Millionär?" anhand eines Diagramms. Der häufigste erste Joker sei der Publikumsjoker, gefolgt vom 50:50-Joker und dem Zusatzjoker. Den Telefonjoker hoben sich die meisten Kandidaten am längsten auf. Interessanter aber war: Welcher Joker ist der effektivste? Das war der Publikumsjoker. Doch wichtiger als die Theorie ist die Praxis. Und da zeigte sich: Der Zusatzjoker war es, der dem Kandidaten zum Verhängnis wurde.

Bei der 125.000-Euro-Frage wurde der Bräutigam im Volkslied "Die Vogelhochzeit" gesucht. Der Zusatzjoker in Gestalt der ehemaligen Kandidatin Andrea Bringenberg weinte fast als sie mit ihrer Vermutung "Amsel" den Kandidaten zu Fall brachte. Er musste mit 1.000 Euro gehen, denn der Bräutigam war die Drossel.

Mit Stefanie Hetzer aus der Nähe von Augsburg war erneut eine Psychologin am Start. Als bei der 4.000-Euro-Frage herauskam, dass ein Kind von Heidi Klum den zweiten Vornamen Günther trägt, meinte Jauch selbstkritisch: "Ich würde keinem Kind heute mehr zumuten, Günther genannt zu werden. Das leidet dann womöglich darunter und landet bei Ihnen. Das ist es nun wirklich nicht wert." Die Kandidatin arbeitet als Kinderpsychologin im Krankenhaus. Wie mutig sie zockt, wird sich erst am Freitag herausstellen, denn die Sendung endete vor der nächsten Frage.