Mindestens 15 Tote nach verheerendem Brand in Rohingya-Lagern in Bangladesch

Suzauddin Rubel
·Lesedauer: 3 Min.
Verheerende Schäden nach dem Brand

Mindestens 15 Tote und 400 Vermisste, 560 Verletzte und über 45.000 obdachlose Flüchtlinge: Einen Tag nach einem Großbrand in Bangladeschs Flüchtlingslager Cox's Bazar war das ganze Ausmaß der Verwüstung noch nicht abzusehen. Die Ursache war zunächst unklar, schon seit Wochen aber brechen immer wieder kleinere Brände in dem riesigen Lager der Rohingya-Flüchtlinge aus Myanmar aus. Die Behörden kündigten Ermittlungen an.

Das Feuer war am Montag ausgebrochen und hatte sich rasch durch die armseligen Hütten gefressen. Nach Angaben eines Lagerbewohners dauerte es zehn Stunden, bis die Flammen wieder unter Kontrolle waren. Die Menschen flohen in Panik, viele Eltern verloren dabei ihre Kinder aus den Augen. "Sie rannten um ihr Leben," erzählt der Rohingya Aminul Haq. "Viele waren verletzt, und ich habe mindestens vier Leichen gesehen".

Einen derart verheerenden Brand habe er in dem Lager noch nie erlebt, berichtete der Vertreter des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) in Bangladesch, Johannes van der Klaauw. "Es ist gewaltig. Es ist erschütternd".

Insgesamt 34 Flüchtlingscamps erstrecken sich über 3000 Hektar in Bangladeschs südöstlichem Grenzbezirk Cox's Bazar. Zusammen bilden sie das größte Flüchtlingslager der Welt. Dort leben fast eine Million Rohingya unter prekären Verhältnissen. Viele Angehörige dieser muslimischen Minderheit waren im Jahr 2017 vor einer brutalen Militäroffensive aus dem benachbarten Myanmar geflohen.

Die Internationale Organisation für Migration (IOM) sprach von "katastrophalen Schäden". Eine von der IOM betriebene Klinik wurde vollständig zerstört, ebenso eine Klinik von Ärzte ohne Grenzen. "Das Feuer ist inzwischen abgeklungen, doch zuvor hat es wichtige Einrichtungen in den Lagern, Unterkünfte und den persönlichen Besitz von zehntausenden Flüchtlingen vernichtet", sagte IOM-Sprecherin Angela Wells.

Auf Videos in den Online-Netzwerken war zu sehen, wie dicke Rauchsäulen aus den brennenden Baracken aufsteigen, während Hunderte von Feuerwehrleuten und Helfern die Flüchtlinge in Sicherheit bringen.

Die Organisation Refugees International berichtete, dass einige wegen der in den Lagern errichteten Stacheldrahtzäune nicht fliehen konnten. Nach Angaben des Lagerbewohners Myo Min Khan wurde seine jüngste Tochter dabei schwer verletzt. Die Polizei wies die Vorwürfe zurück. Nur ein kleiner Teil des Lagers sei eingezäunt, erklärte sie. AFP konnte die Angaben selbst nicht überprüfen.

"Diese Tragödie ist eine schreckliche Erinnerung an die prekäre Lage der Rohingya-Flüchtlinge, deren Heimatland jetzt von demselben Militär regiert wird, das für den Völkermord verantwortlich ist, der sie zur Flucht gezwungen hat", erklärte Refugees International.

Die für Bangladesch zuständige Landeskoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen, Natalia Torrent, sprach von einem "schweren Schlag für die Rohingya-Gemeinschaft". Die Geflüchteten könnten nicht in ihre Heimat zurück, dürften sich aber gleichzeitig in Bangladesch "nicht frei bewegen und nicht arbeiten". Sie seien dadurch vollständig von humanitärer Unterstützung abhängig.

Laut einem Feuerwehrmann hatte es in den vergangenen vier Tagen schon drei Mal gebrannt. Im Januar hatte es bereits zwei größere Feuer gegeben, tausende Bewohner verloren dabei ihr Obdach, vier Unicef-Schulen brannten völlig aus. Ärzte ohne Grenzen erklärte, die provisorischen Unterkünfte der Flüchtlinge seien "aus instabilen brennbaren Materialien gebaut, so dass sich in dem dicht besiedelten Lager Feuer schnell ausbreiten".

Der Südasienbeauftragte von Amnesty International, Saad Hammadi, findet die Häufigkeit der Brände allerdings verdächtig. Er wies auf Twitter darauf hin, "dass bis heute die Ergebnisse früherer Untersuchungen zu den Bränden nicht bekannt" seien. Der führende Vertreter der Rohingya, Sayed Ullah, forderte eine "umfassende Untersuchung" zu den immer wieder ausbrechenden Bränden.

Bangladeschs Regierung dringt inzwischen darauf, die Flüchtlinge auf eine abgelegene Insel im Golf von Bengalen umzusiedeln. Bisher wurden aber nur 13.000 Rohingya umgesiedelt, da viele sich weigern, dorthin zu ziehen.

ans/ck